16.09. Große Gefühle und witzige Pointen

Der Poetry-Slam-Abend begeisterte viele Gäste. Schul- und Jazzband zeigen ausgefeiltes Repertoire.

Ich wusste, dass es eine gute Veranstaltung wird und war dann doch baff. Wenn man seit 25 Jahren als Deutschlehrer unterwegs ist, weiß man, dass es immer Schüler gibt, die gut schreiben können und die Jonglage mit Wörtern beherrschen. Das ist ein Talent. So wirklich lernen kann man es eigentlich nicht. Und man weiß auch, dass es Schüler gibt, die beim Versuch Gefühle und Ideen zu verbalisieren zwar hochmotiviert sind, aber dann doch scheitern.

Außergewöhnlich bei der Poetry-Slam-Veranstaltung in unserer Festwoche war wirklich der Umstand, dass so viele bemerkenswerte Texte zum Vortrag kamen, die in ihrer inhaltlichen Dichte und sprachlichen Geschliffenheit restlos überzeugten. Selten zuvor, war es auch so emotional und teilweise so persönlich. Auch das ist für mich ein Zeichen dafür, dass es richtig gut war. Loben kann man also wirklich alle Teilnehmer. Ihr wart echt spitze!

Was ist mir besonders in Erinnerung geblieben? Natürlich die locker, flockigen Moderationen von Emilia und Lydia. Locker und flockig wirkten die übrigens, weil sie gut vorbereitet waren. Der eingangs vorgetragene Text über die Traditionen und der Versuch mit einer Wortcollage die drei Buchstaben LGD -für Lessing-Gymnasium Döbeln- mit Leben zu erfüllen, waren ein wirklich gelungener Beitrag zum runden Schulgeburtstag. Obwohl Poetry-Slam-Texte natürlich vom Vortrag leben, haben wir den witzigen Text von Lydia und Emilia hier veröffentlicht. Er war zu gut, als dass er im Poetry-Slam-Archiv der Schule einfach so verschwinden darf.

Elisabeth Lemke begeisterte mit einem Text über ein Mädchen, das sich in ein Mädchen verliebt. Obwohl die Slammerin nach ihrem Vortrag darauf hinwies, dass sie nicht über sich geschrieben hat, merkte man ihr Betroffenheit und Empörung an. Zu oft müssen sich gleichgeschlechtlich Liebende noch mit Vorurteile und Boshaftigkeiten auseinandersetzen. Mit einem ähnlich gelagerten Text machte Laura Antonia Leschke auf sich aufmerksam. Inspiriert durch den Film „Alle Farben des Lebens“ beschreibt sie das Schicksal eines Transgenders und kritisiert all jene, die Menschen in eine Norm pressen wollen und nur das vermeintlich Normale akzeptieren.

Neben problemgeladenen Texten gab es auch Heiter-Beschwingtes. Lina Krause entführte uns in ihrem Text ins Milieu einer Familienfeier, bei der sie immer wieder mit ach so gutgemeinten Tipps für ihre Zukunft konfrontiert wird und die stete Frage „Was machst du eigentlich nach dem Abitur?“ für Frustration sorgt. Am Applaus merkte man, dass sich viele Schüler im Text von Lina wiederfanden. Es ist schwer, einen eigenen Plan für sein Leben zu entwickeln und sich von den Erwartungen anderer zu emanzipieren.

Bemerkenswert waren auch die Texte von Ruba Altish aus der DaZ-Klasse. Die 14-jährige aus Syrien sprach über die Traditionen, die ihr wichtig sind und in der Aula wurde es still. Spannung lag auch bei dem Text von Linda Pilz in der Luft. Ihre Botschaft: Liebe verändert alles. Recht hat sie.

Humoristisch und pointiert ging es beim Text von Erik Weinberg zur Sache. Immer wieder von Beifall und lautem Gelächter unterbrochen, las der Elftklässler die Geschichte eines Jungen, der eine Freundin sucht. Comedy vom Feinsten überzeugte die Zuschauer – der Publikumspreis des Abends ging an Erik.

Was rundete den Abend ab? Natürlich die Auftritte der Schul- und der Jazzband, die eine beeindruckende Bandbreite zeigten. Vom rauhen „I love rock’n roll“ bis zu smarten Swingern wie „Autumn Leaves“ war alles dabei. Dem Publikum gefiel’s. Über drei Stunden dauerte der Poetry-Slam-Abend“ – keine Minute war überflüssig, die Zeit verging wie im Flug. Beseelt schlenderten Besucher und Aktive nach Hause – ein berührender Abend.

M. Höhme

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LGD-Fotografin: Annelie Kurze

Lampenfieber beim Poetry Slam

"Was ich liebe" hat Elisabeth Lemke ihren Beitrag genannt. Foto: Dietmar Thomas

Döbeln Lessing-Gymnasiasten küren ihre literarischen Talente. Ausgrenzung ist ein Thema.

Die Aula des Lessing-Gymnasiums ist prall gefüllt. Die Zuschauer warten gespannt. Im Zimmer daneben steht Elisabeth Lemke. Sie ist nervös und aufgeregt. Gleich soll sie beim Poetry Slam auftreten.
Dies ist eine Veranstaltung, bei der Schüler Texte zu einem bestimmten Thema vortragen und am Ende vom Publikum ein Gewinner gekürt wird. Organisiert wurde die Veranstaltung von der Arbeitsgemeinschaft „Schule ohne Rassismus -Schule mit Courage". Elisabeth Lemke schrieb für den Wettbewerb einen Text mit dem Titel „Was ich liebe". Dieser handelt von der Liebe eines Mädchens zu einem anderen Mädchen. Nach ihrem Vortrag sagte Elisabeth: „Es geht bei diesem Text nicht um mich. Ich habe ihn für Freunde geschrieben, die sich in dieser Lage befinden." Es ärgere sie, dass gleichgeschlechtliche Beziehungen noch immer nicht von allen akzeptiert werden. Elisabeth war die Erleichterung anzumerken, als sie von den Zuschauern viel Beifall erhielt. Publikumsliebling des Abends wurde allerdings Elftklässler Erik Weinberg, der einen komödiantischen Text rezitierte.

Döbelner Anzeiger
Mayte Westphal
16.09.2019


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LGD-Slam

In 150 Jahren sammeln sich viele Traditionen.
Die Frage ist, ob sie sich alle lohnen.
Viele entstanden vor Jahren und sind noch beständig,
andere jedoch, sind längst nicht mehr lebendig.
Der Wandel der Zeit bringt stets neue Ideen,
dem können wir Menschen nicht widerstehen.
So überlegen wir, modellieren wir, verändern wir, entwickeln weiter, gestalten um, verbessern und bauen aus.
Bis ein neuer Gedanke kommt und wir alles wieder einreißen, die Traditionen brechen und aus der Asche etwas völlig Neues schaffen.

Doch was unterscheidet unser heutiges LGD von damals?

Unsere schulischen Vorgänger waren „Streichhölzer“ die durch die Straßen Döbelns wanderten,
die in der Schule lebten, aber
sich stärker quälten als wir.
Ohne Whiteboards, Tablets und PC´s
bestritten sie das PSE stets.
Geplagt war`n sie von Algebra,
auch ih‘n war da nicht alles klar.
Ihr Nachschlagwerk hieß nicht wie heute Internet,
oft gingen sie mit Buch ins Bett.

Jugend früher wie auch heute
nicht zu verstehen für alte Leute.
Doch liegt´s nicht an der Lebenslehre,
sondern an der Sprachbarriere.
Die Jugendsprache steht für sich
und stört sehr oft den Unterricht.
Heut‘ ist alles nur in Kürze,
denn das verleiht dem Leben Würze.

Doch drei Buchstaben schweißen zusammen.
Deswegen sind wir heute beisammen.

L wie Lernen, Liebe, Lehrerfreuden, Leidenschaft, lecker Essen, Leistung, Logik, Lauf mit Herz, Lessing, Lächeln.

Traditionen entwickeln sich auf unterschiedliche Art und Weise,
in den Klassen 11 und 12 geht man da auf eine kulinarische Reise.
Denn wenn keiner redet und alles isst,
dann weiß man, dass wieder Kuchentag ist.
Abtrainiert wird´s beim Lauf mit Herz.
Diese Veranstaltung ist für uns kein Scherz.
Mit Leidenschaft sind wir im Mai dabei
und zaubern kranken Kindern ein Lächeln herbei.
Bei uns zählt Logik und auch Leistung,
oft sind wir nicht einer Meinung.
Tutor und Kurs streiten sehr gern
- mit Liebe lernen ist oft fern.
Doch Lessing schafft es zu verbinden
und Lehrerfreuden zu empfinden.

G wie Geduld, Gemeinschaft, Grenzwert, Gutmütigkeit, Grundgesetz, Gedichte, Geburtstag, Generation, GTA, Gymnasium.

Die Schulgeschichte verbindet Generationen,
so entstanden verschiedene Kreationen.
GTA für jedermann,
treibt den Schulalltag voran.
Fördert neben der Gemeinschaft
auch die emphatische Bereitschaft
- solidarisch und sozial
entwickelt sich eine Moral.
Doch neben all der Menschlichkeit
ist die Wissenschaft nicht weit.
Der Grenzwert, unser bester Freund,
von dem man nachts nicht gerne träumt.
Auch lernen wir Gedichte
und dösen in Geschichte.
Das Grundgesetz, ein Regelwerk,
- in GRW nicht unbemerkt.
Das Abi ist echt kunterbunt,
man ringt um jeden Notenpunkt.
Lehrer brauchen viel Geduld,
daran sind die Schüler schuld.

D wie Dramen, Digitalisierung, Durchsetzungsvermögen, Durchhänger, Dialog, Dokumente, Denkanstoß, Duett, Döbeln.

Auch eine große Rolle spielen die Dramen,
wenn nicht immer im von Frau Sturm und Herrn Greim inszenierten Rahmen.
Nicht nur im Duett und Quartett wird bei uns gesungen,
für den Chor wird regelmäßig nach Sängern gerungen.
Doch ist man niedergeschlagen und ärgert sich arg,
Frau Kastner hat stets den besten Rat.
Immer zur Stelle ist Herr Höhme,
oftmals sieht er nur das Schöne.
Stets für einen Dialog bereit,
weiß er über alles hier Bescheid.
Brauchst du einen Denkanstoß
oder deine Sorgen sind groß,
kannst du zu Frau Gasse gehen,
sie lässt dich nie im Regen steh´n.
Digitalisierung - Fluch und Segen -
Computer lassen sich auch pflegen.
Dafür zur Stelle ist Frau Risse
und sie verteilt auch gerne Disse.
Immer das richtige Dokument bei der Hand,
dafür ist Frau Niekrawietz bekannt.
Denn sie hat im Museum Struktur
und kennt die alte Schulkultur.

Jugend früher wie auch heute
nicht zu verstehen für alte Leute.
Doch liegt´s nicht an der Lebenslehre,
sondern an der Sprachbarriere.
Die Jugendsprache steht für sich
und stört sehr oft den Unterricht.
Heut ist alles nur in Kürze,
denn das verleiht dem Leben Würze.

Doch drei Buchstaben schweißen zusammen.
Deswegen sind wir heute beisammen.

Unsre Schule hat Geburtstag.
Deshalb habt ihr jetzt ´nen Auftrag!
- Hebt das Glas und stimmt mit ein:

Schön ist´s am LGD zu sein!