Sie sind hier: Startseite » Nachrichten » September

13.09. Höhere Mathematik und ein Satellit

Philipp Hoffmann hatte ein glänzendes Abitur hingelegt. Jetzt plaudert er aus der Praxis eines technischen Studiums. Motivation oder Abschreckung?

Philipp Hoffmann hat vor zwei Jahren sein Abi am Döbelner Lessing-Gymnasium gemacht. Als einer der besten, die jemals die Schule verlassen haben. Durchschnitt 1,0. Jetzt studiert er Luft- und Raumfahrttechnik in Stuttgart und bastelt in seiner Freizeit mit anderen Studenten an einem Kleinsatelliten, der im kommenden Jahr ins All geschossen werden soll.
Am Freitag ist der 20-Jährige an seine alte Schule zurückgekehrt, um über sein Studium zu berichten. „Wir haben das Angebot gern angenommen“, sagte Schulleiter Michael Höhme. Gedacht war der Vortrag vor allem für Schüler der einschlägigen Leistungskurse, etwa Physik. „Man dümpelt da im Leistungskurs so vor sich hin und überlegt, was will man machen. So ein Einblick in eine Studienrichtung kann die Motivation schärfen“, sagte der Schulleiter.
Und das hat Philipp Hoffmann dann getan. Auch für den Ausnahme-Abiturienten ist das Ingenieurstudium nicht einfach aus dem Ärmel zu schütteln. „Höhere Mathematik macht einen großen Teil des Studiums aus. Wenn ihr ein Ingenieurstudium anstrebt, dann heißt es: Mathe, Mathe, Mathe.“ Und Fremdsprachen, insbesondere Englisch. Die ist die „Arbeitssprache“ auf Konferenzen und in international agierenden Firmen.

Philipp Hoffmann studiert in Stuttgart Luft- und Raumfahrttechnik. Am Montag hat er seiner alten Penne seine Aufwartung gemacht, um Schülern in der Aula über sein Studium zu berichten. Foto: Jens Hoyer

Auf die Frage, wie ihn das Abi auf das Studium vorbereitet hat, lacht Philipp Hoffmann kurz auf. „Man hat fürs Lernen eine gewisse Struktur, die Grundlagen und ein gewisses Grundverständnis. Es ist im Studium wichtig, selbstständig zu arbeiten. Das nimmt einem keiner ab. Nehmt aus dem Abi mit, was ihr könnt.“
Das Studium erfordere ein hohes Maß an Struktur, um sich auf Prüfungen vorzubereiten. „Der Arbeitsaufwand pro Semester sollte eigentlich 180 Stunden betragen. Aber es ist viel mehr.“ Viele geben auf. Von den 350 Mitstudenten seien jetzt noch 250 dabei.
Eigentlich geht das Studium über sechs Semester bis zum Bachelor-Abschluss. Aber das schafften die Wenigsten. Ein Durchfaller in einer Prüfung bedeute praktisch eine Verlängerung um ein Semester, erzählt Hoffmann. Er habe bisher alle Prüfungen geschafft.
Hoffmann bekommt aufgrund seiner Leistungen ein Stipendium der Deutschen Studienstiftung. „Das ist ein Ritterschlag, die Auslese der Auslese“, sagte Schulleiter Höhme. Von dem monatlichen Zuschuss kann der Student einen großen Teil der Kosten bestreiten. Außerdem verdient er sich als studentische Hilfskraft Geld dazu. Bis zu 40 Stunden im Monat arbeitet er als Mathe-Tutor für andere Studenten. Das Wohnen im Studentenwohnheim der Hochschule sei relativ preiswert, erzählt er. „700 Euro im Monat muss man insgesamt aber aufbringen.“
Für die Freizeit, die übrig bleibt, gibt es studentische Gruppen, die Schach spielen, Rennautos zusammenbauen oder Segelflugzeuge. Die Gruppe, der sich der Döbelner angeschlossen hat, will noch höher hinauf. Um die 100 Studenten bauen derzeit an einem Kleinsatelliten. Von einer Erdumlaufbahn soll dieser unter anderem Meteore entdecken und beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre Daten sammeln. Das Projekt wird von der Weltraumorganisation ESA und Firmen unterstützt. Hoffmann ist mit für die Nutzlast zuständig. Das kostet viel Zeit. „Aber es macht auch Spaß.“
An das Bachelor-Studium will Hoffmann noch ein Masterstudium anhängen. Wo will er danach arbeiten? „Keine Ahnung.“ Er wolle bei der ESA wegen eines Praktikumsplatzes anfragen. Viele Studenten landeten auch in der Automobilindustrie, wo ihre Fähigkeiten insbesondere der Aerodynamik gefragt sind.

Döbelner AnzeigerJens Hoyer
13.09.2022


Philipp Hoffmann wirbt fürs Studium

Schülerinnen und Schüler der Leistungskurse Physik hörten interessiert zu, als Philipp seinen Studiengang Luft- und Raumfahrttechnik vorstellte.

Vor zwei Jahren machte er sein Abi mit 1,0. Jetzt kam er für einen Vortrag an seine alte Schule zurück.

Es ist kaum zweieinhalb Jahre her, da kannte man Philipp Hoffmann noch vom Schulhof des Lessing-Gymnasiums in Döbeln, am Keyboard der Schulband, vom Schulchor und natürlich von seinem Abschluss als Jahrgangsbester mit einem Abiturdurchschnitt von 1,0. Mit solch einem Abschluss kann man auch nach den Sternen greifen. Und das macht der junge Döbelner mit seinem Studium der Luft- und Raumfahrttechnik in Stuttgart. Davon berichtete der nunmehr 20-Jährige am Montagmorgen in der Aula des Lessing-Gymnasiums Schülern des Physik-und des Matheleistungskurses der Klassenstufen elf und zwölf.

In Stuttgart hat sich Philipp einer studentischen Gruppe angeschlossen, die an einem Kleinsatelliten forscht und baut. Bald soll dieser von der Europäischen Weltraumorganisation ESA ins All geschossen werden. Außerdem plant Philipp seine ersten Praktika bei der ESA oder bei Airbus. Nach seinem Vortrag hatten die Schüler viele Fragen an den Ehemaligen.

Döbelner Allgemeine ZeitungThomas Sparrer13.09.2022