06.07. Andere Länder, andere Schulen

In einem Austauschprogramm besuchen sich Schüler aus Frankreich und Deutschland gegenseitig. Döbeln war trotz Hitze echt erfrischend.

Elisa Kirsch hat es ganz gut getroffen mit Döbeln. Am Freitag voriger Woche schwitzten die Franzosen in Nimes bei 46 Grad in Schatten. Da waren die 36 Grad am Sonntag in Döbeln geradezu erfrischend. Nimes, das liegt im Süden von Frankreich. Von dort kommt die 14-Jährige. Fast drei Monate hat Elisa in Döbeln gelebt und ist im Lessing-Gymnasium zur Schule gegangen. Am Sonntag geht es noch nach Dresden. Danach in den Spreewald zum Paddeln und dann nach Hause. „Wir waren auch schon in der Sächsischen Schweiz", sagte Selma Richter, bei deren Familie die junge Französin in Großsteinbach wohnt.
Elisa fliegt mit zwiespältigen Gefühlen zurück. Auf der einen Seite hatte sie ganz schön Heimweh nach Nimes und ihren Eltern, erzählt sie. Auf der anderen Seite ist Deutschland ein schönes Land und die Leute sind nett. Und das Essen ist auch nicht zu verachten. „Sie ist zu Ostern angekommen. Da gab es Rouladen mit Klößen", erzählt Selma. „Seitdem schwärmt sie von Klößen." Von einigen deutschen Sitten war die junge Französin offenbar irritiert. Hausschuhe, wie bei ihren Gasteltern, kannte sie noch nicht. In Frankreich habe man in der Wohnung die Straßenschuhe an.

Die französische Schülerin Elisa Kirsch (Mitte) hat fast drei Monate lang das Lessing-Gymnasium besucht. Selma Richter (r.) und Cara Nöbel waren im Frühjahr in Frankreich. Jens Hoyer


Selma war Anfang des Jahres selbst für drei Monate in Frankreich und wohnte bei der Familie von Elisa in Nimes. „Brigitte Sauzay" nennt sich das Austauschprogramm, in dem die Schüler mal in dem einen und dann in dem anderen Land lernen können. „Die Schule ist anstrengender in Frankreich", meint die Gymnasiastin. Das hängt vor allem mit den Unterrichtszeiten zusammen. 8 Uhr geht es los, Schluss ist erst gegen 18 Uhr. Eine Schulstunde dauert 55 Minuten. Außerdem gibt es einige größere Pausen. „Am ersten Schultag war ich völlig fertig", verrät die 15-Jährige. Dafür sei die Verpflegung echt klasse. Zum Mittag Vorspeise, Hauptspeise, Nachtisch. „Die Kantine fand ich gut", meint Selma.

Elisa geht in Frankreich auf eine spezielle Schule mit Schwerpunkt Deutsch. In der 6. Klasse habe sie begonnen, die Sprache zu lernen, erzählt sie. In den knapp drei Monaten habe sie ihre Deutschkenntnisse deutlich verbessert, meint ihre Freundin Selma. Vor allem den Wortschatz vergrößert. Kein Wunder, sie musste. „In meiner Familie spricht niemand Französisch", sagt Selma. In der Schule ist die junge Französin ein As, verrät ihre Austauschpartnerin. Sie geht in die 10. Klasse, weil sie eine Klasse übersprungen hat. „In Mathe macht sie alle platt.". Deutsch und Chemie seien ihre Lieblingsfächer, sagt Elisa.

Auch Cara Nobel, ebenfalls 9. Klasse, war Anfang des Jahres für zwei Monate in Frankreich. „Ihre" Austauschschülerin, eine 16-Jährige aus der Bretagne, ist bereits zurückgereist. Für die 15-Jährige war der Besuch im Nachbarland eine besondere Erfahrung. Sie hatte mit ihrer Austauschpartnerin eine Schule mit Internat in Rennes, der Hauptstadt der Bretagne, besucht. Auch diese Schule ist auf die deutsche Sprache spezialisiert. „Es gibt dort deutsche Lehrer. Meine Austauschpartnerin hat zehn Unterrichtsstunden Deutsch pro Woche", erzählt sie.

„Die Mentalität der Leute hat mir gefallen. Die Menschen im Internat waren so offen. Die haben keine Vorurteile", sagt Cara. Die Gastfamilie wohnte in einem kleinen Ort. Vier Stunden Zugfahrt dorthin - echt stressig, wie sie meint. Sogar eine Demo gegen den Klimawandel hat sie mitgemacht. „Wir haben dafür schulfrei bekommen. Das war ein tolles Gemeinschaftsgefühl, das es nur in Frankreich gibt."

Döbelner Anzeiger
Jens Hoyer
06.07.19