31.03. Wie ist das mit dem Upload-Filter?

Beim Europatag am Gymnasium diskutierten Schüler über den Nutzen der Europäischen Union.

Europatag am Lessing-Gymnasium. Was verstehen die Schüler an der EU nicht und was macht ihnen Angst? Ein Schüler hatte „Axel Voss“ auf ein großes Blatt geschrieben. Ein anderer Zehntklässler „Paragraf 13“.

Beides steht für die umstrittene EU-Reform des Urheberrechts im Internet, die den Schülern Sorgen bereitet. Wird es Probleme geben, wenn sie etwas bei Instagram hochladen? Jörg Stüwe von der Europaunion, der eine Podiumsdiskussion zum Thema Europa am Gymnasium moderierte, war vorbereitet.

Dirk Dietrichs (l.) vom Finanzministerium und Jörg Stüwe von der Europaunion diskutierten mit Gymnasiasten. Foto: Jens Hoyer


Er argumentierte von der anderen Seite: „Es geht nur um die Großen und es geht um Milliarden, die sie im Internet verdienen. Es ist gerecht, dass sie den Künstlern davon etwas abgeben“, sagte er.

Bei Youtube gebe es schon Uploadfilter, die zum Beispiel verhindern, dass pornografisches Material hochgeladen wird. Im Übrigen meinten Juristen, dass das Bundesverfassungsgericht ein Gesetz, dass den Upload-Filter vorschreibt, ohnehin kassieren würde, sagte Stüwe.

Aber braucht es den Filter eigentlich? Nicht unbedingt, meint Dirk Dietrichs, Amtschef des Staatsministeriums für Finanzen, der auch mit den Schülern diskutierte. Es gäbe für die großen Anbieter im Internet auch die Möglichkeit, die Künstler für die Rechte an ihrem geistigen Eigentum zu entschädigen.


Dietrich sieht die EU als Garanten für Wohlstand in Europa. Freier Handel ohne Zölle, eine einheitliche Währung, freies Reisen und Arbeiten in EU-Ländern. „Das ist eine große Errungenschaft“, sagte Dietrichs.

Deutschland ist eines der größten Geberländer, die in den „EU-Topf“ einzahlen Das Geld wird für Agrarsubventionen und den Aufbau der Infrastruktur und soziale Entwicklung in ärmeren Ländern mit verwendet.

„Das erschließt Deutschland Absatzmärkte und reduziert Spannungen.“ Dass es in Europa eine sehr lange Periode des Friedens gibt, sei ein sehr großer Wert. „Das ist von Euch weiterzutragen“, sagte Dietrichs zu den Schülern.

Döbelner Anzeiger
Jens Hoyer
31.03.19


Politik zum Anfassen - Europatag am LGD

Amtschef des Finanzministeriums besuchte Europaschule

Politische Themen sind für Schüler häufig nicht von besonderem Interesse. Doch im Frühjahr 2019 haben Schlagzeilen wie „Artikel 13“ oder „Friday for future“ das politische Interesse vieler jungen Menschen geweckt. Eine gute Möglichkeit seine Meinung zu äußern ist ein offenes Gespräch mit einem Politiker oder Minister.
Am 29. März besuchte daher der ehemalige Staatssekretär und jetzige Amtschef des sächsischen Finanzministeriums Dirk Diedrichs das Lessing-Gymnasium in Döbeln. Die Veranstaltung fand anlässlich des Europatages im Rahmen des 150-jährigen Jubiläums der Schule statt.

Dirk Diedrichs stellte sich den 10. Klassen vor und erklärte seinen Aufgabebereich. Der Amtschef ist der Vertreter des Sächsischen Staatsministers der Finanzen in allen Angelegenheiten seines Geschäftsbereiches. Neben der Behördenleitung hat er die Aufgabe, die Arbeit der vier Fachabteilungen des Sächsischen Staatsministeriums der Finanzen zu koordinieren. Die Schüler konnten in einem offenen Gespräch ihre Fragen stellen und sich zu Fragen wie „Was wünsche ich mir von der EU?“ oder „Was finde ich cool an Europa?“ positionieren. Die Zehntklässler äußerten sich durchaus auch kritisch gegenüber der aktuellen Politik der Europäischen Union. Ein Streitpunkt war zum Beispiel der Artikel 13 des neuen Urheberrechtsgesetzes, welcher am 26.03.2019 die Mehrheit der Stimmen im Europaparlament erhielt. Artikel 13 ist ein neuer Uploadfilter, welcher auf Social- Media-Plattformen wie YouTube oder Twitter aktiviert werden soll. Findet das System einen Verstoß, so wird das Bild oder das Video gelöscht. Kritik wurde weiterhin am Schulsystem geübt. Nach wie vor gibt es auf Länderebene und im Europavergleich verschiedene Schwierigkeitsgrade des Abiturs und fehlende Praxisbezüge. Des Weiteren erklärte Diedrichs auch etwas über Förderungen, welche Sachsen von der EU erhält. Das Lessing-Gymnasium in Döbeln konnte unter anderem durch Fördergelder in Höhe von 2,6 Millionen Euro ausbebaut werden.
Durch den Besuch des Amtschefs und einer gemeinsamen Podiumsdiskussion mit Schülern haben sich die Jugendlichen einen spannenden Einblick in die Lage Europas verschafft.

Marlon Großmann 10c


Europaworkshop

Mitarbeiter vom Netzwerk Demokratie und Courage e.V. aus Chemnitz gestalteten für Schülern der Klasse 10b einen ganztägigen Workshop zum Thema "Nationalismus in Europa - Wir zuerst?".


Nach einem spielerischen Einstieg mittels dem „Europa-Memory“ tauschten sich die Schüler anhand verschiedener Bilder über den eigenen Blick auf Europa aus. Dieser wurde ergänzt durch einen Blick auf die Lebenserfahrungen und -perspektiven anderer junger Menschen aus Europa.
Diese Beispiele sowie die eigenen Erfahrungen wurden nun zu Inhalt und Bedeutung der Menschenrechte in Beziehung gesetzt. Es offenbarte sich, dass hierbei noch enorme Defizite – gerade hinsichtlich der EU-Flüchtlingspolitik – bestehen.
Im Anschluss an eine kurze Aufzeichnung der Geschichte der europäischen Integration mit ihren Erfolgen und Rückschlägen wurden die Schüler animiert, eine Vision für ein besseres Europa zu formulieren. Insbesondere die Gefahren des Populismus für ein solidarisches Europa traten hierbei deutlich zutage.