28.01. Döbelner gedenken der NS-Opfer

Vertreter von Parteien, Schulen und Vereinen gedachten auf dem Wettinplatz der Opfer des Nationalsozialismus.

Am 27. Januar 1945, am Montag vor 75 Jahren, wurde das KZ Auschwitz-Birkenau durch sowjetische Soldaten befreit. Seit 1996 ist der 27. Januar in Deutschland offizieller Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus. Deshalb legten am Montag Döbelner Stadträte aller Fraktionen, Mitarbeiter der Stadtverwaltung, der Döbelner Stadtwerke sowie junge Leute des Treibhausvereins und Schüler des Lessing-Gymnasium am Mahnmal auf dem Döbelner Wettinplatz Blumen und Kränze nieder.

Vertreter von Parteien, Schulen und Vereinen gedachten auf dem Wettinplatz der Opfer des Nationalsozialismus. Quelle: Thomas Sparrer

„Ihr seid nicht verantwortlich für das, was geschah. Aber dass es nicht wieder geschieht, dafür schon“, hatte der Holocaust-Überlebende Max Mannheimer (1920-2016) einmal gesagt. In Abwandlung dessen formulierte Döbelns Oberbürgermeister Sven Liebhauser: „Wir gedenken nicht als persönlich Schuldige. Aber aus der Schuld, die Deutsche in den Jahren der NS-Diktatur auf sich geladen haben, wächst uns nachfolgenden Generationen eine besondere Verantwortung zu.“

Unsere Verfassung habe aus der Historie Lehren gezogen. Sie garantiere Rechte. Werte garantieren könne sie aber nicht. Werte, wie Achtung, Anstand und Respekt, zu leben – dies sei unsere heutige Verantwortung.

Dazu gehöre, so Liebhauser weiter, Respekt davor zu haben, dass jeder berechtigt sei, sein Leben zu leben, wie es ihm gefalle, seine Meinung zu sagen, seinen Glauben zu leben, frei zu sein, solange er dabei nicht die Freiheit der anderen einschränkt, solange er nicht gegen Recht und Gesetz verstößt. „Das mag mitunter als Zumutung erscheinen. Aber ohne solche Zumutung, Toleranz einzufordern, wäre alles inhaltsleer. Es gilt aber ebenso: Ohne klare Grenze wäre Toleranz nicht mehr als Ignoranz und Beliebigkeit.“

Döbelner Allgemeine Zeitung
Thomas Sparrer
28.01.2020