WG Fortschritt entwickelt Wohnen für junge Leute

Lessing-Gymnasiasten erforschen, wie Wohnanfänger leben wollen und entwerfen dafür Musterwohnung
VON THOMAS SPARRER

Wie die ideale Wohnung für ältere Menschen aussieht, hat man bei der Wohnungsgenossenschaft Fortschritt in Döbeln in einem von der gesetzlichen Krankenversicherung finanzierten Projekt erforscht. Ebenso wurde im Projekt Chemnitz Plus erforscht, was Familien zum Wohnen brauchen. Jetzt hat die Döbelner Wohnungsgenossenschaft eine weitere Zielgruppe ausgemacht: junge Leute, die von zuhause ausziehen und erstmals eigene vier Wände beziehen. Doch wie sollte eine Wohnung für Neueinsteiger beschaffen sein? Wollen sie allein oder in einer Wohngemeinschaft wohnen? Wie sollten Küche oder Bad eingerichtet sein? Und was darf das Ganze dann kosten?

Für diese Aufgabenstellung kooperiert die Döbelner Wohnungsgenossenschaft seit vergangenen Herbst wieder mit dem Lessing-Gymnasium Döbeln. Schüler der 11. und 12. Klasse beschäftigen sich mit dem Projekt „Junges Wohnen – Wohnen für Neueinsteiger“. Im Unterricht von Sieglinde Kastner befassten sich etwa acht Zwölftklässler in Zweierteams mit dem Thema und stellten bereits die ersten Ergebnisse ihrer Überlegungen in Präsentationen zusammen. So müssen die Wohnungen mit Ausbildungsvergütung, Bafög oder Nebenjob für Studenten oder Auszubildende finanzierbar sein. WLAN wünschen sich junge Leute natürlich auch. In ihren Präsentationen haben die jungen Leute auch die Vor- und Nachteile einer Wohngemeinschaft und einer Einraumwohnung gegenübergestellt.Die sei mehr für Individualisten, biete mehr Privatsphäre, müsse aber auch zu einhundert Prozent alleine finanziert werden. Nicht allein sei man dagegen in einer WG, die Kosten teilten sich alle Mitbewohner. Schlimmstenfalls muss man am Bad aber morgens anstehen oder sich über schlampige Mitbewohner beim Küchenputz ärgern.

„Wir halten im Rahmen dieses Projektes in der Unnaer Straße 65 eine leere Zweieinhalbzimmer-Wohnung im fünften Stock vor. Diese soll am Ende des Projektes nach den Vorstellungen und mit den Ergebnissen der Schüler als Musterwohnung eingerichtet werden“, sagt Katja Näther, die das Projekt bei der Wohnungsgenossenschaft betreut. Schüler der elften Klasse mit ihrem Lehrer Tommy Greim haben bereits die Wohnung vermessen, um sich etwa über Teppiche, Tapeten und Möbel Gedanken zu machen. Zudem sollen sie sich mit den Grundrissen befassen: Was müsste etwa geändert werden für eine WG?

Die Idee „Junges Wohnen“ schlägt bei der Wohnungsgenossenschaft Fortschritt gleich zwei Fliegen mit einer Klappe. Zum einen liegt das Durchschnittsalter der Genossenschaftsmitglieder bei 62 Jahren. Jüngere Mieter sind also wichtig für die Zukunft des zweitgrößten Wohnungsunternehmens der Stadt. Weiterhin hat die Genossenschaft zwar eine niedrige Leerstandsquote von 3,66 Prozent. Doch die meisten leerstehenden Wohnungen befinden sich im vierten und fünften Obergeschoss. Die wären für junge Mieter besser vermietbar.

Doch auch das Thema „Wohnen in der Genossenschaft“ soll mit dem Gemeinschaftsprojekt angeschnitten werden. „Natürlich wollen wir die junge Leute auch für den Genossenschaftsgedanken, das Miteinander bei uns gewinnen“, sagt Katja Näther. Doch vieles in der Satzung der Genossenschaft kommt den Jugendlichen beim ersten Lesen eher altbacken vor, während sie mit den Werten einer solchen Gemeinschaft durchaus etwas anfangen können. „Die Jugendlichen nehmen im Rahmen des Projektes auch unsere Genossenschaftssatzung auseinander, und wir können uns durchaus vorstellen, dass dabei auch für uns Anregungen herauskommen, wie wir die Satzung zeitgemäßer und moderner machen können“, sagt die Projektverantwortliche.

Die Ideen der Gymnasiasten sollen später auch auf Berufsschüler, Auszubildende oder Heimerer-Schüler übertragen werden, um diese für die Genossenschaft als Mitglieder und als junge Mieter zu gewinnen.

DAZ 13.01.2018

Im Veranstaltungsraum der WGF in der Käthe-Kollwitz-Straße machten sich Elftklässler des Gymnasiums mit der Aufgabe vertraut, Wohnideen zu entwickeln. Foto: Katja Näther