12.01. Vorreiter in einer digitalen Gesellschaft

Im Gymnasium gibt's bald ein neues Medienprofil. Dafür ist nicht nur Geld nötig.

An den beiden Standorten des Lessing-Gymnasiums gibt es 28 interaktive Tafeln, 42 Tablets und reichlich hundert Computer. „Davon sind auch einige Notebooks, die flexibel einsetzbar sind", sagt Schulleiter Michael Höhme. WLAN, der kabellose Zugang zum Internet, liegt ebenfalls an. Diese gute technische Ausstattung ist die Voraussetzung für ein neues Profil, das im kommenden Schuljahr am Gymnasium eingeführt werden soll. „Medienkompetenz in einer digitalisierten Gesellschaft" heißt es offiziell. Wer darüber spricht, nennt es nur kurz Medienprofil.

So ganz neu ist es aber nicht. „Es wird kein zusätzliches Unterrichtsfach, sondern ist eine Weiterentwicklung des gesellschaftswissenschaftlichen Profils", erklärt der Schulleiter. Dabei spielt der kritische Umgang mit den digitalen Medien eine wesentliche Rolle. Das Profil umfasst mehrere Bereiche. Zuerst gehe es darum, Informationen zu suchen, zu finden und zu bewerten. Die Schüler lernen also, wie sie bei einer Recherche im Internet vorgehen sollten. Der zweite Schritt ist das Kommunizieren im digitalen Zeitalter. Was ist dabei zu beachten und welche Gefahren oder Chancen bieten die Medien? „Es soll aber kein Unterricht werden, in dem der erhobene Zeigefinger dominiert", meint Michael Höhme. Auch Recht und Ordnung im Netz, die Gestaltung von Webseiten, das Urheberrecht und die Macht der Medien werden eine Rolle spielen. „Ein Beispiel dafür könnte die Wahl in den USA sein“, so Höhme.

Emilia und Nick nutzen mit Lehrer Tommy Greim schon länger die moderne Technik im Unterricht. Sie ist Voraussetzung für ein neues Profil, das das Lessing-Gymnasium im nächsten Schuljahr einführen wird. Foto: André Braun


In der Schullandschaft ist das Lessing-Gymnasium Döbeln ein Vorreiter in Sachen Medien. Zumindest, was den Osten Deutschlands betrifft. Deshalb wurde die Schule im August 2018 vom Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom) als Smart School ausgezeichnet. „Wir haben engagierte Lehrer, die Medien immer stärker im Unterricht aber auch zusätzlich zum Unterricht einsetzen", so Höhme. Nach der Auszeichnung hätten sie gemeinsam überlegt, wie die mediale Bildung noch stärker in den regulären Unterricht eingebunden werden könnte. Das Medienprofil ist das Ergebnis.

Allerdings war das kein Alleingang von Ursula Kührig und Tommy Greim, die das Konzept für das erweiterte Profil erstellt haben. „Wir haben mit dem Schülerrat, dem Elternrat und den Lehrern über das Vorhaben gesprochen und sind einer großen Offenheit begegnet", sagt der Schulleiter. Eine außerordentliche Schulkonferenz habe beschlossen, das Medienprofil ab dem kommenden Schuljahr im Lessing-Gymnasium anzubieten. „Damit wollen wir die Stärken der Schule stärken."

Bei einem Elternabend sollen den Müttern und Vätern im Januar die Inhalte des Profils vorgestellt werden. Besonders wichtig ist das für die Familien, deren Kinder derzeit in der siebten Klasse lernen. Denn sie müssen sich im laufenden Schuljahr entscheiden, welches Profil sie ab der achten Klasse besuchen möchten.

Neben der Theorie beinhaltet das Medienprofil auch einen praktischen Teil. Unter dem Motto „Schau schlau – nicht nur reden, sondern machen" sollen Medienprodukte erstellt werden, in denen gesellschaftswissenschaftliche Themen wie das Phänomen des Terrorismus oder die Entwicklung des Geldes eine Rolle spielen. In der achten Klasse sind drei Wochenstunden für das Medienprofil vorgesehen, in der neunten und zehnten Klasse jeweils zwei Wochenstunden.

Trotz der schon sehr guten technischen Basis fehlt noch das eine oder andere. „Zum Filmen werden wir anfangs die Handys der Schüler nutzen", verdeutlicht Höhme. Parallel soll die Ausstattung erweitert werden. Dazu könnten zum Beispiel Preis- und Sponsorengelder genutzt werden. Die Stadt Döbeln als Schulträger stehe der Entwicklung ebenfalls positiv gegenüber.

Auch wenn es ein Konzept für das Profil gibt, sei das nicht festgezurrt. Regelmäßig treffe sich eine Steuerungsgruppe. Das sind Lehrer, die das Medienprofil unterrichten möchten. Sie arbeiten sich nicht nur in das vorhandene Konzept ein, sondern wollen es gemeinsam weiterentwickeln. „Der Bereich ist sehr schnelllebig. Da müssen wir uns anpassen", erklärt der Schulleiter. Im Gymnasium gebe es systematisch Fortbildungen und Lernplattformen für digitale Medien, die rege genutzt würden. „Ich setze voraus, dass die Lehrer bereit sind, sich selbst weiterzubilden", meint Höhme. In dieser Beziehung habe er bisher nur positive Erfahrungen gemacht.

Döbelner Anzeiger
Cathrin Reichelt
12.01.19

Kommentar

Der richtige Weg von Cathrin Reichelt

Die Schulen sind zu schlecht mit moderner Technik ausgestattet. Es fehlen Computer, ganz zu schweigen von Tablets. WLAN liegt auch kaum an, so dass es für die Lehrer schwierig ist, mit dem Vorhandenen richtig zu arbeiten. Das ist gebetsmühlenartig immer wieder zu hören. Nicht nur von den Schulen, auch aus der Politik kommt diese Kritik. Anders beim Lessing-Gymnasium Döbeln. Schulleitung, Lehrer und nicht zuletzt die Stadt haben die Zeichen der Zeit erkannt. Schon vor vielen Jahren. Sie haben nicht mitgejammert, sondern gehandelt. Nicht einmal, sondern kontinuierlich. So hat die Schule inzwischen eine technische Ausstattung, die in der Region, in Mittelsachsen und vielleicht sogar in Sachsen und Deutschland ihres Gleichen sucht. Und nicht nur das. Parallel zur wachsenden Ausstattung haben sich die Lehrer in die Vielfalt der modernen Medien hineinge-fuchst. Dabei haben sich die Älteren, die nicht mit Handy, Laptop und Co. aufgewachsen sind, nicht auf die Jüngeren verlassen, für die diese Technik schon als Kinder selbstverständlich war. Respekt! Die Lehrer sind inzwischen so fit in Sachen moderne Medien, dass sie selbst Konzepte entwickeln, die dazu beitragen, dass die Schüler gut auf Studium und Beruf vorbereitet werden. Denn selbst der kleinste Handwerksbetrieb nutzt für Bestellungen, Abrechnungen und die Kommunikation mit seinen beruflichen Partnern moderne Technik. Das Gymnasium ist auf dem richtigen Weg. Nicht nur reden, sondern handeln.