Lessing-Gymnasium Döbeln

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18.09. Russisch-Ikone wird mit 66 wieder Studentin

Dr. Monika Brosch vom Lessing-Gymnasium geht in den Ruhestand. Doch den Sprachen und ihren Schülern bleibt sie treu.

„Die Schüler waren immer mein Kraftquell.“ Monika Brosch sagt das mit voller Überzeugung. Wenn sie „Ihr Pappnasen“ zu den Schülern sagte, dann war das eine Liebeserklärung. „Ich denke, dass ich einen großen Teil meiner Schüler begeistern konnte“, sagt sie und ihre Augen leuchten, wenn sie zu erzählen beginnt.

Monika Brosch ist am Döbelner Lessing-Gymnasium so etwas wie eine Ikone. Kein russisch-orthodoxes Heiligenbild, sondern das Sinnbild einer Russischlehrerin, die für ihr Fach brennt und deren Begeisterung für Sprachen ansteckend ist. Deshalb blieb sie auch ein Jahr über ihren eigentlichen Renteneintritt hinaus.

Ihren Russisch-Assen am Lessing-Gymnasium bleibt Monika Brosch treu. Hier betreut sie Emily Pilz (l.), Maja Ott und Anita Ischewski (r.). Foto: Thomas Sparrer

Mit 66 Jahren geht sie nun in den Ruhestand. Seit 1996 kümmert sie sich am Lessing-Gymnasium Döbeln um die Begabtenförderung. Viele begabte Russischschüler konnte das Gymnasium bis zum Bundeswettbewerb entsenden. Zahlreiche 1. Plätze sprangen dabei heraus. Selbst in der Pandemie im Homeschooling fand Monika Brosch sieben Schüler für ein Projekt über St. Petersburg, mit dem sich die Schule aktuell beim Bundeswettbewerb Fremdsprachen beteiligt. Per Videokonferenz entstand der Beitrag. „Ich fand es cool, dass die Schüler das durchziehen wollten“, schwärmt sie. Der Lohn ist wieder ein 1. Platz beim Bundeswettbewerb. Für Monika Brosch ist es ein schöner Abschluss. Die Preisverleihung ist am 6. Oktober. Für ihre Talente kommt sie weiter wöchentlich, um sie fit zu machen. Nächste Woche ist die 10. Sächsische Russischolympiade. Ab Oktober betreut sie die Schüler, die das internationale Russisch-Sprachzertifikat TRKI ablegen, im Rahmen einer AG weiter.

Das Leben von Monika Brosch wird mit dem Ruhestand keinesfalls ruhiger. Zum einen hat sie sich ab Oktober als Studentin der italienischen Sprache an der Universität Leipzig eingeschrieben. Nicht weil sie nicht schon italienisch sprechen könnte. „Ich will der Sprache richtig auf den Grund gehen, mit Geschichte, Kultur und allem“, sagt sie dazu. Russisch war die erste Fremdsprache, die sie lernte. Dann kam in der Schule Englisch dazu. Im Russischen und mit Tschechisch als zweiter slawischer Sprache hat sie promoviert. Französisch lernte sie für den Urlaub, italienisch ebenso. Und als zweite Fremdsprache fürs Unterrichten am Gymnasium studierte sie noch Latein.

Ihr Elternhaus stand an der Döbelner Burgstraße. Dort wuchs sie auf. Lehrer Gottfried Stein begeistert sie an der Schlossbergschule in Döbeln für die russische Sprache. „Ein toller Lehrer und mein Vorbild“, schwärmt sie noch heute. Mit 14 wechselt sie an eine Spezialschule für Russisch bei Saalfeld in Thüringen und lebt im Internat. An der Pädagogischen Hochschule Erfurt studiert sie nach dem Abitur Russisch und Deutsch. Das dritte Studienjahr am Pädagogischen Institut in Kaluga in der damaligen Sowjetunion war der Höhepunkt ihres Studiums. Bis heute pflegt sie Freundschaften, die dabei entstanden sind. Bei jedem Moskau-Besuch macht sie einen Abstecher nach Kaluga.

1977 bis 1980 arbeitet sie zum ersten Mal am Döbelner Gymnasium. Danach wechselt sie nach Leipzig, schreibt 1985 ihre Doktorarbeit und bildet bis 1992 Russischlehrer aus. Als die Pädagogische Hochschule schließt, gibt sie am Russicum in Bochum Intensivkurse. Doch die Kinder sind noch klein. So bleibt sie in der sächsischen Heimat, gibt Kurse, ist arbeitslos, schreibt in der Zeit für den Klett-Verlag drei komplette Lehrwerke. Danach hangelt sie sich als Lehrerin am Lessing-Gymnasium von Befristung zu Befristung. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft hilft ihr bei der Klage auf Festanstellung. So ist sie seit 1996 wieder fest an ihrer ersten Schule tätig. Ab 1995 ist sie Vorsitzende des Sächsischen Russischlehrerverbandes und in der Abiturgruppe für das sächsische Russischabitur mitverantwortlich.

All das hängt sie jetzt an den Nagel. In Grimma, wo sie seit 21 Jahren zuhause und in zweiter Ehe verheiratet ist, wird sie jetzt früh um acht mit einem Kaffeebecher am Computer sitzen und wieder entspannt Lehrbücher schreiben. Sie wird wie bisher regelmäßig im Gesundheitsstudio trainieren und von Mai bis Oktober im Grillensee bei Naunhof fast jeden Tag schwimmen gehen.

Döbelner Allgemeine Zeitung
Thomas Sparrer
18.09.2021