10.12. God is an abstract thing anyway

40 Schülerinnen und Schüler der 11. und 12. Klasse des Wahlgrundkurses „Jüdische Geschichte und Kultur“ besuchten zwei Tage die Hauptstadt.

Nach der Ankunft in Berlin wurde die Gruppe in die Jahrgangsstufen aufgeteilt. Die 11. Klasse ging mit dem Schulleiter Michael Höhme in die derzeitige Ausstellung des Jüdischen Museums Berlin. Da sich das Museum zu dieser Zeit im Umbau befand, konnte nur die Präsentation „Welcome to Jerusalem“ besichtigt werden. In dieser wird das Leben in Jerusalem, wo alle drei monotheistischen Weltreligionen aufeinandertreffen, thematisiert.

Währenddessen betrieben die 12-klässler in einem zweistündigen Workshop Archivarbeit, in der sie sich in kleinen Gruppen mit den Themen Emigration, Zwangsarbeit, Reichspogromnacht und Bar- bzw. Bat Mizwa beschäftigten. Dabei standen ihnen engagierte Mitarbeiter des Museums tatkräftig zur Seite, die vorher Originalmaterialien zum Thema herausgesucht hatten, mit denen die Schüler arbeiten durften. Anschließend hatten die Schüler in einem 2 ½ stündigen Zeitzeugengespräch die Möglichkeit Informationen über die Zeit aus erster Hand zu bekommen.


Der 94-jährige Kurt Roberg ist als Junge in der kleinen Stadt Celle in Niedersachsen aufgewachsen. Er erlebte, wie die Nationalsozialisten an die Macht kamen und die Gleichschaltungsprozesse langsam fortschritten. Mit der Unterstützung seiner Familie gelang es ihm 1938 zu seinem Onkel nach Rotterdam zu fliehen. Nach der Bombardierung Rotterdams konnte er 1940 weiter über Berlin und Lissabon nach Amerika zum Rest seiner Familie fliehen. Heute lebt er in New Jersey und kommt regelmäßig nach Deutschland, um über seine Lebensgeschichte zu sprechen.

Er fesselte die Schüler mit seiner Art zu erzählen. Aufgrund des Wissensdurstes der Schüler entstand ein sehr angeregtes Gespräch mit Herrn Roberg, in dem viele Fragen gestellt und beantwortet wurden. So kam zum Beispiel die Frage auf, ob sich seine Beziehung zu Gott in dieser harten Zeit geändert hatte, worauf er antwortete: „No. God is an abstract thing anyway.“ Durch seine humorvolle Art entstand eine sehr lockere Atmosphäre. „Einfach beeindruckend“, war das Resultat der Geschichtslehrerin Katrin Niekrawietz.

Nach diesem bereits sehr erlebnisreichen Tag fuhren am Abend alle gemeinsam ins Schlosspark Theater zu dem Stück „Der Stellvertreter“ von Rolf Hochhuth, in dem die Stellung des Vatikans zu den Judenverfolgungen während des Zweiten Weltkriegs thematisiert wurde. Durch die interessante und trotzdem leicht verständliche Darstellung gelang es allen, dem Stück gut folgen zu können.

Am nächsten Morgen besuchte die Gruppe den Jüdischen Friedhof Berlin-Weißensee, welcher zu den größten Europas gehört. Insgesamt sind dort über 116.000 Juden begraben, da es im Judentum Tradition ist, die Gräber für immer zu erhalten und zu pflegen. Über diese und andere Bräuche, die den Tod im Judentum betreffen, sprach Michael Höhme auf einem kleinen Rundgang zu den prunkvollsten Grabstätten. Dieser Friedhof spielte auch zu Zeiten des Zweiten Weltkriegs eine wichtige Rolle, da sich viele jüdische Familien dort versteckten, um den nationalsozialistischen Gräueltaten zu entkommen, was einige Schülerinnen von einem Mitarbeiter des Friedhofs erfuhren, den sie durch Zufall trafen und dessen Familie selbst betroffen war.

Alles in allem war die Exkursion ein sehr aufschlussreiches Erlebnis und die Beschäftigung mit dem Thema außerhalb des Unterrichts war „sehr inspirierend“, fand Michelle Finsel-Mitzschke aus der 12. Klasse.

Emilia Loschinski und Lilly Marleen Wetzig

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Magazin für Computertechnik Heft 25 (24.11.2018)