09.10. Hello in Döbeln!

Lessing-Gymnasium begrüßt 40 Schüler aus England / Start für englisch-deutschen Austausch

40 Schüler zwischen zwölf und 17 Jahren aus England sind seit Dienstag Gäste des Lessing-Gymnasiums Döbeln. Gestern nahmen sie in kleinen Gruppen am Unterricht teil. Der Besuch der Schüler und Lehrer der Landau Forte Academy aus Tamworth in der Nähe von Birmingham ist der Auftakt für eine neue Schulpartnerschaft des Lessing-Gymnasiums mit einer englischsprachigen Schule.

Rebecca Atherton (m.) hielt Wort: Lisa, Gina und Lea vom Lessing-Gymnasium (l.) und Skye, Josh, Kai und Beth aus England (r.) freuen sich über die Schulpartnerschaft. Foto: Sven Bartsch

Nachdem die von 1993 bis 2007 bestehende Schulpartnerschaft ins nordamerikanische Seattle eingestellt wurde, weil der dortige Deutschlehrer in Rente ging, musste das Lessing-Gymnasium einige Jahre ohne Partnerschule im englischsprachigen Raum auskommen. Die Englischlehrerinnen Griseldis Riethmüller und Barbara Schlorke kümmerten sich federführend um Kontakte nach England. Ein erster Anlauf scheiterte. Doch vor zwei Jahren trat der Glücksfall ein. Mit Rebecca Atherton kam eine junge Deutschlehrerin von der Landau Forte Academy ans Lessing-Gymnasium. Sie versprach beim Abschied wiederzukommen und zwar mit einer größeren Schülergruppe. Sie hielt Wort.
Untergebracht sind die 40 Schüler und vier Lehrer im Landschulheim Töpelwinkel. "Deutsche Gastfamilien kommen wegen der strengen englischen Gesetze nicht in Frage", sagt Nicole Stodian. Die Deutsch- und Französisch-Lehrerin stammt aus Guben in Brandenburg und ist nach ihrem Studium in England in Tamworth geblieben.
Am Mittwoch waren die englischen Schüler in Dresden unterwegs. Ein ehemaliger Lessing-Gymnasiast, der heute in Dresden studiert, sorgte für eine Führung. Unter anderem wurde das Panorama des barocken Dresden von Yadegar Asisi im Panometer besichtigt. Nach dem gestrigen Schultag mit den Döbelnern stand der Besuch des Schlosses Colditz auf dem Plan - ein Muss für englische Gäste in Sachsen. "Colditz - Flucht in die Freiheit" ist der Titel eines zweiteiligen britischen Fernsehfilms, der in England Kult ist. Er erzählt vor dem Hintergrund einer Liebesgeschichte auch die spektakuläre Flucht englischer Kriegsgefangener aus dem angeblich sichersten Gefangenenlager auf Schloss Colditz. Gestern Abend stand ein gemeinsamer Sportabend im Welwel an. Eine Rallye mit verschiedenen Stationen wie dem Pferdebahnmuseum soll den Gästen heute die Stadt Döbeln näher bringen. Am Nachmittag das Völkerschlachtdenkmal auf dem Plan, bevor es am Sonnabend im Bus wieder nach Hause geht.

Auch das "englisches Wetter" beim Besuch in der Landeshauptstadt konnte die Stimmung nicht trüben / Gemeinsames Frühstück in der Mensa des LGD

"Im nächsten Schuljahr ist ein Gegenbesuch von Döbelner Schülern in England geplant. Details werden gerade besprochen", sagt Schulleiter Michael Höhme. 2017 sollen wieder englische Schüler nach Döbeln kommen.
An der Landau Forte Academie in Tamworth lernen 649 Schüler zwischen elf und 16 Jahren. Die Gesamtschule führt mit der elften Klasse zum Realschulabschluss. Zehn Prozent der Schüler beginnen danach eine Ausbildung. 80 Prozent lernen weiter in der Oberstufe bis Klasse 13 für die Hochschulreife. Als Fremdsprachen sind Französisch und Deutsch Standard.
Schulpartnerschaften pflegt das Lessing-Gymnasium zudem mit Schulen in Usti und Vyskov in Tschechien, mit dem Geschwister-Scholl Gymnasium Unna und ins französische Evron. In der vergangenen Nacht kehrten gerade Döbelner Schüler vom Schüleraustausch aus Evron zurück. Aktuell gibt es zudem die Partnerschaftsanfrage einer polnischen Schule.

Döbelner Allgemeine Zeitung
Thomas Sparrer
09.10.2015

Kommentar

Europa als gelebte Realität

Einige Jahre musste das Lessing-Gymnasium nun schon ohne Partnerschule im englischsprachigen Raum auskommen. Das war alles andere als schön für die Europaschule. Denn das LGD ist schon sehr auf die englische Sprache ausgerichtet. Schüler können hier das Cambridge-Sprachzertifikat ablegen. In bilingualen Klassen mit verstärktem Englischunterricht werden auch andere Fächer in englischer Sprache unterrichtet. So war das Streben nach einer englischen Partnerschule folgerichtig. Dass es dennoch so lange dauerte, bis nach den beendeten Kontakten nach Seattle wieder eine englischsprachige Schule am Start ist, liegt daran, dass viele deutsche Schulen Kontakte nach England suchen. Umgekehrt ist es nicht ganz so. Doch wieder ist dem LGD dank engagierter Lehrer und ein wenig Glück das Kunststück gelungen. Zuletzt war das sprachliche Profil mit der Einführung von Spanisch als dritter Fremdsprache gerettet worden und es werden Kontakte nach Tschechien und Frankreich gepflegt. Europa ist am Lessing-Gymnasium eben gelebte Realität.



Junge Engländer erkunden Döbeln

Nach längerem Suchen hat das Lessing-Gymnasium wieder eine englischsprachige Partnerschule. Jetzt sind die Schüler zum ersten Mal in Döbeln.

Das war gestern der Witz des Tages: Da sind die Engländer schon mal in Deutschland und dann erleben sie englisches Regenwetter. Wirklich gestört hat der Niesel den Programmablauf für die 40 Mädchen und Jungen aber nicht. Gestern wurden die Schüler aus England über die Klassen im Lessing-Gymnasium verteilt – sie sollten deutschen Unterricht kennenlernen. Danach war ein Muss für jeden Engländer dran, der in der Gegend ist: Der Besuch des Schlosses in Colditz, das im Zweiten Weltkrieg Kriegsgefangenenlager für Offiziere unter anderem aus England war. Deren Sport waren Ausbruchsversuche aus dem „Castle Colditz“, über die es mehrere Bücher und Filme gibt.

Matt Jones (v.l,), Kate Thomas, Jodie Tamplin und Lyndon Sadler gehören zu der 40-köpfigen Schülergruppe aus England, die das Lessing-Gymnasium besuchen. Rebecca Atherton hatte den Kontakt mit den Döbelnern aufgebaut. Foto: Dietmar Thomas

Sprachen sind für das Lessing-Gymnasium schon immer wichtig gewesen, und lange musste die Schule ohne Partner in einem englischsprachigen Land auskommen. Die Partnerschaft zu einer Schule in Seattle war schon vor mehreren Jahren beendet worden. Nach einem vergeblichen Versuch, einen Kontakt zu einer englischen Schule aufzubauen, klappte es schließlich. Vor zwei Jahren war die Deutschlehrerin Rebecca Atherton von der Landau Forte Academy in Tamworth in Döbeln. „Ich komme wieder“, sagte sie damals. Nach zwei Jahren hat das nun geklappt. Seit Dienstag wohnen 40 Schülerinnen und Schüler und ihre vier Betreuer im Freizeitzentrum Töpelwinkel und schauen sich in Sachsen und in ihrer Partnerschule um. Dresden stand schon auf dem Programm, heute geht es nach dem Besuch der Innenstadt und des Pferdebahnmuseums nach Leipzig und aufs Völkerschlachtdenkmal. Morgen fährt die Gruppe wieder zurück nach England – vor den Schülern liegen 20 Stunden Fahrt mit dem Bus.

Deutsch ist an der Landau Forte Academy Pflichtfach bis Klasse 9, danach entscheiden manche Schüler, weiterzumachen. Es sei kein Problem gewesen, genügend interessierte Schüler für die Fahrt zu finden, sagte Nicole Stodian, die die Schüler in Deutsch unterrichtet. Für die Lehrerin ist der Besuch eine Art Heimspiel. Sie stammt aus dem brandenburgischen Guben und war vor 13 Jahren zum Studieren nach England gegangen.

Gemeinsamer Sportabend im WelWel

Die Partnerschaft wird keine Einbahnstraße – im kommenden Jahr sollen Döbelner Schüler nach England fahren. Aus welchen Klassen, das sei noch nicht klar, sagte Schulleiter Höhme. „Wir müssen sehen, dass das zu unseren anderen Auslandskontakten passt.“ Gerade war eine Schülergruppe der Klasse 8 im französischen Evron – das Lessing-Gymnasium pflegt seit Jahren eine gute Beziehung mit einer Schule dort. Auch zu einer Schule in der Döbelner Partnerstadt Vyskov in Tschechien hält das Gymnasium Kontakt. Im Juni kommen die Vyskover nach Döbeln. Einen engen Arbeitsaustausch gibt es mit einer Schule im tschechischen Usti, was durch die Nähe sehr viel einfacher ist. Im November wollen die Tschechen nach Döbeln kommen. „Da wird richtig inhaltlich gearbeitet, das ist nichts Aufgepfropftes“, sagte Höhme. Bei den Tschechen aus Usti läuft diesmal ein Projekt zum Thema Heimat. Die Schüler verständigen sich auf Englisch.

Über die festen Partnerschaften hinaus gibt es immer wieder Kontakte ins Ausland. Die Englischlehrerin Bärbel Kampe war gerade bei einem Jugendcamp in Kreisau in Polen. „Vom polnischer Seite gibt es großes Interesse an einer Partnerschaft“, sagte Höhme. Ob es dazu kommt, sei noch nicht klar. „Eine Partnerschaft muss auch eine Anbindung an den Unterricht finden.“

Döbelner Anzeiger
Jens Hoyer
09.10.2015