17.04. Von stehenden Säulen und ...

... schwierigen Eltern
Neuntklässler des Lessing-Gymnasiums belegen fünf spannende Workshops zur „Stärkung von Körper, Geist und Seele“

VON THOMAS SPARRER

Die Suche nach der inneren Mitte geht leise und im Stehen. Martin Sieber (35), Taiji-Lehrer und Heilpraktiker für Physiotherapie, zeigte gestern am Lessing-Gymnasium verschiedene Übungen und Techniken für ein besseres Körpergefühl und zur Entspannung. 20 Schüler hatten sich für seinen Workshop eingetragen und übten mit ihm, sich ganzheitlich zu spüren und sich als stehende Säule zu entspannen.

Als stehende Säule auf der Suche nach der inneren Mitte und dem guten Gefühl für eigenen Körper gab es einen entsprechenden Workshop in der Kunst des Taiji. Foto: Sven Bartsch

Sein Taiji-Kurs war eines von fünf Angeboten, welche Schulsozialarbeiterin Susann Gasse (35) und Beratungslehrer Heiko Weise (52) für den gestrigen Präventionsnachmittag zur Stärkung von Körper, Geist und Seele organisiert hatten. Die 100 Schüler der Klassenstufe neun konnten sich für jeweils einen der fünf Workshops entscheiden.

„Macht essen glücklich?“ lautete etwa die Frage, der die Schüler mit der Waldheimer Ernährungsberaterin Silke Schuhmann nachgehen konnten. Hanna Winkler, Schwangeren-, Ehe-, Familien- und Lebensberaterin der Diakonie in Döbeln, hatte ihren Workshop „Wenn Eltern schwierig werden“ genannt und ging mit den Schülern dabei auf die Probleme ein, die pubertierende junge Menschen mit ihren Eltern haben könnten.

„Psychische Erkrankungen im Jugendalter“ hieß der Workshop, den Mitarbeiter der Erziehungsberatungsstelle anboten. Was tun, wenn die beste Freundin, plötzlich nur noch in dunklen Wolken lebt? Woher bekommt man Hilfe? Das waren in diesem Workshop die Fragen.

Cybermobbing, Fake-News, die eigenen Persönlichkeitsrechte und das Recht auf Privatsphäre und informationelle Selbstbestimmung waren die Themen im Workshop von Sophie Spitzner und Johannes Gersten unter dem Titel „Hass und Straftaten im Internet“.

„Unsere Schulsozialpädagogin und ich haben die Themen für diesen Präventionsnachmittag aus unseren ganz praktischen Erfahrungen herausgefiltert. So sind diese fünf Workshops mit Unterstützung vieler Partner entstanden“, sagt Heiko Weise. Er ist einer von drei Lehrern am Gymnasium mit einer zweijährigen Ausbildung zum Beratungslehrer. Aus seiner Praxis und aus der Praxis der Schulsozialpädagogin kamen die Ideen.
„Wir haben einen Sucht- und Präventionsplan erarbeitet, nach dem wir altersstufengerecht mit den Schülern arbeiten. Wir wollen, dass unsere Heranwachsenden lernen, sich in konflikt- und suchtgefährdenden Situationen angemessen zu verhalten.“

Für das Internetthema etwa kennt Heiko Weise Beispiele aus der Schule, wo sich Schüler in WhatsApp-Gruppen gemobbt haben oder wo es auf einer inzwischen stillgelegten LGD-Beichtseite im Netz sehr beleidigende Inhalte gab. „So etwas greifen wir auf und steuern dagegen.“ Auch psychische Erkrankungen im Jugendalter kennen der Beratungslehrer und die Schulsozialpädagogin aus ihrer Arbeit. So gibt es immer mal wieder Fälle von selbst verletzendem Verhalten, Depressionen, Schulverweigerung oder Essstörungen. „Dafür haben wir den Schülern heute Experten und niederschwellige Aufklärungsangebote ins Haus geholt. Auch gesunde Ernährung ist immer ein Thema und wer sich zu entspannen weiß, kann sich in der Schule besser konzentrieren“, sagt Heiko Weise.

DAZ 17.04.18

Tai Chi und Cybermobbing

Die Neuntklässler des Gymnasiums haben eine Menge bei Präventionsworkshops gelernt – auch über sich selbst.

Von Jens Hoyer

Der Physiotherapeut und Tai Chi-Lehrer Martin Sieber erzählt etwas über Entspannung und die Einheit von Körper und Geist. Nur durch Ausatmen kann man entspannen. Imaginäre Gewichte drücken auf die Hände, Schultern und Ellenbogen. Daraus entsteht Wärme, die den ganzen Körper durchströmt. „Diese Wärme nennen die Chinesen Chi“, so Wagner. Die um ihn herum im Kreis auf Matten liegen, das sind Neuntklässler des Lessing-Gymnasiums und sie lernen an diesem Tag etwas über ihren Körper.

Einen ganzen Nachmittag ging es am Gymnasium um die Stärkung von Geist Körper und Seele. Vertrauenslehrer Heiko Weise und die Schulsozialpädagogin Susann Gasse haben den Präventionsnachmittag organisiert. „Die Schule ist eine Vorbereitung aufs Leben. Deshalb haben wir auch solche Themen ausgesucht“, sagte Weise. Und es sind vor allem auch Themen, mit denen der Beratungslehrer und die Sozialpädagogin jeden Tag konfrontiert sind. Da ging es nicht nur um gesunde Ernährung.

„Wenn die Eltern schwierig werden“ war der augenzwinkernde Titel eines Workshops, bei dem es eher nicht um schwierige Eltern, sondern um pubertierende Jugendliche ging. Psychische Erkrankungen im Jugendalter hatten die meisten Jugendlichen wahrscheinlich nicht auf dem Schirm, solche Fälle tauchen im Schulalltag aber immer wieder auf. „Wir haben Fälle von Leistungsschwierigkeiten, Schulunlust und Schulschwänzen und Erkrankungen, die damit einhergehen. Depressionen, Essstörungen und Fälle, dass sich Jugendliche ritzen“, sagte Weise.

Auch die Medienkompetenz der Schüler soll gestärkt werden. Hass und Straftaten im Internet sind da ein Thema. Mobbing im Netz kann auch die Grenzen zum Strafbaren überschreiten, etwa wenn Beleidigungen ins Spiel kommen oder mit Fotos das Recht am eigenen Bild verletzt wird. Der Medienpädagoge Johannes Gersten und Sophie Spitzhorn vom Verein Treibhaus hatten sich dieses Themas angenommen – sie sprachen mit den Schülern über Cybermobbing, Persönlichkeitsrechte, Hassreden und „Fake News“. „Dafür gibt es schon ein gewisses Bewusstsein unter den Schülern. Aber die Strategien dagegen sind noch nicht so bekannt oder des fehlt die Übung“, sagte Gersten. „Wir geben den Schülern einen Überblick, wo die Straftat anfängt.“
DA 17.04.18