11.03. 600 Bäume fürs fürs Muldeufer

Junge Döbelner Klimaschützer, das Lessing-Gymnasium und ein engagierter Vermieter organisieren nach Ostern großflächige Pflanzaktion

Die Friday-For-Future Demos in Döbeln haben jetzt ein Nachspiel. Und zwar ein richtig cooles. Die Gruppe „Wir für eine nachhaltige Stadt“, welche die Demos im September organisierte, wird nun gemeinsam mit Schülern und Lehrern des Lessing-Gymnasiums und vielleicht weiteren Unterstützern rund 600 Bäume pflanzen. Für Annabell Kempter (16) und Emilia Börno (17) von „Wir für eine nachhaltige Stadt“ ist das eine ganz große Weiterentwicklung des Umweltthemas, das sie unter die Menschen tragen wollten. „Der Döbelner Vermieter Wolfgang Müller war am Rande der ersten Klima-Demo im September auf uns zu gekommen und bot uns seine Unterstützung für eine solche Baumpflanzaktion an. Na klar waren wir begeistert und sagten zu“, so Emilia Börno.

Nach den Klimademos kommt jetzt die erste große Baumpflanzaktion von jungen Leuten. Foto: Sven Bartsch

Mittlerweile sind das Lessing-Gymnasium Döbeln und der Traditions- und Förderverein des Lessing-Gymnasiums mit im Boot. Aus den Plänen zum Bäumepflanzen wird eine große und runde Sache.

„Ich bin froh, dass sich Schüler unserer Schule Gedanken zum Klima- und Umweltschutz machen. Sowohl die Umweltschutz-AG an unserer Schule, als auch einzelne Schüler, die sich außerschulisch in der Gruppe „Wir für eine nachhaltige Stadt“ organisiert haben, sind davon überzeugt, dass es neben Demos auch konkrete Aktionen geben sollte“, sagt Schulleiter Michael Höhme. Seit den ersten Demos sind die Schüler an jedem zweiten Donnerstag beim Müllsammeln in Döbeln unterwegs. Es gab den Vortrag mit einer Zeit-Journalistin zum globalen Müllproblem. Auch eine andere Form einer Klimaschutz-Demo ist noch geplant. Mehr verrät Emilia aber nicht. Nur diese wird wie bisher in Döbeln auch außerhalb der Schulzeit stattfinden.

Während viele Fridays-For-Future-Demos am Freitagvormittag während der Schulzeit umstritten waren, gibt es dagegen für die große Baumpflanzaktion am 21. April sogar ein paar Stunden schulfrei. „An diesem Dienstag nach den Osterferien werden Schüler, die daran teilnehmen wollen, ab 12 Uhr vom Unterricht freigestellt“, kündigt Schulleiter Michael Höhme an. In einem Brief an die Lehrer bittet er um Abfragen, wieviele freiwillige Helfer aus Klassen und Kursen dabei sein werden. Die Teilnehmer erhalten vor der Baumpflanzaktion noch einen Elternbrief, in dem der Ablauf der Schulveranstaltung beschrieben wird und die Eltern per Unterschrift ihre Zustimmung geben müssen.

Emilia rechnet mit etwa 70 bis 80 Schülern und Lehrern, die dabei sein werden. Auch Schulleiter Michael Höhme weiß von ganzen Klassen, die dabei sein werden.

Vermieter Wolfgang Müller, von dem die Initiative ausging, hat die Aktion schon im Detail vorbereitet. Über Revierförster Dirk Tenzler wurden 600 Erlen und Weiden bestellt. Die Fläche dafür ist schon eingemessen. Palettenweise wurden Manschetten als Verbissschutz gegen die in dem Gebiet aktiven Biber gekauft und eingelagert. „Ich freue mich, dass wir von Döbeln aus mit der Pflanzaktion ein Zeichen für den Umweltschutz und den Flutschutz im Uferbereich der Freiberger Mulde setzen können“, sagt Wolfgang Müller. Für nächstes Jahr sucht er entlang der Mulde in der Region weitere Flächen. Denn alle Beteiligten sind sich einig, dass die erste Pflanzaktion am 21. April nicht die letzte bleiben soll. Wer weitere ufernahe Pflanzflächen kennt, meldet sich per E-Mail unter baum@mueller-dl.de.

Kommentar

Klimademos praktisch fortgesetzt

Die jungen Leute meinen es ernst. Sie wollen nicht nur freitags mal die Schule schwänzen. Sie veranstalteten ihre Klimademos ohnehin nachmittags. Nein, beim Demonstrieren sollte es nicht bleiben. Die Jugendlichen handeln auch. Dass jetzt aus der Döbelner Gruppe für eine nachhaltige Stadt die größte Baumpflanzaktion der Region hervorgehen kann, ist ein großer Erfolg für die Jugendlichen, die sich wie ihr Vorbild, die junge Frau aus Schweden, nicht abbringen lassen von ihrem Anliegen. Es ist schön, wenn Wolfgang Müller und das Lessing-Gymnasium den Ideen der jungen Leute Raum geben und ihnen helfen, dass aus Worten Taten werden können. Das macht Mut, sich weiter zu engagieren.

600 neue Bäume am Muldenufer – das ist schon eine ordentliche Hausnummer. Nicht nur für den Klimaschutz. Denn die neuen Bäume am Muldeufer sind auch beim Thema Wasserrückhalt ein großer Schritt und eine grüne Ergänzung zum technischen Hochwasserschutz, der in Döbeln gerade gebaut wird. Denn Klima- und Hochwasserschutz gehören gerade in Döbeln zusammen.

Döbelner Allgemeine Zeitung
Thomas Sparrer
11.03.2020