Goldenes Abitur Jahrgang 1954

Nach 50 Jahren Wiedersehen am Gymnasium

Im Jahre 1954 legten sie am Gymnasium von Döbeln das Abitur ab. Inzwischen sind ihre Häupter grau geworden und trotzdem erkannten sich die ehemaligen Schüler der Klassen 12a, 12b1, 12b2 und 12b3 am Wochenende wieder. Anlässlich des Goldenen Abiturs waren sie wieder nach Döbeln gekommen, um gemeinsam das Jubiläum zu feiern. Bei einer Festveranstaltung in der Aula des Lessing-Gymnasiums konnte Schulleiterin Margrit Heinz die Urkunden zum Goldenen Abitur verleihen.

"Wir haben in einer sehr bewegten Zeit unser Abitur abgelegt", erinnerte sich Prof. Dr. Ehrhard Raschke, der heute am Institut für Meteorologie der Universität Hamburg tätig ist, an das Jahr 1954 zurück. "Nach dem 17. Juni 1953 gab es eine sehr interessante Zeit an der Schule, als es plötzlich möglich war, mit den Lehrern sehr offene Gespräche zu führen. Ich erinnere mich aber auch an die Zeit nach Stalins Tod, als ein Schüler vor den versammelten Klassen öffentlich geohrfeigt wurde", berichtet Raschke in seiner Jubiläumsrede.

 
  Prof. Dr. Erhard Raschke

Bei dem Goldenen Abitur wurde aber auch deutlich, dass ein Riss durch die Generation ging. "Ich gehöre zu denen, die nach dem Abitur in den Westen gegangen sind. Aber uns, die wir gegangen sind, sind auch nicht gebratene Tauben in den Mund geflogen", so Prof. Dr. Raschke.

Dr. Peter Bote

Dr. Peter Bote, auch Döbelner Abiturient 1954, blieb im Osten und machte als Architekt und Stadtplaner Karriere. Er erinnerte: "Abitur kommt von dem lateinischen Wort Abitus, Weggang oder Abreise - vielen von uns war klar, dass wir nach dem Abitur weggehen. Wir sind schon immer freundschaftlich verbundene Klassen gewesen. Ich freue mich, dass wir uns jetzt nach 50 Jahren hier wiedertreffen können, um das Jubiläum gemeinsam zu feiern."

 


Bei der Festveranstaltung überreichten die "Goldenen Abiturienten" an Schulleiterin Margrit Heinz nicht nur eine Geldspende, sondern auch ein Exemplar des "Kosmos" von Alexander von Humboldt. "Ich verbinde das Geschenk mit der Bitte, dass das Buch nicht in einer Vitrine ausgestellt wird, sondern vielleicht in einer Art Kreativ-Kurs Verwendung findet", erläuterte Raschke.

Bevor die ehemaligen Abiturienten am Sonntagnachmittag wieder abreisten, gab es noch ein Stadtbesichtigungsprogramm und einen gemeinsamen Gottesdienstbesuch zum Erntedankfest in Leisnig. Zum Abschied vereinbarten die 52 Teilnehmer, das in absehbarer Zeit weitere Zusammentreffen folgen sollen.

Döbelner Allgemeine Zeitung
Hagen Rösner
05.10.2004
Fotos: MM/LGD

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