03.03. Poesie und Musik

Gymnasiasten bieten Poetry-Slam im Pub

„Anders“. So lautete der Titel des ersten Poetry-Slam, den Schüler des Lessing-Gymnasiums am Donnerstagabend im restlos voll besetzten Pub Prinz Albert Inn in der Döbelner Innenstadt veranstalteten. Die Idee zu diesem Poesie-Wettstreit hatten Schüler an ihren Deutsch-Lehrer Tommy Greim herangetragen. Die Schüler der von ihm geleiteten Gruppe „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ griffen die Idee auf und fanden in Wirt Christian Dettke sofort einen Unterstützer. Zehn Autoren aus der neunten bis zwölften Klasse trugen ihre Texte vor. Dazwischen sorgte die Schulband „Deep in Moon“ für die Musik. Das Thema des Abends war unter dem Titel „Anders“ breit gefasst. „Beim ersten Mal geht es nicht um einen Wettbewerb sondern um das Sich-Trauen. Die Schüler und ich haben aber den Traum, das Format weiter zu entwickeln“, sagt Tommy Greim. Nach dem riesigen Erfolg dieser ersten Veranstaltung sollte das kein Traum bleiben.

Elias Hesse aus der 9 a machte mit seiner lustigen Geschichte vom Laternenpfahl den Anfang, bevor die Schulband Radioactive von den Imagine Dragons spielt. Anas, der junge Syrer aus der DaZ-Klasse spricht arabisch, englisch und lernt neben Deutsch gerade Latein. Er experimentiert in seinem Text mit deutschen Sprichwörtern und erzählt von seinem Hobby, dem Schachspielen und der Sehnsucht nach Damaskus.

Laura Antonia Leschke sorgt mit ihrem Text für Totenstille im Raum: „...das was am Ende bleibt von fallenden Bomben und Kreuzen und Flaggen, weinenden Kindern und toten Soldaten...“so das wiederkehrende Motiv ihres sehr nachdenklichen Textes. „Bin ich gern Ausländer – keine Ahnung“, so endet Ahmeds Beitrag. Der junge Somalier besucht die DaZ-Klasse am Gymnasium.

Clara Busch hat ihre Zeilen „Vom Grinsen hinter den Ohren“ genannt. Sie behandelt den Zwiespalt zwischen Tagträumerei und entspannter Planlosigkeit oder Zielstrebigkeit und Ehrgeiz. Was macht wirklich glücklich?

„Ein selbstkritisches Plädoyer“ hat Cornelius Sommerlade verfasst, dass er witzig-launig unter die Zuhörer bringt. Olivia Pahn versucht unterhaltsam die „Liebe“ zu verstehen. Und zum Schluss bewies Jeremias Günther alias Benny sein Talent als Schauspieler und Autor.

T. Sparrer
DAZ 03.03.18

Anja Küchlers Text "So wie wir sind" handelt vom Anderssein. "Anderssein ist unsere Stärke. Was anderen fehlt, ist Toleranz", endet die Elftklässlerin beim Poetry-Slam. Foto: T. Sparrer

Poetenschlacht ohne Sieger

Beim Poetry-Slam des Lessing-Gymnasiums lesen Schüler Texte zwischen Leichtigkeit und Erdenschwere.

Von Jens Hoyer

Viel mehr Leute haben nicht mehr hineingepasst ins Prinz Albert Inn. Der Pub an der Bahnhofstraße war Austragungsort der ersten Poeten-Schlacht des Lessing-Gymnasiums. Poetry-Slam, wie es im Englischen heißt, ist eine ziemlich populäre Art, selbst geschriebene Literatur unters Volk zu bringen. Das Lessing-Gymnasium hat zum ersten Mal zum Poetry-Slam-Abend eingeladen. „Einige Schüler sind auf mich zugekommen, weil sie Texte geschrieben haben“, sagte Deutschlehrer Tommy Greim. Zusammen mit den Schülern der Gruppe „Schule ohne Rassismus“ hat er den Abend organisiert. Der Chef des Prinz-Albert Inn stellte dafür sein Lokal zur Verfügung. Und die Schulband füllte die Zeiträume zwischen den Texten mit Musik.

Eigentlich wird beim Poetry-Slam vom Publikum ein Sieger gewählt. Das war diesmal nicht so. „Ich bin einfach froh über jeden Schüler, der den Mut hat, sich da hinzustellen und einen Text vorzutragen. Es wäre schön, wenn sich das als Tradition etabliert“, sagte Greim. Auch zwei Schüler der sogenannten DAZ-Klasse (Deutsch als Zweitsprache) hatten diesen Mut. Anas etwa kommt aus Syrien und ist in die 6a integriert. Er experimentierte mit der Sprache, die er gerade lernt, und erzählte von seinen Vorlieben. Es gehe nichts über Schachfreuden in Damaskus. „Ich wünsche, du wünschst, wir wünschen. Wenn wir unsere Wünsche bekommen, sind wir glücklich.“

Elias aus der 9a erzählte die Geschichte vom stotternden Eduard. Laura aus der 11a schrieb ein düsteres Gedicht über den Zustand der Welt mit Gewalt und Kriegen. Anja aus der 11a philosophierte darüber, dass es total normal ist, anders zu sein. „Hör auf, dich zu verbiegen, nicht jeder muss dich lieben.“ Und Cornelius machte sich auf leichte Art Gedanken über das „Rudeltier“ Mensch und seine Verhaltensweisen.

DA 03.03.18