28.03. Am anderen Ende der Welt

Junge Döbelnerin kommt von Peru vielleicht nächste Woche heim. Roßweiner in Neuseeland eingeschlossen. Andere junge Leute kamen gerade so zurück.

Nach dem Abitur in die große weite Welt. Das hatten sich einige ehemalige Schüler des Abiturjahrgangs 2019 vorgenommen. Doch die weltweite Corona-Krise macht den Weltenbummlern richtig zu schaffen. Einige kamen gerade noch so vor den Grenzschließungen nach Hause. Andere sind in der Ferne gestrandet.

So wie Toni Saupe aus Roßwein. „Ich sitze aktuell in Christchurch auf der Südinsel von Neuseeland fest. Ich bin derzeit in einem Hostel, schlafe also in einem Mehrbettzimmer und nutze Gemeinschaftsbad und -küche“, schreibt der 19-Jährige per Whatsapp-Nachricht. Er hatte bis zum Start des Lock-Downs 48 Stunden Zeit, sich um eine Unterkunft zu kümmern, in der er mindestens vier Wochen bleiben kann.

Weltenbummler (v.l.): Nina Forberger, Johann Landgraf, Maria Bollmann und Eric Pohl (oben), Rosa Weber und Franz Leutert sowie Toni Saupe. Montage: Bartsch

„Vor unserem Fenster sehen wir in regelmäßigen Abständen Polizei, welche für die Einhaltung der Isolation sorgt“, so Toni. Sein Plan war am 1. April für sieben Wochen nach Australien zu fliegen, um dort zu reisen – das fällt jetzt natürlich aus. „Natürlich ist das schade, aber anderen, die beispielsweise erst seit ein paar Wochen in Neuseeland sind, geht es weitaus schlimmer. Ich hatte noch die Möglichkeit, das Land nach meinen Vorstellungen zu bereisen und das Geld für Australien werde ich mir sparen und die Reise nachholen“, sagt er optimistisch.

Er und alle anderen Deutschen im Hostel warten auf das Rückholprogramm der Bundesregierung und sitzen bis dahin unweit des Abflughafens in Christchurch fest.

Auch Nina Forberger aus dem gleichen Abiturjahrgang am Lessing-Gymnasium hängt gerade am anderen Ende der Welt fest. In Peru, dem Land der Inkas, absolvierte sie mit der Organisation „weltwärts“ einen Freiwilligendienst, der erst Ende Juli enden sollte. Peru hat für das komplette Land Quarantäne ausgerufen. Nina, die in einem Projekt gerade alte Menschen in einem Altenheim in Cusco betreute, wollte eigentlich bleiben. Denn gerade jetzt wird sie besonders gebraucht. Doch das Auswärtige Am ruft alle Deutschen in den weltwärts-Projekten zurück. Nun sitzt die 19-Jährige in ihrer Unterkunft fest, weil sie keine Chance mehr hatte, zum Flughafen zu kommen.

„Am kommenden Dienstag ist ein Rückflug von Cusco über Santiago de Chile nach Frankfurt geplant. Dort hoffen wir, Nina am 1. April in die Arme schließen zu können“, sagt Ninas Vater Carsten Forberger. Er freut sich auf die große Tochter, kennt aber auch ihren Zwiespalt: „Sie hätte das Auslandsjahr sehr gerne zu Ende gebracht und macht sich Sorgen, wie es in dem Seniorenheim weitergeht. Denn es ist spendenfinanziert und die Essensspenden etwa von Restaurants fallen mit den ausbleibenenden Touristen weg“, weiß er von seiner Tochter. Mit Frau und jüngerer Tochter wollte er Ostern nacht Peru fliegen und sich von ihr alles zeigen lassen. Doch die Flüge und das Geld sind wohl erstmal futsch.

Seit Montag ist Johann Christoph Landgraf aus Döbeln wieder zuhause. Nach Abitur und Tischlerlehre war er im Oktober mit „weltwärts“ nach Costa Rica aufgebrochen, um an Projekten zur Rettung des Regenwaldes mitzuwirken. Ein von der Bundesregierung gecharterter Lufthansa-Flug holte ihn und weitere Freiwillige am Montag heim.

Ganz privat waren die 2019er LGD-Absolventen Maria Bollmann (19) und Eric Pohl (20) aus Döbeln Anfang September nach Kanada aufgebrochen. Bis Juni wollten sie bleiben. Sie bereisten alle kanadischen Provinzen, arbeiteten dafür bei einem Kosmetikunternehmen, waren auf Kurztrip in New York und bereisten mit einem uralten selbst gekauften Auto (Baujahr 1998) die USA, auch um eine Freundin zu besuchen. Hier wurden sie von der Pandemie überrascht und kamen nach ihrem Roadtrip gerade noch vor den Grenzschließungen zurück nach Kanada, um noch einen der letzten Heimflüge von Vancouver nach Deutschland zu nutzen.

Auch Franz Leutert (19) und Rosa Weber kamen gerade noch vor den Grenzschließungen von ihrem Trip im selbst umgebauten VW-Bus zurück. Seit Oktober waren die beiden LGD-Absolventen durch elf europäische Länder gereist. Im Sommer zuvor hatten sie den Bus aufgebaut und für die Reisekasse als Zeitungsausträger, Kellnerin gejobbt und mit ihrer Band gespielt.

Döbelner Allgemeine Zeitung
Thomas Sparrer
28.03.2020