10.04.2014 Junge Franzosen erkunden Döbeln

Das Lessing-Gymnasium pflegt seine Beziehungen zu einer Schule im französischen Evron. Jetzt sind 26 Schüler da.

Da staunt der junge Franzose. Was haben die Deutschen mit ihren Glocken gemacht? Eingeschmolzen? Ja, für Waffen im Krieg gegen Frankreich. Angesichts der Tatsache, dass die Urgroßväter noch gegeneinander Krieg führten, sei es doch schön, dass es heute zu so friedlichen Begegnungen kommt, meinte Döbelns Baudezernent Thomas Hanns. Er stellte gestern in Vertretung für den Oberbürgermeister 26 Schülern aus dem französischen Evron die Stadt vor. Und dabei zeigte er auch das Bild der großen Stahlglocke am Lutherplatz, die nach dem Ersten Weltkrieg ersatzweise in den Turm der Nikolaikirche gehängt und erst vor zwei Jahren wieder gegen Bronzeglocken ausgetauscht wurde.

Daniele Sturm, Französischlehrerin im Lessing-Gymnasium, betreut die Gruppe der Achtklässler aus Evron. Gestern stand Döbeln auf dem Programm. Foto: Dietmar Thomas

Manche Mädchen und Jungen haben eifrig mitgeschrieben. Denn es ist nicht nur ein Spaßbesuch. In der nächsten Woche werden die Schüler eine Arbeit darüber schreiben, was sie über Land und Leute erfahren haben – mit einigen ziemlich schweren Fragen, verriet die Französischlehrerin Daniele Sturm vom Lessing-Gymnasium hinter vorgehaltener Hand. Und es gibt darauf sogar Zensuren.

Angele Sturm begleitet die Gruppe der Achtklässler mit den beiden Lehrern seit Montag durchs Land. Berlin stand als erste Station auf dem Programm. Stadtrundgang, Besuch im Bundestag geführt von der CDU-Abgeordneten Veronika Bellmann. Eine halbe Stunde Debatte zum Haushalt im Plenarsaal. Schäuble hat gerade gesprochen, erzählte Daniele Sturm.

Zwölf Tage bleiben die Schüler in Deutschland. Das Programm ist vollgepackt. Gestern Döbeln – Riesenstiefel, Museum samt Turmbesteigung. Stadtrat Axel Buschmann führte später durch die Stadt. Seine Tochter lernt am Gymnasium Französisch. Ein Besuch im Freizeitbad Platsch in Oschatz steht später auch noch auf dem Programm, Bowling im WelWel, Fahrt nach Riesa in die Nudelfabrik. Unterricht wird es auch geben und Seminare über Geschichte und das Schulsystem in Deutschland.

Die Kinder sind in Gastfamilien untergebracht. Das sei die beste Art, eine Sprache zu erlernen, meint Deutschlehrer Didier Planchais, der zum sechsten Mal in Döbeln ist. Seit eineinhalb Jahren lernen die Schüler jetzt Deutsch. Wenn sie allein in den Gastfamilien sind, müssen sie sich mit der Fremdsprache verständigen. Der Lehrer hat seinen Schülern auch jeden Tag Fernsehen verordnet. „Da lernen sie viele Vokabeln. Bei der Werbung verstehen sie auch, worum es geht.“ Einige der Schüler werden mit den Gastgebern auch ins Kino gehen – auch keine schlechte Art, eine Sprache zu lernen, meint der Lehrer.

Ein ehrfürchtiges Raunen ging durch die Reihen der Schüler, als sie die Bilder vom Hochwasser 2002 sahen, die Thomas Hanns ihnen vorführte. Die Mulde als Rinnsal, die Mulde als entfesselter Strom. Genau dieses Hochwasser war es auch, mit dem die Partnerschaft zwischen dem Lessing-Gymnasium und dem Sacré-Coeur-Collège in Evron begann. Ein Lehrer aus einer anderen Partnerschule der Franzosen hatte nach der Flut in Döbeln Schlamm geschippt und den Kontakt vermittelt. Daniele Sturm und ihr Kollege Didier Planchais erhalten die Freundschaft aufrecht. Erst im Oktober vergangenen Jahres war eine Gruppe Achtklässler aus Döbeln in Evron. Das Städtchen mit reichlich 7000 Einwohnern liegt im Nordwesten Frankreichs.

Döbelner Anzeiger
Jens Hoyer
10.04.2014