09.05. Mehr Glanz in der Hütte

Förderverein investiert in Schulhausgestaltung

In den letzten Jahren errang die Schule zahlreiche Qualitätslabel und Titel. Da auf der dafür vorgesehenen Schautafel im Foyer des Gymnasiums kein Platz mehr war, musste neu überlegt werden, wie man die Vielfalt der Urkunden und Auszeichnungen neu arrangieren kann. Im Ergebnis findet sich jetzt eine Tafel mit diversen Urkunden im Bereich des Sekretariats und eine Erweiterung der großen Schautafel im Foyer, auf der die Auszeichnungen „Digitale Schule“, „Smart School“ genauso Platz finden wie die Auszeichnung als Partnerschule des „Institute francais“. Hinter jedem Titel stehen die Leistungen von Lehrern und Schülern – und die sieht der geneigte Besucher gleich beim Betreten des Foyers, das als Empfangsbereich einen ersten wichtigen Eindruck von der Schule vermittelt.

Generell war die Ausgestaltung der Schule in den letzten Monaten im Focus. Finanziert durch den Förderverein entstanden Tafeln, die zu ganz bestimmten Themen fortan das Schulhaus zieren. Es ist eben nicht egal, wie der Ort aussieht, an dem Schüler und Lehrer einen großen Teil des Tages verbringen.

So entstand in der oberen Etage des naturwissenschaftlichen Gebäudes eine kleine Humboldt-Galerie. Neben einem Porträt des Wissenschaftlers und Zeichnungen von Pflanzen, die Humboldt bei seiner Südamerika-Expedition erfasste, wurde das berühmte „Naturgemälde“ ausgestellt. Humboldts „Tableau physique des Andes et pays voisins“ von 1807 ist eine Zeichnung der Vegetationszonen am Chimborazo, einem Vulkan im heutigen Ecuador. Das Tableau ist mehr als nur ein Abbild der Natur, es ist eine der ersten Infografiken. Ein Bild der Welt.

Warum widmen wir gerade Alexander von Humboldt einen prominenten Platz im Schulhaus des Gymnasiums? Weil er Schüler auch heute noch als Vorbild dienen kann. Mutiger, unkonventioneller Entdeckergeist mischt sich bei ihm mit wissenschaftlicher Akribie und enormem Fleiß. Humboldt ist noch heute einer der berühmtesten Deutschen, der besonders in Südamerika große Wertschätzung genießt. Humboldt, der deutsche Forschungsreisende, schuf in einem Zeitraum von mehr als sieben Jahrzehnten schuf „einen neuen Wissens- und Reflexionsstand des Wissens von der Welt“ und wurde zum Mitbegründer der Geographie als empirischer Wissenschaft.

Insgesamt profitierten besonders die Naturwissenschaften von der Ausgestaltungsoffensive am LGD. In den Gängen des Verbindungsbaus zwischen Haupt- und naturwissenschaftlichem Gebäude finden sich seit kurzem zwei große Tafeln mit den Porträts berühmter Naturwissenschaftler.

Hier blicken, arrangiert im Pop-Art-Stil Andy Warhols, z.B. Dian Fossey, Maria Sibylla Merian, Robert Koch, Werner Heisenberg, Rosalind Franklin, Sir Isaac Newton, Hermann von Helmholtz, Nikolaus Kopernikus, Gregor Mendel auf die durchs Schulhaus wuselnden Schüler herab. Damit diese, zum Beispiel in einer Freistunde, noch etwas lernen können, wurden den beiden großen Tafeln mit den Porträts kleine Tafeln beigefügt, die über die Leistungen der Wissenschaftler informieren und sie kurz biografisch vorstellen.

In zwei Fachunterrichtsräumen Mathematik wurden weitere Tafeln angebracht. Zum einen zeigen sie berühmte Mathematiker wie Emmy Noether, Johann Carl Friedrich Gauß, Alan Turing, Adam Ries und Maryam Mirzakhani, zum anderen beschäftigen sie sich mit dem Thema „Schönheit in der Mathematik“.

Die Tafeln würdigen den französisch-US-amerikanischen Mathematiker Benoît B. Mandelbrot, dessen Verdienst es ist, die fraktale Geometrie für die Beschreibung realer Objekte angewendet zu haben, deren „raue“, nicht durch einfache Idealisierungen beschreibbare Objekte sich bis dahin der wissenschaftlichen Untersuchung entzogen. Beispiele natürlicher Fraktale sind die Formen von Bergen, Küstenlinien und Flüsse, Verästelungen von Pflanzen, Blutgefäßen und Lungenbläschen sowie die Verteilung von Sternhaufen in Galaxien. Die Tafeln zur Problematik sind mathematisch interessant und ästhetisch ansprechend. Das ist doch für ein Fachkabinett Mathematik eine gelungene Mischung.

Eine schulgeschichtlich interessante Gestaltungsidee wurde bei den Biologen in der ersten Etage des naturwissenschaftlichen Gebäudes realisiert. Hier gibt es eine kleine Vorgeschichte. Als das neue Gebäude für die Naturwissenschaften 1995 in Besitz genommen wurde, hatten die alten Fachunterrichtsräume im Haupt- und im Laborgebäude ausgedient. Zum neuen Schulgebäude gehörte auch eine Grundausstattung mit neuen Lehrmitteln und es stand die Frage, was mit den teilweise angestaubten Unterrichtsmitteln, die teilweise noch aus der Zeit des Königlichen Realgymnasiums stammten, passieren soll. Einiges wurde aufgehoben, für anderes schien keine Verwendung mehr zu sein. In dieser Zeit rettete unser langjähriger Kunstlehrer Herr Vejrazka fünf große Schautafeln vor dem Container. Sie waren um 1900 angeschafft worden und zeigen fünf Ansichten eines Pferdes, u.a. den Knochenbau, die Muskeln, das Blut- und Nervensystem. Sie schienen nun bestens geeignet, um die leeren Wände rund um die Biologie-Fachkabinette mit Leben zu erfüllen. Die Schüler erhalten so ganz nebenbei Erkenntnisse zur Anatomie und Physiologie von Säugetieren sowie zur Geschichte ihrer Schule.

Schule sollte ein Ort sein, an dem man sich wohlfühlt. Das hat vordergründig natürlich etwas mit dem Lehrer-Schüler-Verhältnis zu tun, aber auch mit der Gestaltung von Zimmern und Fluren. Dass der Förderverein sich hier als Sponsor engagiert, zeigt erneut, wie wichtig der Verein für die Arbeit der Schule ist.

Michael Höhme