Lessing-Gymnasium Döbeln

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20.11. In Döbeln trifft Russland auf Amerika

Am Lessing-Gymnasium bringen zwei junge Frauen den Schülern ihre Heimatländer und Sprachen nah. Die eine stammt aus Boston, die andere aus Wladiwostok.

In Döbeln trifft sich der Osten und der Westen in Gestalt von zwei jungen Frauen. Die eine stammt aus einer hektischen Großstadt in Amerika. Die andere kommt aus den Weiten Russlands, um das einmal ganz plakativ zu erklären. Beide wollen den Schülern am Döbelner Lessing-Gymnasium ihre Heimatländer und Muttersprachen näherbringen. Cassandra Winkelman aus Boston ist seit Anfang September und Alexandra Grukach aus Wladiwostok seit Oktober an der Schule.

Alexandra Grukach (links) stammt aus Wladiwostok in Russland und Cassandra Winkelman aus Boston In den USA. Die beiden arbeiten im Lessing-Gymnasium als Fremdsprachenassistentinnen und bringen den Schülern ihre Muttersprache, ihre Länder und Kulturen näher. Foto: Lutz Weidler

Als Schulleiter Michael Höhme die Gelegenheit erhielt, gleich zwei Fremdsprachenassistentinnen zu bekommen, hatte er nicht lange überlegt „Wir sind froh und glücklich, dass wir die beiden haben." Cassandra Winkelman hat deutsche Vorfahren. Ihre Ururgroßeltern seien aus der Nähe von Düsseldorf nach Amerika ausgewandert, erzählte die 22-Jährige. Vor elf Jahren hatte sie in der Schule angefangen, Deutsch zu lernen. Mittlerweile kann sie es ziemlich perfekt. Vor fünf Jahren war sie für drei Wochen in Radolfzell am Bodensee, wo sie bei Gasteltern wohnte, erzählte sie. Zwei Jahre später machte sie dort ein Praktikum an einer Schule. Sie hat Deutsch und Französisch auf Lehramt studiert, steckt mitten im Masterstudium und schnuppert in Deutschland bis Ende des Schuljahres in die Praxis.

Die Amerikanerin hilft den Fünftklässlern bei ihren Anfängen in der englischen Sprache. Andere Schüler haben bald Abi-Prüfungen und brauchen Unterstützung. „Ich helfe beim Wortschatz, bei der Grammatik, kann Fragen beantworten. Wir reden gerade über den Feiertag Thanksgiving, über mein Leben und Erfahrungen in den USA und das Schulsystem. Das gefällt mir", sagte sie.

Per Internet hatte sie sich für ihre Zeit am Lessing-Gymnasium eine Bleibe gesucht. Sie wohnt in einer WG - allerdings in Riesa. Da heißt es, jeden Tag mit dem Zug zu pendeln. Auch für den Weg vom Bahnhof zur Schule gibt es eine Lösung: „Ich habe mir ein Fahrrad für 40 Euro gekauft und eine Regenhose", erzählt sie.

Ihr Eindruck: Die Autos in Deutschland sind kleiner als in Amerika. Aber sie ist schnell draußen in der Natur. Die alten Häuser gefallen ihr. „In Boston ist alles modern. Hier sind auch weniger Leute." Müll trennen - das ist eine neue Erfahrung. „Das mussten mir meine deutschen Mitbewohner erst beibringen", meinte sie.

Die Corona-Pandemie habe alles schwieriger gemacht „Meine Familie will im Frühjahr eigentlich nach Deutschland kommen", erzählte sie. Sie habe eine Zwillingsschwester, von der sie zum ersten Mal so lange getrennt ist.

Wenn Alexandra Grukach nach Deutschland reist, hat sie zwei Möglichkeiten. Entweder acht Stunden Flug nach Moskau. Oder sieben Tage mit der Transsibirischen Eisenbahn. Wladiwostok ist die Endhaltestelle.

Die junge Russin hatte Germanistik in Wladiwostok studiert und Pädagogik in St Petersburg. Im Juli hatte sie ihr Masterstudium abgeschlossen. Die 24-Jährige hat schon reichlich Deutschlanderfahrung gesammelt Sie sei schon fünf oder sechs Mal da gewesen, erzählt sie. Zu Sprachkursen und als Austauschstudentin in Essen und Freiburg.

Jetzt also Döbeln als Sprachassistentin. Sie erzählt den Schülern von ihrer Heimat, den russischen Festen, den Essen und ihrer Heimatstadt. Dort gebe es eine großartige Natur am Japanischen Meer. Im Hafen legten viele Kreuzfahrtschiffe aus Asien an. Und auch die Deutschen kommen mit der Eisenbahn, um die Stadt an der Endhaltestelle zu besuchen. Im Winter können die Temperaturen auch mal auf 30 Grad unter Null rutschen. Einmal habe Eisregen das öffentliche Leben für eine ganze Woche lahmgelegt, sagte die junge Russin.

Sie mag Döbeln und die Landschaft erzählte sie. Sie will sich das Erzgebirge anschauen. „Ich vermisse den Schnee. Weihnachtsgefühle kann man nur mit Schnee bekommen." An einige Dinge muss sich die junge Russin erst gewöhnen. Zum Beispiel daran, dass die Geschäfte an den Sonntagen geschlossen sind. Nichts mit Essen einkaufen. „Darüber braucht man sich in Russland keine Gedanken machen."

Döbelner Anzeiger
Jens Hoyer
20.11.2021