17.01. So bunt wird das Festjahr am Gymnasium

150. Geburtstag: Gedenkmedaille und Festschrift geplant / Bernhard Schlink („Der Vorleser“) einer der Gäste

Das 150. Jahr des Gymnasiums soll für Schüler, Lehrer und Eltern ein ganz besonderes werden. Das gilt auch für die ganze Stadt und ihre Bewohner. Deshalb möchte sich die Schule wie gewohnt nach außen hin öffnen und das Jubiläum im öffentlichen Bewusstsein verankern.

Schulleiter Michael Höhme mit dem aktuellen Veranstaltungs-Flyer zum Festjahr und einer früheren Gedenkmünze. Fotos/Montage: Sven Bartsch


Als Königliche Realschule I. Ordnung war die Bildungseinrichtung in Döbeln gegründet worden. Im April 1869 begann der Schulbetrieb zunächst in dem damaligen Neubau der Bürgerschule auf dem Schlossberg. Richtfest für das neue Gebäude an der heutigen Straße des Friedens war 1870, ein Jahr später dann der Umzug vom Schlossberg und die Eröffnung am neuen Standort, einschließlich einer landwirtschaftlichen Abteilung.

„Wir haben schon vor Monaten die ersten Überlegungen angestellt, wie wir das Jubiläum angehen. Es hat sich eine Gruppe von Lehrern gefunden, bei der die Fäden zusammenlaufen. Eltern- und Schülerrat sind einbezogen. Mittlerweile ist ein guter Vorbereitungsstand erreicht“, sagt Michael Höhme, Leiter des heutigen Lessing-Gymnasiums Döbeln.

Es gibt drei Hauptsäulen, auf denen das Festjahr ruht. Das sind ein umfangreiches und ansprechendes Festprogramm, eine Gedenkmedaille und eine Festschrift.

Das Logo zum Jubiläum hat die Kunstlehrerin Judith Fulmer entworfen.


Beim Programm setzen die Organisatoren auf eine Doppelstruktur. Für die ersten Monaten bis Ende Juni sind zahlreiche Veranstaltungen auf die Beine gestellt, die ein sehr breites Spektrum beinhalten – von Kunst und Kultur über Sport und Wissenschaft bis hin zu Geschichte und dem Besuch von prominenten Persönlichkeiten. Dazu gehören zum Beispiel der Bestseller-Autor Bernhard Schlink („Der Vorleser“), Josef Schuster, Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, der mit Schülern diskutieren wird sowie der Umweltexperte und langjährige Döbelner Stadtrat Hans-Jürgen Schlegel, der über die Folgen des Klimawandels sprechen will. „Den Kontakt zu Bernhard Schlink hat für uns Axel Schmidt-Gödelitz vom Ost-West-Forum Gödelitz hergestellt. Wir hoffen sehr, dass es mit dem Besuch des Autors in unserer Schule klappt. Besonders freuen wir uns auch über die Zusage von Josef Schuster. Mit Ignatz Bubis hatten wir bereits einen seiner Vorgänger zu Gast“, sagt Michael Höhme. Der Auftakt zum Festprogramm ist übrigens bereits am kommenden Dienstag mit einem Konzert anlässlich des Lessing-Geburtstages.

 

Richtfest am Gebäude des heutigen Gymnasiums im Jahr 1870. LGD/Werner Braun


Nach einer Pause im Sommer startet das Gymnasium dann in der Festwoche vom 6. bis zum 14. September so richtig durch. Höhepunkte dabei sind unter anderem ein Schulhoffest am Körnerplatz, ein Schülerball im Volkshaus, Ballathon und Poetry Slam. Bei der Eröffnungsveranstaltung zur Festwoche werden dann auch die Festschrift und die Festmedaille präsentiert. Beides soll in entsprechenden Auflagen käuflich zu erwerben sein. Michael Höhme: „Medaillen und Festschriften sind schon in der Vergangenheit zu runden Jubiläen herausgegeben worden. Da gibt es am Gymnasium eine lange Tradition und an der wollen wir festhalten.“

Die Gedenkmedaille wird aus Zinn sein, das Prägen erfolgt in Freiberg. Die Arbeit an der Festschrift befindet sich gerade in der heißen Phase. „Wir stellen uns einen Journalcharakter im A4-Format vor. Es soll keine Bleiwüste geben, sondern einen bunten Blumenstrauß an Texten und Fotos in verschiedenen Darstellungsformen.“ Was die Festschrift auf jeden Fall auch beinhalten soll, ist eine lesefreundliche, also übersichtliche und locker aufbereitete chronologische Abfolge der Schulgeschichte. Die gibt es in dieser Form nämlich noch nicht.

Döbelner Allgemeine Zeitung
Olaf Büchel
17.12.2019

Nährere Informationen unter www.150jahrelgd.de


Prominenter Besuch zum 150.

Das Gymnasium startet ins Jubiläumsjahr. Und das mit Tradition und neuen Ideen.

Für den 10. Mai hat sich das Lessing-Gymnasium prominenten Besuch eingeladen. Den Schriftsteller Bernhard Schlink, der den Bestseller „Der Vorleser“ geschrieben hat. „Axel Schmidt-Gödelitz vom Ost-West-Forum hat den Kontakt hergestellt. Wir haben zwar noch keine Zusage, sind aber guter Hoffnung“, sagte Schulleiter Michael Höhme. Ein anderer Besucher kommt im Juni: Dr. Joseph Schuster, Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, soll mit den Schülern diskutieren.

Der Grund für so viel Prominenz: Für Schüler und Lehrer soll das Jahr das werden, was es ist – etwas Besonderes. Das Gymnasium wird 150 Jahre alt. Schon seit ein paar Monaten beschäftigt sich eine Arbeitsgruppe mit dem Jubiläumsjahr. Vom 6. bis 14. September wird es eine Festwoche geben. „Wir wollen aber schon das ganze Jahr über mit Veranstaltungen auf das Jubiläum hinweisen“, sagte Höhme. Auch alle Sammler können sich freuen. In alter Tradition wird das Gymnasium eine Gedenkmedaille auflegen. Die gibt es alle 25 Jahre. Die vom 150. Jahrestag wird in Zinn gegossen, sagte Höhme.

Schulleiter Michael Höhme steht im Museum des Gymnasiums. Hinten ein altes Modell des Laborgebäudes, vorn ein modernes Banner mit Schülern. Um Vergangenheit und Gegenwart geht es auch im Jubiläumsjahr. Foto: Jens Hoyer


Bei der Festschrift geht das Gymnasium einmal etwas andere Wege. Zum ersten Mal gibt es die Schulhistorie chronologisch aufbereitet mit vielen Bildern. Dazu sind originelle Beiträge geplant, wie einen Briefwechsel zwischen dem Physiklehrer Arne Theiss und einer ehemaligen Schülerin, die Physik studiert und gerade ein Auslandssemester in Schweden absolviert. Andere ehemalige Schüler mit interessanten Studien- und Berufswegen will das Gymnasium im September ins Haus holen und mit den Gymnasiasten ins Gespräch bringen.

Die Schüler bekommen im Jubiläumsjahr einiges zu tun. Die Schule lobt drei Wettbewerbe aus. Im Januar beginnt ein Fotowettbewerb, für den die Schüler ihr Gymnasium in den Focus nehmen sollen. Andere Wettbewerbe drehen sich um Deutsch und Mathe. Selbst der traditionelle Wissenschaftsabend, bei dem Zehntklässler ihre Facharbeiten vorstellen, dreht sich um die Schulgeschichte.

Auf Vermittlung der CDU-Bundestagsabgeordneten Veronica Bellmann kommt die namibische A-capella-Gruppe „African Vocals“ nach Döbeln. „Sie wird mit dem Schulchor ein Stück einstudieren“, sagte der Schulleiter. Die Theater AG der jüngeren Schüler studiert eine gespielte „Zeitreise LGD“ ein und die Theatergruppe der Älteren das Lessing-Stück „Emilia Galotti“.

Finanziert werden die vielfältigen Aktivitäten vor allem durch Spenden. „Döbelner Unternehmen und der Förderverein unterstützen das. Manches Mitglied hat mehr als die zwölf Euro pro Jahr überwiesen“, sagte Höhme.

Döbelner Anzeiger
Jens Hoyer
18.01.19


Einmalige Doppelschule

Das Gymnasium hatte früher eine Landwirtschaftsabteilung. Deshalb gehörten drei Hektar Felder dazu.

Das älteste Foto zeigt das Döbelner Gymnasium beim Richtfest 1870. Nein, das ist kein Widerspruch zum Jubiläumsjahr, denn bis 1871 war das Gymnasium eine Schule ohne eigenes Schulhaus. Begonnen hat alles mit drei Klassen in der sogenannten Bürgerschule auf dem Schloßberg, die damals nagelneu war.

Heute gehen 777 Schüler ins Lessing-Gymnasium, die von 77 Lehrern und sieben Referenten unterrichtet werden. Vor 150 Jahren fing das viel bescheidener an. Die Königliche Realschule I. Ordnung besuchten ab 12. April 1869 nur 91 Schülern – 31 in Sexta, 31 in Quinta, 29 in Quarta, was heute den Klassen fünf bis sieben entspricht. Unterrichtet wurden sie von fünf Lehrern. Der erste Rektor kam aus Annaberg.

Richtfest am Gebäude des heutigen Gymnasiums im Jahr 1870. LGD/Werner Braun


Das Döbelner Gymnasium war bei seiner Entstehung durchaus ein Experiment. Es war nämlich eine Realschule mit angeschlossener landwirtschaftlicher Abteilung. Da wundert es nicht, dass auf alten Fotos noch die Versuchsfelder zu sehen sind, die sich in Richtung der heutigen Dr. Zieger-Straße hinzogen. 1878 erhielt diese Abteilung den Status einer Landwirtschaftsschule. Hermann Schneider schrieb dazu in der Festschrift zum 125-jährigen Jubiläum: „Der dreijährige Kursus schloss mit einer Reifeprüfung nach Untersekunda ab. Somit wurde die Schule zur sogenannten Doppelanstalt, in ihrer Art damals einmalig in Sachsen und Thüringen. Es muss betont werden, dass gerade die Landwirtschaftsschule durch vielfältige schulische Aktivitäten und nicht zuletzt auf Ausstellungen im In- und Ausland viel zum guten Ruf der Schule beigetragen hat.“

Die Stadt Döbeln hatte großes Interesse an der weiterführenden Schule. Sie stellte das Grundstück für den Bau des Gebäudes samt Versuchsfeld von mehr als drei Hektar zum Preis von 15 000 Talern sowie einen Baufonds von 5 000 Talern zur Verfügung. Die neue Schule war über die Schulräume hinaus großzügig ausgestattet, sagte Michael Höhme. So gab es eine Bibliothek, einen Sammlungsraum und einen Zeichensaal. 1899 war dann noch ein zweites Haus als Laboratorium errichtet worden, das heute als Kunstgebäude bezeichnet wird. Neben der Schule war auch ein landwirtschaftliches Laboratorium errichtet worden, nämlich dort, wo sich heute die Mensa befindet.

Lange war das Gymnasium alleine Jungs vorbehalten. Das erste Mädchen besuchte ab 1914 die Schule. Die erste Lehrerin wurde sogar erst 1939 eingestellt.

Döbelner Anzeiger
Jens Hoyer
18.01.19