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24.09. Talentförderung durch SchülerAkademie

Wie du in 16 Tagen deine Zukunft greifbar machst - ein Erfahrungsbericht von Richard Ebock.

Bis zum Abitur fehlt es nahezu jedem entweder an einer klaren Idee für die eigene Zukunft oder an einem Bewusstsein für die nächsten Schritte und Perspektiven. Und doch gibt es eine Möglichkeit, wie du innerhalb von 16 Tagen genau dieses Bewusstsein entwickeln kannst und ganz nebenbei eine unvergessliche Erfahrung machst.

Ich spreche von der Deutschen SchülerAkademie und wahrscheinlich wirst du wie ich vor einem halben Jahr, nicht wissen, was das ist und auf die Bezeichnung SchülerAkademie erst einmal abgeschreckt reagieren. Um diesen Missstand zu beheben, möchte ich nachfolgend auf folgende Fragen eingehen: „Was ist die Deutsche SchülerAkademie? Was macht die Erfahrung aus? Was habe ich mitgenommen und für wen ist das was?“

Die Deutsche SchülerAkademie

Die Deutsche SchülerAkademie (DSA) bietet die einzigartige Möglichkeit, hoch motivierte, inspirierende und ambitionierte Gleichaltrige kennenzulernen. Es handelt sich bei diesem Programm um ein Projekt der gemeinnützigen Stiftung „Bildung & Begabung“.
Jedes Jahr finden deutschlandweit sechs sogenannte Akademien an unterschiedlichen Standorten statt. Jede Akademie beinhaltet wiederum eine Auswahl von sechs Themengebieten. Die ungefähr 100 Teilnehmenden der jeweiligen Akademie entscheiden sich bei ihrer Bewerbung für eines dieser Kursthemen. Das Angebot von Kursen ist enorm. Themen aus verschiedensten Bereichen wie Medizin, Politik, Physik, Mathematik, Wirtschaft, Philosophie und Geschichte werden in einer Tiefe beleuchtet, die die Schulen nicht bieten können.
Ich selbst habe mich entschieden, am Kurs „Sprung in die Welt der Start-ups“ der diesjährigen Akademie in Torgelow am See teilzunehmen.
Traditionell finden die Akademien in den Sommerferien über einen Zeitraum von 16 Tagen statt und zugegebenermaßen war ich mir im Voraus nicht sicher, worauf ich mich eingelassen habe. Mit dem Begriff „SchülerAkademie“ verbindet nun mal jeder im ersten, zweiten und vielleicht auch noch im dritten Moment Anstrengung, Leistungsdruck sowie andere negative Aspekte des Schulalltags.

– Ich lag mit dieser ersten Einschätzung völlig daneben. –

Aber beurteilt das gerne selbst anhand meiner nachfolgenden Erzählungen zu dem Alltag bei der DSA.

Alltag

Mein Alltag bestand grundsätzlich aus vier Teilen. Da waren erstens die Stunden, die wir zusammen mit unseren beiden Kursleitenden und den anderen 14 Teilnehmenden im Kurs verbrachten. Es gab zweitens sogenannte kursübergreifende Angebote (KüAs), die mit AGs vergleichbar sind und von Teilnehmenden oder Kursleitenden zu beliebig wählbaren Themen organisiert wurden. Den dritten Bereich stellten die Veranstaltungen dar, die von der Akademieleitung organisiert wurden und an denen alle gemeinsam teilnahmen. Der vierte und letzte, aber nicht zu unterschätzende Teil war die Freizeit, in der man nicht an bestimmten KüAs teilnahm, sondern stets etwas fand, das man spontan mit anderen Teilnehmenden unternehmen konnte.

Kurs

Jeden Tag hatten wir mehrere Stunden lang Kurs. Das klingt nach einer langen Zeit, doch sie verging wie im Flug. Da sich jeder Teilnehmende sein Kursthema frei nach seinen Interessen auswählen konnte, herrschte im Kurs eine optimistische Grundstimmung. In der Folge kamen tiefgreifende Diskussionen zustande. Die positive Atmosphäre hat mich verblüfft, denn der Raum war gefüllt von Ermutigungen und konstruktiven Einwänden. Bemerkenswerterweise war dennoch keine Spur von Neid und Leistungsdruck, vorhanden.
Im Allgemeinen erschuf das System nicht nur das perfekte Klima für junge, ambitionierte Menschen, um eigene Fähigkeiten weiter auszubauen, sondern auch ein ideales Umfeld, um sich auszuprobieren und die Komfortzone zu verlassen.
Mein verhältnismäßig praktischer Kurs „Start-ups“ hat dies definitiv begünstigt. Neben der Arbeit mit der wirtschaftswissenschaftlichen Lektüre stand bei uns vor allem die Entwicklung eigener Ideen und Lösungsansätze im Vordergrund. Bei Gruppenarbeiten saßen wir auch nach Ende der Kurszeiten noch gesellig beisammen und diskutierten über unsere Ideen.
Doch selbstverständlich gab es auch weitere Angebote, die wir wahrnahmen.

Kursübergreifende Angebote (KüAs)

KüAs sind Aktivitäten, an denen wir in der Freizeit teilnehmen konnten. Es gab eine riesige Auswahl, denn die Grenzen waren nur durch die Zeit und die Vielfältigkeit unserer Interessen gesetzt.
Ich selbst habe aus Interesse vor allem Sport-KüAs besucht, denn das Gelände in Torgelow am See umfasste eine Sporthalle, einen Sportplatz, ein Fitnessstudio sowie eine große Parkanlage und bot somit Möglichkeit für unterschiedliche Aktivitäten. Dazu muss gesagt werden, dass der See direkt angrenzte und uns zur Verfügung stand.
Nicht zu vergessen ist aber, dass neben vielfältigen Sport-KüAs wie Turnen, Volleyball, Tennis und Spikeball auch politische Podiumsdiskussionen, Kunst-KüAs, Programmierkurse und vieles mehr angeboten wurden.
Bereits zu Beginn der Akademie wurde darüber hinaus eine akademieeigene Band und ein Chor zusammengestellt, die jeden Tag für das große Konzert zum Abschluss der Akademie probten.

Veranstaltungen

Insbesondere Veranstaltungen wie das Konzert prägen die bleibenden Erinnerungen von der Akademie. Zu den wichtigsten Veranstaltungen zählte das Sportfest, bei dem die sechs Kurse gegeneinander in verschiedenen Disziplinen antraten.
Die Rotation markierte die Halbzeit der Akademie. Es handelt sich dabei um eine eintägige Veranstaltung, bei der die Kurse ihr Thema gegenüber den anderen Teilnehmenden im Rahmen von Vorträgen beleuchteten. Den krönenden Abschluss der Veranstaltungen der Akademie bildete das bereits erwähnte Konzert, auf dem die Akademieband und der Chor auftraten.

Freizeit

Auf Kosten des Schlafes versuchten wir so viel wie möglich zu unternehmen. In unserer freien Zeit haben wir vor allem das Gespräch gesucht und viele interessante neue Leute kennengelernt. Einen Großteil der Zeit haben wir draußen oder auf dem See verbracht. Das heißt, wenn wir nicht gerade bis spät in die Nacht in der Turnhalle Volleyball, Fußball et cetera gespielt haben und danach den Tag beim Kartenspielen und bei Unterhaltungen ausklingen ließen.
Damit ist das Gesamtbild der DSA vollendet und es bleibt nur die Frage nach dem Fazit.

Fazit — Für wen ist das was? Was habe ich mitgenommen?

Was nehme ich für meine Zukunft mit? Wem kann ich es empfehlen, sich bei der DSA zu bewerben? Das sind die beiden Fragen, die ich nun abschließend beantworten möchte.

Das wohl wertvollste, was wir bei der DSA gelernt haben, ist weder wie wir das Business Model Canvas anwenden, noch wie Quantencomputing funktioniert, sondern etwas, was auf den ersten Blick logisch, fast schon banal erscheint. Wir haben gelernt, was für einen großen Einfluss unser Netzwerk von Kontakten auf unser Leben hat. Diese Lehre scheint simpel zu sein und doch hat es mich in meinem Handeln und Denken maßgeblich verändert.

Eng damit verbunden ist auch die Bedeutung der Freundschaften, die sich innerhalb dieser scheinbar kurzen Zeit gebildet haben. Jeder dieser neuen Freunde – ganz egal aus welchem Teil von Deutschland er kommen mag – hat nicht nur eine unglaubliche Expertise und Passion für ein Gebiet, sondern bietet auch die Möglichkeit zur gegenseitigen Motivation, Reflexion und Inspiration.

Nicht zuletzt nimmt jeder auch die wunderbaren Erfahrungen an diese Zeit mit sich und erinnert sich gern zurück an die Akademie – die tollen Gespräche, die neuen Erfahrungen und den Spaß, den man zusammen hatte. Es sind Erinnerungen, die hoffentlich ein Leben lang bleiben.

Damit steht nur noch die Frage im Raum, wer von diesem Programm profitieren kann.

Meiner Meinung ist die Antwort klar: Jeder könnte von diesem oder ähnlichen Programmen profitieren. Solltest du in dir den Wunsch verspüren, etwas verändern zu wollen, die Zukunft, wenn auch nur in kleinen Teilen mitzugestalten und dein Potenzial zu nutzen, dann ist es ganz klar: Bewirb dich! Der Versuch schadet nicht und solltest du angenommen werden, wirst du die Akademiezeit nie wieder vergessen. Falls du dir jetzt wegen deiner Noten Sorgen machen solltest, lass dich nicht einschüchtern! Die DSA wählt ihre Teilnehmenden nicht allein anhand des Notendurchschnitts. Es zählt vor allem Motivation, Initiative und Vision. Wenn dich deine Schule nicht vorschlägt, kannst du dich selbst bewerben und erklären, wie du zur Akademie beitragen möchtest.

Und doch wäre es falsch zu sagen, dass du bereits einen genauen Plan für dein Leben, geschweige denn ein kristallklares Bild für die Zukunft benötigst. Wenn du bereits einen derartigen Plan hast, dann ist das herausragend. Allerdings kann die DSA-Erfahrung umso wertvoller für dich sein, wenn du im Moment deine Perspektiven noch nicht erkennst und nicht genau weißt, was du erreichen möchtest.

Wenn ich auf die letzten Jahre zurückblicke, dann wird mir auch klar, dass ich eine derartige Chance gerne schon früher im Blick gehabt hätte. Auch als jüngerer Schüler sollte man sich bewusst sein, dass es vergleichbare Angebote wie zum Beispiel die „Juniorakademie“ gibt, an der es sich auf jeden Fall lohnt teilzunehmen.

Traut euch und bewerbt euch! Ihr habt schließlich nichts zu verlieren und könnt eine Erfahrung und vor allem Freundschaften gewinnen, die nicht nur die Zukunft greifbar machen, sondern auch euer Leben immens bereichern!

Danksagung

An diesem Punkt möchte ich noch einmal meinen herzlichen Dank an unseren Schulleiter Herr Höhme und den Förderverein des LGD, insbesondere Frau Niekrawietz, aussprechen, die mich bei der Teilnahme an diesem Programm unterstützt haben. Meine größte Dankbarkeit ist meiner Tutorin Frau Hopke, ohne die ich niemals auf das Programm aufmerksam geworden wäre, und meiner Leistungskurslehrerin Frau Berge gewidmet, die mich beide maßgeblich bei der Bewerbung unterstützt haben.

Richard Ebock