26.09. Ist Rauchen noch cool?

Zwei Tage lang beschäftigen sich junge Leute mit legalen Drogen. Richtig wirkt Prävention erst, wenn sie Eltern sind.

An der Bar im Volkshaus gibt es für die Achtklässler Getränke gratis: Mixgetränke mit den Namen Freshmaker oder Virgin Colada. Eines haben diese gemeinsam: Sie sind garantiert frei von Alkohol. Trotzdem geht es den ganzen Tag über um die Alltagsdroge. Jan Hochheim, Schulsozialpädagoge in der Schloßbergschule, hat an der Bar ein paar Gläser aufgebaut. Ein Glas Schnaps enthält weit weniger Alkohol als ein Glas Bier. Sieben Gramm das eine, zwölf das andere, erklärt er.
Die Jugendfilmtage für Schüler von der siebten Klasse bis zur Berufsschule haben am Mittwoch und Donnerstag die Alltagsdrogen Nikotin und Alkohol zum Thema. Die Prävention ist ein sehr langwieriges Geschäft und muss deshalb auch langfristig betrieben und finanziert werden, meint Dirk Polster, stellvertretender Schulleiter der Schloßbergschule. „Die Zielgruppe sind die Eltern. Wir zielen heute auf die Kinder, die irgendwann einmal Eltern sind."

Das hat offensichtlich Erfolg, die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die gewohnheitsmäßig Alkohol konsumieren und rauchen, sinkt. „In den vergangenen zehn Jahren geht das kontinuierlich nach unten", sagt Martin Creutz, Suchtberater bei der Diakonie. „Wenn es uns gelingt, das Einstiegsalter von zwölf auf 14 Jahre zu bringen, hätten wir hinten hinaus nur noch die Hälfte Abhängige." Der Zugang der Kinder und Jugendlichen zu Zigaretten und Alkohol war in den vergangenen Jahren immer stärker eingeschränkt worden. Und auch jede Erhöhung der Tabaksteuer mache sich durch einen Rückgang der Zahlen der Raucher bemerkbar.

Auch Michael Höhme, Schulleiter am Lessing-Gymnasium, schätzt ein, dass heute weniger Schüler zum Glimmstängel greifen. „Die Raucherecke an der Schule ist schon ziemlich ausgedünnt", meint er. Die Prävention nehme am Gymnasium schon seit Jahren einen breiten Raum ein. „Da läuft in jeder Klassenstufe etwas." Die Schule kann auch 34 Ganztagsangebote bieten. „Dafür haben wir deutlich mehr Mittel zur Verfügung", sagt Höhme. Das Ausbilden von Interessen bei den Kindern hält auch Suchtberater Creutz für sehr wichtig. „Der Sportverein und das Hobby wirken präventiv. Nichts ist schlimmer, als ein Kind ohne Hobby in die Pubertät zu entlassen."

Wie der Name sagt, geht es bei den Jugendfilmtagen auch um Filme. Vier werden im Cinema gezeigt. In allen spielen die legalen Drogen in irgendeiner Form eine Rolle. Im benachbarten Volkshaus laufen die Mitmachaktionen für die Schüler. Die 15-jährige Julia, Schülerin der 8. Klasse der Oberschule am Holländer, ist gerade mit einer „Rauschbrille" durch einen Hindernisparcours gelaufen. „Das ist schon sehr komisch. Man sieht alles irgendwie so nah", sagt sie.
Organisiert werden die Jugendfilmtage vom Jugendamt des Landkreises Mittelsachsen in Zusammenarbeit mit vielen Partnern und der Fach- und Koordinierungsstelle Suchtprävention Sachsen. Auch die Eltern waren am Abend zu einer Infoveranstaltung eingeladen. Knapp 50 hätten sich angemeldet, sagte Annett Voigtländer, die zuständige Referatsleiterin beim Jugendamt.

Döbelner Anzeiger
Jens Hoyer
26.09.2019