22.11. Der goldene Schlüssel

Theater und Workshops zum Thema Sucht für Schüler des Lessing-Gymnasiums, der Oberschule und der Förderschule in Döbeln

Der aggressive Fetzer, die Tranfunzel und das Flittchen – all diese Persönlichkeiten stecken tief drin in jedem. Und je nachdem, ob wir mit diesen Kellerkindern klar kommen, sie zulassen und im Griff haben oder eben nicht, sind wir anfällig für Süchte. Davon erzählte das Galli-Theater aus Wiesbaden in dieser Woche mehr als 200 Schülern aus den Döbelner Schulen mit dem Stück: „Der goldene Schlüssel“.

Flittchen, Tranfunzel und Fetzer (v.l.) machen des dem Redner (r.) schwer, sich auf seinen Vortrag zum Thema Sucht zu konzentrieren. Die Drei sind seine inneren Kellerkinder, die jeder zu seiner Zeit wichtig sind, die aber im Zaum gehalten werden müssen. Foto: Sven Bartsch

Mit finanzieller Unterstützung des Landratsamtes Mittelsachsen hatte Susann Gasse, Schulsozialarbeiterin am Döbelner Lessing-Gymnasium, die Theatermacher aus Wiesbaden engagiert. Und damit sich der Aufwand auch lohnt, wurden gleich zwei Vorstellungen in der Aula des Lessing-Gymnasiums anberaumt: Eine für die achten Klassen des Gymnasiums und eine für Acht- und Neuntklässler der Oberschule am Holländer und der Förderschule am Schlossberg.

Ein Redner, gespielt von dem aus der Region stammenden Schauspieler Oliver Born, hält einen Vortrag zum Thema Sucht und wie man sie verhindern kann. Doch schon bald bedrängen ihn seine eigenen Süchte und er gerät völlig durcheinander. Je mehr er gegen sie ankämpft, umso stärker werden sie. Der Redner kämpft gegen seine drei inneren Gestalten. Die Erotik in Gestalt des Flittchens (dargestellt von Viviane Hanna) lenkt ihn ab, lockt ihn auf Partys, verführt ihn zum Alkohol. Der Fetzer und coole Mädchenschwarm (Finn Kamm) steht für das Aggressive in jedem. Die pummelige und ständig gähnende Tranfunzel (Laura Carolina) macht uns zum Couch-Potatoe, lockt mit Chips und Süßigkeiten zum Nichtstun vor Fernseher oder Computerbildschirm. Den Redner halten sie auf Trab. Sperrt er seine Kellerkinder ein, wird sein Leben zum Krampf. „Mit seinen Kellerkindern zu spielen, sie im Zaum zu halten und als Talente anzunehmen sind der einzige Garant, eine Sucht zu verhindern oder zu überwinden“, beschreibt Gudrun Stiehl von der Galli Theater Compagnie. Jeder brauche seine Kellerkinder und müsse sie zu bestimmten Zeiten rauslassen, sei es die Erotik, die Party, das Faulsein oder das Aggressive. Nur die Oberhand sollte keines gewinnen. Der Goldene Schlüssel ist es sie alle zu bändigen und zur richtigen Zeit zu nutzen. Denn wer sie nur unterdrückt, läuft auch Gefahr krank zu werden, so Gudrun Stiehl. Mit Humor und Ironie kommt der Redner schließlich doch noch zu seinem Vortrag und lädt die Jugendlichen schließlich zu einem Mitspielteil ein. „Wer sich auf die Bühne traut, bekommt einen goldenen Schlüssel und muss ihn gegen die drei Kellerkinder aufmerksam verteidigen. So spielt Aroon spontan auf der Bühne Geige und hat den Schlüssel fest im Blick. Leon von der Oberschule erzählt von seinem Hobby im Fußballverein, wo er Aggressionen loswerden und Gemeinschaft leben kann und auch Schülerin Nele erzählt von sich und verteidigt den Schlüssel tapfer.

„Das Stück zeigt den Schülern Persönlichkeitsanteile, die ihnen im Alltag bislang womöglich nur unbewusst begegnet sind und die verantwortlich sind für unsere kleinen, aber gefährlichen Süchte“, sagt Gudrun Stiehl. Vertieft wurde das Ganze nach der Theatervorstellung jeweils nach in kleinen Gruppen in Workshops, welche die Schauspieler leiteten.

Döbelner Allgemeine Zeitung
Thomas Sparrer
22.11.2019