21.03. Digitale Zukunft hat begonnen

Lessing-Gymnasium von Digitalverband als einzige Schule in Mitteldeutschland als Smart School ausgezeichnet

Smarte Lehrer holen Digitalauszeichnung nach Döbeln - Foto: Thomas Sparrer

Ursula Kührig, Fachleiterin für Naturwissenschaften, und Tommy Greim, Fachleiter für den musischen, künstlerischen Bereich am Lessing-Gymnasium, holten jetzt den Titel „Smart School“ nach Döbeln. Der Gesamtverband der Digitalwirtschaft Bitkom vergab die Titel für erfolgreiche Konzepte bei digitaler Bildung. Das Lessing-Gymnasium ist die einzige Schule in ganz Mitteldeutschland, die jetzt zu dem Smart-School-Netzwerk gehört.

In Döbeln hat die digitale Zukunft schon begonnen

VON THOMAS SPARRER

Am Lessing-Gymnasium Döbeln ist die digitale Zukunft schon angebrochen. Das hat jetzt auch der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom) festgestellt. Neben einer Berliner Schule ist das Lessing-Gymnasium in Döbeln ab jetzt die einzige Schule in Ostdeutschland, die künftig den Titel „Smart-School“ tragen darf.

Das Konzept „Smart School“ stützt sich auf die drei Säulen - Infrastruktur, pädagogisches Konzept und Inhalte sowie Lehrerfortbildung. Im Jahr 2016 wurden erstmals fünf Pilot-Schulen in Deutschland vom Gesamtverband der deutschen Digitalwirtschaft (Bitkom) als Smart-Schools ausgezeichnet. 2017 wurde dieser Wettbewerb für diese digitalen Vorreiterschulen erneut ausgeschrieben. Diese nunmehr 16 Smart-Schools sollen ein deutschlandweites Netzwerk bilden, zu dem nun auch das Lessing-Gymnasium Döbeln gehört.

Die Döbelner Schule hatte in Kooperation mit der Professur für Didaktik der Informatik an der TU Dresden ein Konzept für die Smart-School erarbeitet und zum Wettbewerb eingereicht. „Wir haben uns mit unseren bereits erfolgreich laufenden Angeboten beworben. So etwa mit dem GPS-Projekt“, sagt Ursula Kührig (60), Fachleiterin für Naturwissenschaften am Lessing-Gymnasium und seit mehreren Jahren Mitglied der Promotorengruppe für den Tablettunterricht in Sachsen. Auch ihr Mitstreiter Tommy Greim (29), Fachleiter für den musisch-künstlerischen Bereich, arbeitet im Deutschunterricht mit Filmen, Bildern und Musik auf dem Tablet. „Wir sind die Esel, die sich vor den Karren gespannt haben und die anderen Kollegen begeistern wollen“, sagen beide mit einem Schmunzeln. Und die Lehrerkollegen am Gymnasium streiten sich mittlerweile um die 32 Tablets für ihren Unterricht.

Finanziert wurden die Tablets aus Preisgeldern eines Samsung-Wettbewerbes und aus dem Preis der Bildungsmesse Framediale im vergangenen Jahr. „Gleichzeitig haben wir mit der Stadt Döbeln einen tollen Schulträger. Die Auszeichnung wäre ohne die großzügige Unterstützung und die Investitionen der Stadt in unsere Schule undenkbar“, sagt Ursula Kührig. Sie weiß, dass an mancher Großstadtschule in Sachsen die Kollegen von Bedingungen wie sie in Döbeln vorherrschen nur träumen können. 28 interaktive Tafeln gibt es an der Schule. Damit sind am Hauptstandort 90 Prozent der Klassenzimmer kreidefrei und mit solchen Tafeln versehen.

„Das Döbelner Gymnasium ist mit digitalen Medien nicht nur technisch gut ausgestattet, sondern vor allem in der Umsetzung digitaler Bildungskonzepte durch die Lehrerinnen und Lehrer Vorreiter für andere Schulen“, lobt Dr. Sven Hofmann, Vertretungsprofessor der Technischen Universität Dresden, Fakultät Informatik. Er war am Montag auf der Bitkom-Pressekonferenz in Berlin als die Sieger-Schulen bekannt gegeben wurden: Das Lessing-Gymnasium Döbeln ist die erste Smart School in Sachsen. Die Döbelner setzten sich mit ihrem Konzept gegenüber drei Bewerberschulen aus Sachsen sowie vielen anderen der deutschlandweit 60 Bewerber durch. Die Arbeit geht nun erst richtig los. Am 26. Juni findet die offizielle Auszeichnungsveranstaltung statt. Dann gilt es, die Smart Schools untereinander zu vernetzen und gemeinsame Projekte zu entwickeln.

„Medienkompetenz ist ein täglich notwendiges Arbeitsmittel. Kein Mensch, auch nicht der Kultusminister, kommt einen Tag ohne Smartphone aus. Aber vom Land kommt beim Thema digitale Bildung wenig“, findet Ursula Kührig. Denn sie weiss, dass viele Schulen in Sachsen noch nicht mal WLAN haben.

DAZ 21.03.18

Mehrfach ausgezeichnet für Tabletunterricht
Im September 2016 räumten Ursula Kührig und ihre Kollegin, Informatiklehrerin Sylvia Risse, beim bundesweiten Wettbewerb der Initiative „Digitale Bildung neu entdecken“ den zweiten Preis ab. Beide hatten nach neuen methodischen Möglichkeiten gesucht, digitale Technik im Unterricht einzusetzen. Mit einem von Samsung verliehenen Klassensatz Tablets testeten Achtklässler mehrere Wochen lang den Unterricht mit Tabletcomputern. Die Schüler berechneten mit Maßband, GPS und Tablet den Erdumfang vom Schulhof aus, berechneten die Fläche der Rathausfassade und gingen auf eine Schatzsuche. Das überzeugte die Expertenjury. Lohn: zweiter Platz, dotiert mit 3000 Euro.
Im April 2017 wurde diese Art des Unterrichts als „Bestes Medienprojekt mit Jugendlichen“ in der Kategorie „Lehrerinnen und Lehrer“ mit dem fraMediale-Preis 2017 auf der gleichnamigen Frankfurter Bildungsmesse geehrt. Die Preisgelder wurden in Tablet-Computer fürs LGD investiert.

Lessing-Gymnasium wird eine "Smart School"

Die Schule wird für ihre Arbeit mit den neuen Medien ausgezeichnet. Dafür brauchte sie aber auch Glück.

Von Jens Hoyer
Das Lessing-Gymnasium gehört zu den Vorreitern bei der Anwendung der neuen Medien im Schulalltag. Die Schule ist die einzige in Mitteldeutschland, die von Bitkom – dem Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien – als sogenannte „Smart School“ ausgezeichnet wird. „Darauf können wir stolz sein“, sagte Fachleiterin Ursula Kührig, die mit ihrem Kollegen Tommy Greim die Bewerbung für den Wettbewerb erarbeitet hatte. 16 Schulen im Bundesgebiet werden den Titel in diesem Jahr erhalten.

Das Lessing-Gymnasium ist die einzige Schule im Osten, neben einem Gymnasium in Berlin. Für Ursula Kührig ist das bezeichnend. „Es fehlt die finanzielle Förderung für die technische Ausstattung an den Schulen. Die Träger können das gar nicht leisten. Das sächsische Kultusministerium hat keine Programme für Fördermittel, um die Schulen auszurüsten.“

Das Lessing-Gymnasium habe da mit der Stadt Döbeln als Träger großes Glück. Dieser hatte viel Geld in die technische Ausstattung gesteckt. Fast alle Klassenräume sind mit sogenannten Smartboards statt der alten Tafeln ausgerüstet. Zudem verfügt die Schule neben den Computerkabinetten über 32 Tabletcomputer, die für Projekte im Unterricht verwendet werden. Im Gymnasium gibt es auch WLAN für den kabellosen Zugang zum Internet. „Da haben wir bei uns schon einen Idealzustand“, so Ursula Kührig.

Die Technik muss auch verwendet werden. „Wir trainieren die Schüler darauf, was sie später im Berufs- und Studienalltag erwartet“, sagte Ursula Kührig. Die Schüler recherchieren im Internet und zeigen ihre Präsentationen per Computer an den interaktiven Tafeln. Im Deutschunterricht werden Filme analysiert, und auch Aspekte der sogenannten Inklusion, der Einbindung behinderter Schüler, werden berücksichtigt. „Schüler, die nicht so gut schreiben können, bekommen ihre Arbeitsblätter per Speicherstick auf ein Netbook“, sagte Ursula Kührig.

Ein wichtiger Aspekt sei auch die Weiterbildung der Lehrer. „Die Verwendung der neuen Medien muss Alltag für die Kollegen werden. Wenn sie unsicher sind, dann werden sie das auch nicht nutzen“, so Kührig. Vier Lehrer am Gymnasium bilden ihre Kollegen weiter. „Für die neuen Referendare am Gymnasium biete ich immer gleich eine Fortbildung zur Bedienung der interaktiven Tafeln an“, sagte Ursula Kührig.

Bitkom hatte bei der Bildungskonferenz in Berlin die ausgezeichneten Schulen verkündet, die Auszeichnungsveranstaltung ist für Ende Juni vorgesehen. Dann geht die Arbeit für die Schulen erst richtig los. Sie sollen sich vernetzen und in den gegenseitigen Erfahrungsaustausch treten. „Wir sind gespannt, wie das weitergeht“, sagte Ursula Kührig.

DA 21.03.18

Symbolbild - Schüler arbeitet im Unterricht mit einem Tablet