04.05. Abi ohne Abschlussfeier?

Nach aktuellem Stand müssen Abibälle wohl abgesagt werden. Die Hoffnung ganz aufgeben will aber niemand. Deshalb wird weiter geplant und vorbereitet.

Über den Abi-Bällen, den großen Abschlussfeiern der Abiturienten des Lessing-Gymnasiums Döbeln und des Martin-Luther-Gymnasiums in Hartha steht ein großes Fragezeichen. Obwohl beide erst für Anfang Juli geplant sind, gehen das Kultusministerium, das Landesamt für Schule und Bildung und auch die Schulen und Abiturienten selbst nicht davon aus, dass die Abschlussfeiern in gewohnter Weise stattfinden können.

Gymnasiastin Lilli-Marie Schirmer und Torsten Hartwig. Geschäftsführer des WelWel. halten im Moment zwar Abstand, planen aber gemeinsam den Ball der Abiturienten des Döbelner Gymnasiums. Doch noch ist unklar, ob er tatsächlich im Sport- und Freizeitzentrum steigen kann. Foto: Lars Halbauer

Eine klare Richtlinie dazu fehlt allerdings noch - was natürlich auch damit zusammenhängt, dass die Veranstaltungen erst in zwei Monaten stattfinden sollten. Das sächsische Kultusministerium hat eine Verordnung erlassen, wonach alle schulischen Veranstaltungen bis Ende des Schuljahres abgesagt werden sollen. Laut Pressesprecherin Susann Meerheim zählen Abibälle auch dazu. Alle 14 Tage werde die Situation zwar neu bewertet und geprüft, ob weitere Lockerungen möglich seien. "Nach derzeitigem Stand müssen aber auch Abibälle abgesagt werden", sagt Meerheim. Roman Schulz, Pressesprecher des Landesamtes für Schule und Bildung in Sachsen, erklärt allerdings: "Abibälle sind im
Unterschied zur Zeugnisausgabe im Regelfall keine schulischen Veranstaltungen." Die Abiturienten seien für Planung und Ausführung verantwortlich. Deshalb sei die vom Kultusministerium erlassene Verordnung auf viele Abibälle nicht anwendbar. Was nicht heiße, dass gefeien werden kann: "Es sind Großveranstaltungen, die Besucherzahl liegt häufig jenseits der 500. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie stattfinden", sagt Schulz. Großveranstaltungen sind bis Ende August deutschlandweit verboten. [...]

Auch die Döbelner Abiturienten hoffen, ihren Abibali zumindest in abgewandelter Form feiern zu können, sagt Lilli-Marie Schirmer. Sie ist Mitglied der Schülergruppe, die für die Organisation der Veranstaltung zuständig ist. So sind etwa Gästebeschränkungen vorstellbar, um eventuelle Auflagen zu erfüllen. Pro Schüler dürften dann zum Beispiel maximal drei Gäste teilnehmen.
Doch allen ist klar, dass die Wahrscheinlichkeit einer Absage groß ist - zum Döbelner Abiball kommen in der Regel zwischen 600 und 800 Gäste. "Wenn er komplett ausfällt, wäre es für den Großteil der Leute sehr schade. Weil man noch mal einen gemeinsamen Abschluss hat, auch mit den Lehrern", sagt Lilli-Marie. Eine Verschiebung dagegen wäre nicht so schlimm. Lilli-Marie: „Das Problem wäre dann nur, dass einige nicht teilnehmen könnten, weil sie sich im Ausland oder anderswo befinden." [...]

Allen Beteiligten ist aber klar, dass die von der Regierung verhängten Maßnahmen wichtig sind, um die Corona-Pandemie einzudämmen. Heike Geißler, Schulleiterin in Hartha, macht die Unsicherheit über den Abiball selbst zu schaffen: "So etwas macht die schulische Gemeinschaft ja gerade aus, das Zusammensein von Schülern und Lehrern. Schule wird derzeit aufs Lernen reduziert, das ist schade. Aber man muss es im Zuge der Pandemie verstehen."
Auch Michael Höhme. Schulleiter des Lessings-Gymnasiums Döbeln, geht nicht davon aus, dass kein normaler Abiball stattfinden kann. "Wir müssen in Ruhe abwarten, wie sich die Situation entwickelt. Dann wird auch rechtzeitig über den Abiball informiert werden", sagt Höhme.

Dass die Zeugnisausgaben wie gewohnt stattfinden können, ist ebenfalls sehr unwahrscheinlich. Da das schulische Veranstaltungen sind, sind sie von der Verordnung des Kultusministeriums über das Verbot schulischer Veranstaltungen betroffen.

Döbelner Anzeiger
Rasmus Wittrin
04.05.2020