21.12. Historikerpreis

Junge Döbelner erfolgreich - Enya Vogel gewinnt Jugendsonderpreis

Sehr erfolgreich haben sich Döbelner in zwei Kategorien am 14. mitteldeutschen Historiker-Wettbewerb – dem „Ur-Krostitzer Jahresring“ – beteiligt.

Den Jugendsonderpreis (500 Euro) gewann die Schülerin Enya Vogel aus Döbeln mit ihrer Ausarbeitung „Der Einfluss der Reformation auf ausgewählte Zisterzienserklöster“. Das ist nach 2016 der zweite Preis in Folge für einen Schüler des Lessing-Gymnasiums Döbeln. Die 17-jährige Enya Vogel reichte eine 34-seitige Hausarbeit im Fach Geschichte ein. Sie beschäftigte sich dafür mit der Entstehung und Entwicklung des Zisterzienserordens, dem Einfluss der Reformation auf drei Klöster in Mitteldeutschland sowie der heutigen Situation des Ordens anhand eines noch bestehenden Klosters. Die Döbelnerin untersuchte intensiv die Geschichte der Klöster Altzella, Marienthron (Nimbschen) und St. Marienthal (Ostritz). Die Wettbewerbs-Jury bescheinigt ihr eine sehr solide Arbeit auf umfangreicher Literaturbasis und hebt einen von Enya Vogel selbst entwickelten Fragebogen zum Thema hervor.

Enya Vogel - Foto: Christian Modla

DAZ 21.12.17

Krostitzer Brauerei ehrt Hobbyhistoriker

Geschichte von unten schreiben – das hat sich Ingo Schulz aus Magdeburg zum Ziel gesetzt. Zehn Jahre lang beschäftigte sich der 48-jährige Jurist intensiv mit dem bäuerlichen Leben in der Vormoderne, betrieb Forschungen am Beispiel der Familie Freytag, mit der er selbst verwandt ist. Heraus kam ein
700-seitiger Wälzer, für den der Sachsen-Anhalter gestern beim 14. mitteldeutschen Historikerpreis „Ur-Krostitzer Jahresring“ in der Alten Nikolaischule in Leipzig den mit 1500 Euro dotierten Hauptpreis erhalten hat.

Sein Buch „Bauern in der Magdeburger Börde“ entspreche „höchsten wissenschaftlichen Ansprüchen“ und sei ein „äußerst wichtiger Teil nicht nur regional- und familiengeschichtlicher Forschung, sondern auch für die Landesgeschichte von Sachsen-Anhalt“, hieß es unter anderem in der Begründung der Jury, die zum ersten Mal ohne ihren krankheitsbedingt fehlenden Vorsitzenden Manfred Straube anwesend war.

Schon während seiner Schulzeit setzte sich Schulz mit Familienforschung auseinander. Eine Leidenschaft, die seitdem nicht mehr erlosch. „Familiengeschichte wird oft in eine verstaubte Ecke gestellt“, sagte der ambitionierte Freizeithistoriker, „obwohl das mehr ist, als reine Stammfolgen wiederzugeben.“ Vielmehr ließen sich gesamtgesellschaftliche Entwicklungen sehr gut anhand konkreter Familien nachzeichnen. Das Preisgeld wolle der gebürtige Braunschweiger nutzen, um seine Forschungen perspektivisch fortzusetzen. „Als Nächstes wende ich mich dem Bürgertum zu, nachdem ich mich so lange mit den Bauern befasst habe.“

Ebenfalls in der klassizistischen Aula des ehemaligen Schulgebäudes ausgezeichnet wurde Jakob Eißner vom Grimmaer Gymnasium St. Augustin. Seine Projektarbeit zur Ausgestaltung des
Lutherjahres 1983 in der Region Grimma würdigten die Juroren mit dem Sonderpreis zum Jubiläum „500 Jahre Reformation“ sowie weiteren 1500 Euro. Der 18-jährige Schüler saß einen Monat lang von früh bis spät an dem Werk, durchstöberte Akten, führte Zeitzeugengespräche. „Für diese Mühen Anerkennung zu bekommen, ist toll.“ Nächstes Jahr legt er sein Abitur ab, danach soll es zum Geschichts- und Germanistikstudium nach Leipzig gehen. Ein Vorhaben, für das er das Preisgeld nach eigener Aussage „sicherlich gut gebrauchen“ kann.

Genau 70 Exemplare neu interpretierter Historie mit breitem Themenspektrum bewertete die vierköpfige Jury in diesem Jahr. Geehrt hat sie neun Einsendungen, darunter ein Werk von Stephan Conrad, Judith Sophie Schilling und Sophie Spitzner von der AG Geschichte des Vereins Treibhaus aus Döbeln sowie eine Arbeit von Dorit Bieber aus Löbichau (Kreis Altenburger Land). Über den Jugendsonderpreis freute sich die 17-jährige Schülerin Enya Vogel aus Döbeln. Sie hatte den Einfluss der Reformation auf ausgewählte Zisterzienserklöster untersucht. Die weiteren Gewinner kommen aus Gera, Jena, Zeitz und dem Landkreis Gotha.

Wolfgang Welter, Geschäftsführer der Krostitzer Brauerei, sagte: „Die Freizeithistoriker arbeiten meist unbeachtet von der Öffentlichkeit und ohne finanzielle Unterstützung akribisch die Geschichte Mitteldeutschlands auf.“ Ihnen eine würdige Bühne zu bieten und die verdiente Anerkennung zu verschaffen, sei das Anliegen des Wettstreits, den die Brauerei 2004 initiiert hatte. Beim Ur-Krostitzer Jahresring handelt es sich um die goldene Nachbildung des Rings, den Schwedenkönig Gustav II. Adolf (1594–1632) einst dem Krostitzer Braumeister als Dank für wohlschmeckendes Bier überlassen haben soll.

Von Matthias Klöppel
DAZ 21.12.17

Haben beim 14. Mitteldeutschen Historikerpreis triumphiert: Enya Vogel, Jakob Eißner und Ingo Schulz (v.l.). Letzterer bekam als Hauptpreisträger den Ur-Krostitzer-Jahresring mit dem Konterfei des Schwedenkönigs Gustav II. Adolf. Foto: Christian Modla

Döbelner räumen ab

Gleich zwei Preise des Historikerwettbewerbs von Ur-Krostitzer gehen in die Muldenstadt.

Jedes Jahr schicken Hobby-Historiker Arbeiten zum Wettbewerb „Ur-Krostitzer Jahresring“ ein. Diesmal haben Döbelner mit zwei Beiträgen gewonnen. Die AG Geschichte des Vereins Treibhaus hatte sich mit „Döbeln im Nationalsozialismus“ beteiligt. Die Hobby-Historiker hatten zusammen mit einer Chemnitzer Firma eine App für Smartphones für einen virtuellen Rundgang durch Döbeln erarbeitet, mit der sich die Nutzer über jüdische Familien im Dritten Reich, über Rüstungsindustrie und Zwangsarbeit informieren können. „Wir haben die Texte geschrieben und selbst eingesprochen“, sagte Stephan Conrad von der AG. „Mit den 500 Euro Preisgeld sind wir sehr zufrieden. Wir wollen uns weiter an solchen Projekten beteiligen, weil das auch Aufmerksamkeit erzeugt.“

Über 500 Euro kann sich auch Enya Vogel freuen. Die Schülerin des Lessing-Gymnasiums hatte im vergangenen Jahr in der 10. Klasse eine Hausarbeit mit dem Thema „Der Einfluss der Reformation auf ausgewählte Zisterzienserklöster“ geschrieben und dafür jetzt den Jugendsonderpreis bekommen. „Ich kannte das Kloster Buch und war in Italien und Frankreich in Klöstern. Deshalb hatte ich das Thema gewählt.“ Die Arbeit dreht sich um die Klöster Nimbschen, Altzella und St. Marienthal bei Ostritz in der Lausitz. Letzteres hatte die Reformation als einziges der drei überdauert. „Ich habe dort eine Nacht verbracht und einen Gottesdienst zu Allerheiligen erlebt. Eine Nonne hat mir sehr geholfen“, erzählt sie. Wenig Material habe sie dagegen zu Altzella gefunden. Eigentlich liegen ihr die Naturwissenschaften mehr, verrät die Schülerin. Aber für sie sei es auch eine Chance gewesen, ihre Zensur in Geschichte zu verbessern.

DA 23.12.17
Von Jens Hoyer