Lessing-Gymnasium Döbeln

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28.12. Weihnachten in aller Welt

Junge Christen aus Südamerika, orthodoxe Christen aus Russland und Serbien erzählen sich in Döbeln, wie sie sonst Weihnachten feiern.

Für die meisten Kinder und Jugendlichen ist Weihnachten nun vorbei. Aber nicht für Wladimir aus Russland und Igor aus Serbien. Sie haben Weihnachten noch vor sich. Denn die russisch-orthodoxe und die serbisch-orthodoxe Kirche hielten am alten julianischen Kalender fest. Sie feiern Christi Geburt entsprechend dreizehn Tage später, am 6. und 7. Januar.

Die beiden 16-jährigen Jungen sind zwei der 23 Kinder, welche in der DaZ-Klasse von Lehrerin Mandy Fernau am Döbelner Lessing-Gymnasium Deutsch als Zweitsprache lernen. In gemütlicher Runde sprachen sie vor der Schulschließung davon, wie in ihren Heimatländern Weihnachten gefeiert wird.

Berichten von ihrem Weihnachten: Wladimir (16) aus Russland, Rosvict (17) aus Venezuela, Ana (15) aus Brasilien und Igor (16) aus Serbien (v.l.).

Ob Christen, orthodoxe Christen oder auch Muslime – die Weihnachtsbräuche, die hierzulande gepflegt werden, gefallen allen in der Klasse. „Die Kinder freuen sich, weil der Weihnachtsmann Geschenke bringt. Sie schreiben für ihn Wunschzettel“, weiß Mohamed. Und er freut sich, dass zu den Kindern von seiner Lehrerin Mandy Fernau auch der Weihnachtsmann kommt. Für Ana (15) aus Brasilien sind viele der hiesigen Bräuche nicht unbekannt. Auch in ihrer Heimat gab es am 24. Dezember Geschenke und Süßigkeiten und der brasilianische Lichterglanz an Weihnachten ähnelt dem in unseren Breiten. Ana hat einen deutschen Stiefvater und genießt Weihnachten in vollen Zügen. „Ich liebe Kartoffelsalat und Gans und Ente“, lacht sie.

Roswict aus Venezuela hat auch die deutsche Weihnachtsgemütlichkeit schätzen gelernt. In ihrer Heimat drehte sich an Weihnachten alles um das weihnachtliche Nationalessen Hallaca. In jeder Familie gibt es eine Person, die die Zubereitung kennt und diejenigen anleitet, die bei der Herstellung helfen. Für die Hallaca wird ein Teig aus Mais, Wasser, Hühnerbrühe und Onoto (einer venezolanische Pflanze) hergestellt, dies gibt den typischen Geschmack und die Farbe. Dann breitet man den Teig auf Bananenblättern aus, die mit Onoto- Öl eingerieben sind. Nebenbei kocht man Fleisch vom Rind, Schwein, Huhn oder Truthahn für die Füllung. Die Füllung wird in rechteckige Teigtaschen eingeschlagen, diese bindet man zu und kocht sie in Wasser. „Wir essen dazu zwölf Trauben das bringt zum Jahreswechsel Glück“, sagt Roswict. Ihr zehnjähriger Bruder malte einen Wunschzettel und half den Tannenbaum anputzen. In Venezuela ist der meist aus Kunststoff.

Minus 30 Grad sibirische Kälte herrschen jetzt in Omsk, wo Wladimirs Familie herkommt. Dort steht das Neujahrsfest an, wenn der Tannenbaum im Haus steht. Gutes Essen spielt dann ebenso eine Rolle, wie Geschenke. Besonders die Kinder warten darauf, dass es Mitternacht wird und Väterchen Frost kommt oder sie die Geschenke öffnen dürfen, die unter dem Weihnachtsbaum liegen. Das Weihnachtsfest am 7. Januar wird dann wieder als kirchliches Fest begangen. So auch bei Igor aus Serbien. Drei Tage wird dann in seiner Familie gefeiert, gut gegessen und getrunken.

Die Döbelner DaZ-Klasse von Mandy Fernau besuchen aktuell 23 Kinder zwischen 13 und 17 Jahren aus Rumänien, Ungarn, Serbien, Polen, Russland, Venezuela, Kolumbien, Brasilien, der Türkei, Syrien, Irak und Afghanistan, um miteinander Deutsch zu lernen.

Döbelner Allgemeine Zeitung
Thomas Sparrer
28.12.2020

Kommentar

Offenheit gehört zu Weihnachten
von Thomas Sparrer


Die heimelige Atmosphäre in der Weihnachtszeit begeistert sie alle in der DaZ-Klasse am Lessing-Gymnasium. Die deutschen Weihnachtsbräuche haben etwas. Selbst Malak, die eigentlich Muslima ist, trällert begeistert mit den anderen Schülern „In der Weihnachtsbäckerei“. Weihnachten – das gefällt auch ihrer Familie und sie feiert mit den anderen mit.

Umgekehrt sind ihre Mitschüler aus der DaZ-Klasse aber auch für Malaks Erzählungen von ihren muslimischen Festen offen und man feierte mit ihr gemeinsam das muslimische Fastenbrechen.

Dies ist gerade nach Heiligabend ein schönes Bild vom Miteinander der Menschen unterschiedlicher Herkunft und vom Miteinander von Menschen unterschiedlichen Glaubens. Die Kinder und Jugendlichen in der DaZ-Klasse erzählen einander von Weihnachten, vom Fastenbrechen oder vielleicht auch vom jüdischen Lichterfest Chanukka, das im Dezember gefeiert wird. Wahrscheinlich wissen diese gemeinsam Deutsch lernenden Kinder dadurch sogar mehr von der Welt als viele von uns. Und sie lernen Offenheit für die anderen. All das passt in unsere Weihnachtszeit, wo wir das Menschwerden von Gottes Sohn als Geschenk an uns feiern.