17.02. Auf nach Ruanda

Felix Appel (18) muss bald den großen Rucksack packen

Nach seinem Abitur am Döbelner Gymnasium will er aus dem Elternhaus in Eichardt hinaus in die große weite Welt ziehen: Ein Jahr wird er als Lehrer in Ruanda arbeiten, will Sprache, Kultur und einen neuen Weltblick kennenlernen. Das könnte eine gute Voraussetzung für seinen Berufswunsch Diplomat sein.

In seiner Briefmarkensammlung hat Felix Appel einige Marken aus Ruanda wie die mit der Schwarzen Mamba. Im September wird er das Land persönlich kennenlernen.

Den Blick hinaus in die Welt hat Felix Appel schon als Kind aus seinem Zimmer im Elternhaus in Eichardt bei Großweitzschen gerichtet: Ein kleiner Globus steht auf dem Fensterbrett, eine Karte der deutschen Fluglinien nach Afrika hängt über dem Bett. Die Schränke sind voller Bücher und jeder Menge Briefmarkenalben. Nach einigem Blättern hat der 18-Jährige auch eine Seite mit ein paar alten Briefmarken aus Ruanda gefunden. Eine finster dreinschauende Schwarze Mamba ist auf einer davon zu sehen. „Republique Rwandaise“ steht auf französisch darauf zu lesen.

Rwanda, wie es in der Sprache der Einwohner geschrieben wird, hatte bis vor neun Jahren Französisch als Amtssprache – ein gewichtiger Grund für Felix Appel, dieses Land für seinen einjährigen Auslandsaufenthalt nach der Schule auszuwählen. „Es sollte ein afrikanisches Land sein, in dem französisch gesprochen wird. In Ruanda wurde zwar 2009 auf Englisch als Amtssprache umgestellt, um in der Afrikanischen Union noch mehr Gewicht zu bekommen, aber es wird dort allgemein noch viel französisch gesprochen“, weiß er zu berichten.

Die Sprache sei schön. Seit einem Besuch im französischen Kloster Taizé im Burgund will Felix Appel seine Kenntnisse vertiefen. Doch warum Ruanda? Es gäbe bequemere Möglichkeiten, sein Französisch aufzupolieren – in der Schweiz, in Kanada oder in Frankreich selbst. Doch Felix Appel hat sich bewusst für Afrika entschieden. „Ich wollte etwas Neues, etwas Fremdes entdecken. Ich bin noch nicht viel gereist in meinem Leben. Das Weiteste war England. Und man lernt sehr wenig über Afrika im Alltag. Einige Länder kennt man noch, aber bei den Hauptstädten wird es schon schwierig“, sagt er.

Seit September vergangenen Jahres hat er sich konkret mit den Möglichkeiten des Auslandsjahres in Afrika befasst. Dabei hat er sich auch Tipps von seinem früheren Schulkameraden Friedhelm Finsterbusch aus Niederstriegis geholt, der vergangenes Jahr erst von einem Auslandsjahr aus China zurückgekehrt war und in der DAZ darüber berichtet hatte. „Es ging dabei überhaupt erstmal darum, ein Auslandsjahr zu machen. Er hat mir dazu geraten“, sagt Felix Appel.

Über die Plattform „Weltwärts“ der Bundesregierung hat er sich bis zu seinem Ziel durchgeklickt und dabei auch Angebote aussortiert. „Ich hatte mir Togo ausgesucht. Aber dort sollte ich in einem Schwererziehbarenheim für junge Männer arbeiten. Das habe ich mir nicht zugetraut“, sagt er offen. In Uganda hätte es klappen können, aber dort wird kein Französisch gesprochen. So kam Ruanda ins Spiel.

Dort soll er ab September an einer katholischen Schule im Norden des Landes als Unterrichtsassistent arbeiten, Englisch, Französisch, Geschichte und Informatik unterrichten. Er ist sich nicht sicher, was ihn erwartet, dafür aber voller Tatendrang. „Die Sprachen und Geschichte bekomme ich hin und mit dem Computer kenne ich mich aus“, sagt er und lacht. Zudem will er einen Deutsch-Kurs als Freizeitangebot anbieten. In den Ferien will er zudem die Nachbarländer Uganda, Burundi, Kongo und Tansania bereisen.
Wo er wohnen wird, weiß er noch nicht – eine Gastfamilie oder ein Zimmer in der Schule kommen infrage. Etwas hat er sich schon über das Land, das bis 1994 in einem schweren Bürgerkrieg zwischen Hutu und Tutsi-Stammesangehörigen befand, informiert. „Man darf dort keine Plastiktüten besitzen. Die werden einem am Flughafen weggenommen. Man will dort die Vermüllung eindämmen“, erzählt er. Zwar sei der Bürgerkrieg vorbei, dennoch gebe es noch Spannungen zwischen den ethnischen Gruppen. Und die Straßenkriminalität in einem der ärmsten Länder der Welt sei recht hoch.

Doch all das schreckt ihn nicht. Mit dem Freiwilligen, der derzeit in der Schule unterrichtet, will er bald Kontakt aufnehmen und sich weitere Tipps holen. Derzeit ist der Abiturient damit beschäftigt, ein Visum zu beantragen. Den Pass hat er schon. Demnächst muss er ins Tropeninstitut nach Leipzig, um zu erfahren, welche Impfungen ihm noch fehlen. „Es kann sein, dass ich gegen Gelbfieber geimpft werden muss. Dazu kommt eine Malaria-Prophylaxe, vielleicht auch Tollwut“, sagt er.

Danach muss Felix Appel die Konzentration wieder auf das Abitur lenken. Nach dem erfolgreichen Vorabitur zu Jahresbeginn strebt er die Bestnote 1,0 an. Und das ohne jede Eitelkeit. Denn der 18-Jährige verfolgt einen komplexen Berufswunsch: Er möchte Diplomat für die Bundesrepublik Deutschland werden. „Es geht mir dabei nicht um Privilegien. Ich möchte für Verständigung sorgen, der Entwicklung gerade hier in Sachsen etwas entgegensetzen“, sagt er. Der Berufswunsch passe zudem genau zu seiner Person. „Wenn man die Welt sehen, mit anderen Menschen und Kulturen zusammenarbeiten und alle drei Jahre den Arbeitsort wechseln möchte, ist das genau das Richtige“, sagt er.

Natürlich sei ihm bewusst, dass dem ein langwieriger Ausbildungsprozess bevorsteht. Für das Studium Internationale Beziehungen, das bundesweit nur an der TU Dresden angeboten wird, bewerben sich jährlich rund 800 Abiturienten für etwa 35 Plätze. Ein Numerus Clausus von 1,0 ist gesetzt – daher die Anstrengungen Felix Appels im Abitur. Und selbst wenn er das fünfjährige Studium bis zum Masterabschluss geschafft hat, muss er noch jahrelang in Stiftungen und für Parlamente arbeiten, bevor er Kandidat für den diplomatischen Dienst werden kann.

Das Auslandsjahr in Ruanda ist eine weitere Voraussetzung dafür. Felix Appel hat auch schon begonnen, die Einheitssprache der Einwohner – genannt Kinyarwanda – zu lernen. Schaden kann es auf seinem langen Weg in die Diplomatie sicher nicht.

VON SEBASTIAN FINK
DAZ 17.02.18

Den Reisepass hat er schon, einen Rucksack auch - fehlen noch Visum und Impfungen. (Fotos: Sven Bartsch)