04.04. Lehrerin aus Döbeln ausgezeichnet

Sylvia Risse ist Lehrerin für Mathematik, Physik und Informatik am Lessing-Gymnasium. Für ihr Engagement ist sie jetzt als eine von sechs Lehrkräften in Sachsen ausgezeichnet worden. Was die Döbelnerin antreibt.

Sylvia Risse, Lehrerin für Physik und Mathematik am Döbelner Lessing-Gymnasium, kann den Quantensprung genau erklären. Physikalisch stellt er die kleinste Zustandsänderung dar, wenn ein Elektron in einem Atom auf ein anderes Energieniveau wechselt.
Umgangssprachlich wird mit dem Quantensprung aber eine große Veränderung ausgedrückt. Schulleiter Michael Höhme benutzt den Terminus in diesem Zusammenhang: Sylvia Risse gehöre zu den engagierten Lehrern, die für eine Schule systemrelevant sind und „Quantensprünge in der Schulqualität“ möglich machen. Er hat seine Kollegin für den Lehrkräftepreis des Helmholtz-Zentrums Dresden-Rossendorf vorgeschlagen.

Sylvia Risse mit einigen der Roboter, die sie mit Schülern in der AG Robotik mit Bausätzen bastelt. Foto: Lutz Weidler

Die 56-Jährige ist eine von sechs MINT-Lehrkräften aus Sachsen, die in der vergangenen Woche den Preis erhalten haben. MINT steht für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik. Das umreißt ziemlich genau den Aufgabenbereich von Sylvia Risse am Gymnasium. Sie ist Fachleiterin für den naturwissenschaftlichen Bereich der Schule und arbeitet als pädagogische IT-Leiterin.

Um einen anderen Teil ihrer Arbeit zu sehen, muss man im Gymnasium in den Keller gehen. Dort stehen auf einem Tisch futuristische Maschinen, die von Schülern der 8. bis 11. Klasse aus Lego-Bausätzen zusammengebaut wurden. Einmal in der Woche treffen sie sich in der Arbeitsgemeinschaft Robotik, die von Sylvia Risse geleitet wird.
Im gleichen Raum stehen auch Herkules und Arielle in einem Schrankkoffer. Das sind zwei 3D-Drucker, die sich die Schule für ein halbes Jahr vom Fabmobil ausgeliehen hat. Ein paar kleine, schillernde Figürchen aus Kunststoff liegen in einer der Hightech-Maschinen. Die Drucker werden von den Schülern programmiert. „Das ist cool. Wir wollen uns selbst so einen modernen Drucker anschaffen“, sagte Sylvia Risse.

Fotos: HZDR-WebCMS

„Irgendwie muss man sehen, dass man die Schüler für die Naturwissenschaften und die Technik begeistert“, sagte die Lehrerin. Einige Schüler seien schon sehr zeitig dafür Feuer und Flamme. Aber die Zahl derer, die dieses Interesse nicht haben, nehme zu. „Viele wissen gar nicht, welche Talente in ihnen schlummern. Denen kann man Angebote machen“, sagte Sylvia Risse.
Zu diesen Angeboten gehören auch Gastauftritte von Professor Sebastian Zug von der TU Bergakademie Freiberg am Döbelner Gymnasium. Er war erst vor Kurzem mit einem sogenannten Wall-Plotter in Döbeln, einem Roboter, der Bilder auf Wände bringt. „Ein Mädchen aus der 6. Klasse hat sich das mit angehört. Dafür braucht man eigentlich Mathe, Klasse 9. Die Schülerin war begeistert. Das war für sie ein Blick über den Tellerrand“, erzählte die Lehrerin.

Ein Schüler der 10. will jetzt für sein obligatorisches zweiwöchiges Praktikum an die Bergakademie gehen und dort einen Roboter bauen. „Er hat Interesse in diese Richtung und sich darum gekümmert.“
Lehrer, die ihre Schüler begeistern können, hat die Döbelnerin selbst erlebt. Sie besuchte die Schloßberg-Schule, die damals noch Clara-Zetkin-Schule hieß und eine allgemeinbildende Polytechnische Oberschule war. „Herr Ernst war ein sehr guter Mathelehrer, der meine Liebe zur Mathematik geweckt hat.“ Das Gleiche sei auch ihrer Physiklehrerin gelungen, die später am Gymnasium ihre Kollegin wurde.

Das Abitur machte sie innerhalb eines Jahres an der TU Karl-Marx-Stadt in einem Vorkurs. „Dort hat man sich beworben und musste einen Aufnahmetest bestehen“, erzählte sie. Dem schlossen sich das Mathematik- und Physikstudium und eine Zusatzausbildung im Fach Astronomie an. „Astronomie war zu DDR-Zeiten ein eigenständiges Fach.“ Ihr Studium begann sie in der DDR und beendete es in der Bundesrepublik. Zum Referendariat war sie nach Schleswig-Holstein gegangen.
Berufsbegleitend hatte Sylvia Risse auch noch Informatik studiert. Unter ihrer Initiative wurde das Lessing-Gymnasium 2018 als erste Schule Mitteldeutschlands eine „Smart School“. Es hat ein Zertifikat als „Digitale Schule“ und als „MINT-freundliche Schule“. 2024 wurde das Gymnasium mit dem 7. Sächsischen Schulpreis in der Kategorie „Kultur der Digitalität“ ausgezeichnet.

Dazu beteiligt sich die Schule noch an einschlägigen Schülerwettbewerben, etwa zum Thema Robotik. Die Schülerbeiträge für diese Regionalausscheide müssen auch korrigiert werden, erzählte Sylvia Risse. Zusätzliche Stunden gebe es dafür nicht. „Aber wenn man Schüler hat, die dafür brennen, macht man das gern.“
Manchmal bedeutet dieses Engagement auch ungeahnte Strapazen, wie sie lachend erzählt. „Ich habe vor zwei Jahren bei einem Wettbewerb für Robotik in Oelsnitz mit sechs Schülern in einem Klassenzimmer übernachtet. Das war die schlimmste Nacht. Ich habe nicht geschlafen. Aber den Schülern hat es gefallen.“

Döbelner Anzeiger
Jens Hoyer
04.04.2026