30.06. Bei Lucas stimmt die Chemie

Das Lessing-Gymnasium hat ein Ausnahmetalent in seinen Reihen. Lucas Rentsch aus der Klasse 9c hat Mitte Juni an der Chemie-Olympiade „Chemie – die stimmt!“ teilgenommen und war dabei außerordentlich erfolgreich. Er hat den ersten Platz im Ländervergleich Sachsen/Sachsen-Anhalt/Thüringen erzielt und sich so für das Bundesfinale qualifiziert, das im September an der Leipziger Uni ausgerichtet werden soll. „Chemie – die stimmt!“ umfasst auch die offizielle Chemie-Landesolympiade des Freistaates Sachsen, an der in diesem Schuljahr über 1000 Schüler und Schülerinnen teilgenommen haben.

Der Döbelner Gymnasiast Lucas Rentsch (15) kennt sich in Chemie bestens aus. Jetzt hat er auf diesem Fachgebiet einen Länderwettbewerb gewonnen und sich fürs Bundesfinale qualifiziert. Foto: Sven Bartsch

„Ihnen ist es sicher bewusst, wenn vielleicht auch nicht in diesem Ausmaß: Sie haben ein großes Juwel an Ihrer Schule. Lucas Rentsch konnte sehr überzeugen. Dabei hat er noch nicht mal alle Aufgaben vollständig probiert“, schreibt Wettbewerbskoordinator Jan Rossa nach dem Wettbewerb an den Chemielehrer von Lucas. Der 15-Jährige habe es geschafft, nicht nur die mitteldeutsche Regionalrunde zu gewinnen, sondern bundesweit ganz vorn zu sein. Nur Platz 2 aus Ilmenau habe mit dem Döbelner mithalten können, die anderen sind „weit weg“. Rossa: „Schüler wie Lucas, die von einem normalen Gymnasium kommen und direkt weit vorn sind, beobachten wir nur alle paar Jahre.“

Lucas selbst ist natürlich stolz auf sein Ergebnis. Er war zwar schon in der Vergangenheit bei solchen Vergleichen in Chemie und Physik dabei, so super abgeschnitten hatte er da noch nicht. Hinzu kommt, dass der Wettbewerb anders ablief, als eigentlich geplant. „Der Länderwettbewerb sollte eigentlich in Merseburg sein. Doch wegen Corona war alles anders. Es gab eine Online-Klausur. Das war zwar nicht schwieriger, aber sehr ungewöhnlich“, berichtet der Gymnasiast.

Lucas bekam die Aufgaben zugeschickt, per Passwort konnte er sich dann am Sonntag vor einer Woche einloggen und es ging von Zuhause aus ans Lösen. „Mit zwei Webcams wurde das Ganze überwacht, so dass ein Schummeln ausgeschlossen war“, sagt Lucas. Doch das hat der Döbelner gar nicht nötig. Es gab insgesamt fünf Aufgabenteile. So ging es unter anderem um die Analyse von Salzen und um Themen der Kernchemie, die laut Lucas erst im dritten Semester eines Chemiestudiums eine Rolle spielen. „Wir mussten herausfinden, wie lange es dauert, wenn man mit Thermit eine Dose Ravioli erwärmen würde“, schildert Lucas weiter. Thermit ist ein Rost-Aluminium-Gemisch, das normalerweise zum Schweißen von Bahnschienen verwendet wird. Bei einer anderen Aufgabe sollte Lucas herausfinden, wie man einen im Schloss abgebrochenen Schlüssel mit Säure auflösen kann.

Obwohl ihm für eine Teilaufgabe eine wichtige Information fehlte, die alle anderen hatten, gewann er die mitteldeutsche Regionalrunde. Die Siegerehrung erfolgte übrigens auch online, vorige Woche über eine Internetplattform, inklusive eines Auftritts des Science-Slammers Daniel Meza, der unterhaltsam erklärte, was die Erfindung der Pizza mit Solarzellen zu tun hat.

Nicht online, sondern richtig vor Ort, von Angesicht zu Angesicht, will heute Mittag Schulleiter Michael Höhme in seinem Büro die besondere Leistung von Lucas würdigen. Und der Neuntklässler – sieht er für sich eine Zukunft im Fachgebiet Chemie? „Eigentlich möchte ich Medizin studieren. Da hat ja auch mit Chemie zu tun.“

Döbelner Allgemeine Zeitung
Olaf Büchel
30.06.2020

Döbelner Gymnasiast räumt bei Chemie-Wettbewerb ab

Eigentlich ist das ein Tummelplatz für Spezialisten. Aber der 15-Jährige schafft es mit einem Traumergebnis ins Finale.

Der Wettbewerb begann zu einer Zeit, zu der sich andere Jugendliche im Alter von Lucas Rentsch im Bett noch mal umdrehen. An einem Sonntag um 9 Uhr. „Um 8.30 Uhr mussten wir uns schon einloggen, um zu kontrollieren, dass die Technik funktioniert", erzählte der 15-Jährige. Eigentlich sollte er in Merseburg sein, um am Mitteldeutschland-Ausscheid des Wettbewerbs „Chemie - die stimmt!" teilzunehmen. Aber wegen Corona ging das alles online über die Bühne - überwacht von zwei Webcams, damit nicht geschummelt werden konnte. „Eine war auf mich ausgerichtet, die andere auf den Arbeitsplatz. Zuvor musste ich den kompletten Raum zeigen und die Kamera auch unter den Tisch halten", sagte Lucas Rentsch.

Lucas Rentsch in seinem Element -sprich, im Chemielabor seiner Schule. Der Neuntklässler hat beim Wettbewerb „Chemie -die stimmt!" ein hervorragendes Ergebnis erzielt und ist damit im Bundesfinale gelandet.

Er hatte sich auf Sachsenebene für das nächsthöhere Level qualifiziert und dort mit einem so guten Ergebnis abgeschnitten, dass sein Betreuer ins Schwärmen geriet und eine euphorische E-Mail an Michael Höhme schickte, den Leiter des Lessing- Gymnasiums. „Diese Wettbewerbe sind normalerweise ein Schaulaufen der Spezialschulen. Dass ein Schüler eines allgemeinbildenden Gymnasiums dort abräumt, kann als außergewöhnlich gesehen werden", sagte Höhme. Lucas hatte den Regionalausscheid sogar mit der bundesweit höchsten Punktzahl gemeistert und sich damit für das Bundesfinale des Wettbewerbs qualifiziert, der im September in Leipzig mit 30 Finalisten stattfinden soll.
Das, was beim Regionalausscheid von den Teilnehmern gefordert wurde, sei für einen Neuntklässler sehr anspruchsvoll. Teilweise werde das Wissen der Chemiegrundkurse der 11. und 12. Klassen abgefragt, sagte Chemielehrer Heiko Weise. Die Aufgaben waren altersgemäß praxisorientiert. Lucas Rentsch musste zum Beispiel berechnen, wie viel Salpetersäure er braucht, um einen abgebrochenen Eisenschlüssel in einem Schloss aufzulösen. Mit Wettbewerben hat der Neuntklässler Erfahrung. Schon in der dritten Klasse hatte er an einem Chemie-Wettbewerb teilgenommen.
Mit Chemie ist Lucas Rentsch aufgewachsen. „Ich war schon mit vier Jahren im Labor", sagte er. Das wundert nicht, seine Eltern sind Chemielehrer. Sie haben den 15-Jährigen auch auf den Wettbewerb vorbereitet. Derzeit gibt es keine Chemie-AG am Lessing-Gymnasium, die so etwas übernehmen könnte. Aber fürs kommende Schuljahr sieht es gut aus, sagte Michael Höhme.

Beruflich hat der 15-Jährige derzeit aber andere Pläne als die Chemiestrecke. Er will nach dem Abi Medizin studieren. Als Hobby ist er beim Roten Kreuz aktiv, hat eine Rettungsschwimmerausbildung. Er taucht, spielt Floorball, Klavier und Flöte. Neben den hervorragenden Leistungen in der Schule sei er auch jemand, der sich bei Schulveranstaltungen engagiert. „Wenn etwas ansteht, gehört er immer mit zu den rückwärtigen Diensten", meinte Höhme, der die außergewöhnliche Leistung des Schülers mit einem Amazon-Gutschein adelte.
Das Döbelner Gymnasium hat in der Vergangenheit schon einige Chemiker hervorgebracht, sagte Höhme. Der bekannteste ist Richard Müller. Der Harthaer hatte bis 1923 das Gymnasium besucht und in Leipzig Chemie studiert. 1941 erfand Müller in Radebeul parallel zu einem Amerikaner das Silikon und leitete später den VEB Silikon-Chemie in Nünchritz.

Döbelner Anzeiger
Jens Hoyer
01.07.2020