Lessing-Gymnasium Döbeln

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26.04. Stadtrundgang für ukrainische Schüler

Seit drei Wochen lernen ukrainische Flüchtlinge an der Schule. Die Courage-Gruppe des Gymnasiums zeigte den Mitschülern Döbeln.

Wo kann man in Döbeln günstig Schulsachen kaufen? Wo kann man nachmittags seine Freizeit verbringen? Wo findet sich in Döbeln was? All diese Fragen wollten Mia, Julia, Melina und Christoph aus der Gruppe „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ am Lessing-Gymnasium den neuen ukrainischen Mitschülern gern bei einem Stadtrundgang zeigen. Gleich am ersten Tag nach den Osterferien sammelten die vier Schüler gemeinsam mit Emilia Loschinski die 28 Schüler aus der Ukraine ein, die seit drei Wochen am Gymnasium eine sogenannte DaZ-Klasse zum Deutschlernen besuchen. Emilia ist Lehramtsstudentin für Mathe und Chemie und eine Absolventin des LGD. Sie betreut die „Courage-Gruppe“ am Gymnasium. Die Schüler hatten ein paar Quizfragen und ein Kreuzworträtsel vorbereitet. Mit dem Lösungswort galt es eine kleine Schatztruhe mit Süßigkeiten für alle zu finden.

Yuliia Bordack (m.) unterrichtet die ukrainischen Schüler am Gymnasium. Sie stammt aus der Ukraine und lebt schon einige Jahre in der Region. Foto: Bartsch

Zehn bis 17 Jahre alt sind die Jungen und Mädchen aus der Ukraine. Yuliia Bordack, eine aus der Ukraine stammende Lehrerin, die schon einige Jahre in Döbeln lebt, unterrichtet die Kinder. Elisa Klein, die am LGD ihren Bundesfreiwilligendienst absolviert, unterstützt sie dabei. „Noch herrscht in der neuen ukrainischen Klasse ein Kommen und Gehen. Drei Kinder wechselten an eine Grundschule, drei neue kamen hinzu“, sagt die Lehrerin. Sie lernt mit den Kindern deutsch vor dem Hintergrund der normalen Unterrichtsfächer. Später könnten sie so phasenweise am normalen Unterricht in den deutschen Klassen teilnehmen. „Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg“, sagt Yuliia Bordack. Zumal die meisten Kinder ja auch hoffen, dass in ihrer Heimat bald wieder Frieden herrscht und sie zurück können. Einige der Kinder sind ohne Eltern hier, andere mit ihren Großeltern oder erwachsenen Geschwistern. Ein Junge ist ganz allein in Deutschland und fand in einer Döbelner Familie ein vorübergehendes Zuhause.

Emilia Loschinski und die Schüler ihrer Courage-Gruppe führen die ukrainischen Kinder und Jugendlichen vom Körnerplatz zum Kino, zeigen ihnen den Park in den Klostergärten, das Stadtbad, die Buch-Oase oder Läden in der Innenstadt, wo man günstig Schulmaterial kaufen kann. Emilia erklärt alles auf englisch. Valeria, die gut englisch spricht, übersetzt es ihren ukrainischen Mitschülern. Weitere Stationen sind die Nicolaikirche und die Stadtbibliothek am Lutherplatz, die Mensa und die Schulbibliothek am Hauptstandort des Gymnasiums an der Straße des Friedens. „Schulbibliothek“ ist schließlich auch das Lösungswort des kleinen Rätsels, das die Schüler unterwegs lösen sollten. „Es hat uns Spaß gemacht und wir hoffen, dass die Jungen und Mädchen sich nun noch etwas besser in unserer Stadt zurechtfinden“, sagen die Schüler der Courage-Gruppe.

Döbelner Allgemeine Zeitung
Thomas Sparrer
26.04.2022


Ukrainische Schüler auf informeller Schnitzeljagd durch Döbeln

Die Flüchtlinge haben die Stadt etwas besser kennengelernt. Sie lernen jetzt Deutsch - mit Schwierigkeiten.

Wo ist eigentlich in Döbeln das Kino, wo das Schwimmbad und die Bibliothek? Seit Montag kennen sich die ukrainischen Kinder und Jugendlichen der DaZ-Klasse am Lessing-Gymnasium ein bisschen besser aus. Am Morgen sind sie auf eine Schnitzeljagd durch die Stadt gegangen. Ausgedacht hatten sich das Schüler, die in der Arbeitsgruppe „Schule ohne Rassismus, Schule mit Courage" am Lessing-Gymnasium mitarbeiten.
„Wir haben uns überlegt, dass die Schüler auch mal etwas anderes von Döbeln sehen sollten als die Schule", sagte Emilia Loschinski, die eigentlich Lehramt in Dresden studiert, aber nebenher die Arbeitsgruppen am Gymnasium betreut „Wir wollen die Freizeitmöglichkeiten zeigen und die Geschäfte, wo man Schulzeug kaufen kann." Vier Schüler waren mit auf Tour. Christoph und Mia aus der 8., Julia und Melina aus der 10. Klasse.
Das größte Problem ist immer noch die Sprache. Aber mit Yuliia Bordack war es schon sehr viel kleiner. Die gebürtige Ukrainerin ist die Lehrerin der Klasse und sie übersetzte.

Die Arbeitsgruppe "Schule ohne Rassismus" ist mit der DaZ-Klasse des Lessing-Gymnasiums auf eine Schnitzeljagd durch Döbeln gegangen. Dabei haben die ukrainischen Kinder und Jugendlichen die Freizeitmöglichkeiten in der Stadt kennengelernt. Foto: Dietmar Thomas

28 Kinder und Jugendliche besuchen derzeit die DaZ-Klasse, sagte Yuliia Bordack. Es gebe aber immer Bewegung. „Es kommen neue Kinder dazu, andere gehen in die Grundschule, andere nach Dresden", erzählt sie. Am Anfang hatten Kinder und Jugendliche von sieben bis 17 Jahren die Klasse besucht. Eine schwierige Konstellation. „Die Kleinsten wollen noch spielen und die Älteren sich konzentrieren und lernen", sagte sie. Derzeit liege das Alter zwischen zehn und 18 Jahren. Einer der Schüler habe die Schule schon hinter sich und will in Deutschland studieren. Er arbeite deshalb intensiv am Lernen der deutschen Sprache, so die Lehrerin.
Die Sprache zu lernen, das ist auch die Aufgabe für die anderen Schüler. „Sie haben jetzt Struktur bekommen, es läuft alles schon viel besser", so Bordack. Die Schüler hatten zuvor vier Monate gar keinen Unterricht bekommen. Nicht nur wegen des Krieges, zuvor sei er schon wegen Corona eingestellt gewesen.
Die gebürtige Ukrainerin hatte 15 Jahre lang an Hochschulen unterrichtet, zuletzt an einer Sprachfakultät. Das jetzt sei etwas ganz anderes. „Mit 300 Studenten umzugehen, war einfacher als mit dieser einen Klasse", sagte sie lachend. Unterstützt wird sie von Elisa Klein. Die 19-jährige ehemalige Schülerin des Gymnasiums arbeitet im Bundesfreiwilligendienst am LGD. Sie unterstützt die Lehrerin, die ja auch neu am Gymnasium ist, vor allem in organisatorischen Dingen. „Ich lese auch mal etwas vor, damit die Schüler es akzentfrei hören", sagte sie.
Manche der ukrainischen Flüchtlinge haben Probleme, sich in Deutschland zurechtzufinden, erzählte die Lehrerin. Ein Problem sei der Schulbus. Der habe in manchen Orten nicht gehalten, weil die Kinder nicht angemeldet waren, oder die Kinder müssen umsteigen, um in die Schule zu kommen, „Da gab es viel zu klären." Die Kommunikation mit den Angehörigen laufe per E-Mail und Whatsapp. Einige Kinder hätten viel Redebedarf. Manche seien ohne ihre Eltern mit Verwandten gekommen. Und oft waren die Haustiere, die ein bisschen Trost spenden könnten, zu Hause zurückgeblieben.

Döbelner Anzeiger
Jens Hoyer
26.04.2022