Alte Dame mausert sich

Lange wurde sie ersehnt – die Sanierung des Hauptgebäudes. Was die Schulgebäude betrifft, ist sie der letzte Schritt hin zu einem modernen Gymnasium mit modernen Unterrichtsräumen. Der Bau des Naturwissenschaftlichen Gebäude, der Stadtsporthalle und des Mensarundbaus waren Mitte der 1990er Jahre ein erster wichtiger Schritt. 2010 wurde das alte Laborgebäude saniert und erstrahlt jetzt als Kunstgebäude in neuem Glanz. Im selben Jahr wurde die Körnerplatzschule Außenstelle des Gymnasiums für die Schülerinnen und Schüler der Klassen fünf und sechs. Auch diese Schule hatte schon einen grundhaften Ausbau hinter sich und bot von Anfang an sehr gute Bedingungen für den Unterricht.

Sorgenkind der vergangenen Jahre war nur noch das Hauptgebäude, allein schon durch die Größe des Hauses – das war allen Beteiligten klar – ein dicker Brocken. Dringend nötig war die Sanierung allerdings. Elektrik und Heizung waren veraltet und der Gesamteindruck des ehrwürdigen Gebäudes befand sich in einem schlechten Zustand.

Der Fliesenspiegel erinnerte noch an die alte Küche in der 1. Etage. Auch hier entstand eine neue Raumstruktur.

Alle waren froh, als es 2012/13 gelang, die energetische Sanierung der Außenhülle des Hauptgebäudes durchzuführen. Insgesamt 683 000 Euro der 1,34 Millionen Euro Gesamtkosten kamen aus dem Efre-Programm der Europäischen Union. Ganze 144 000 Euro stammten aus Bundesmitteln des Programmes „Stadtumbau-Ost“ sowie 525 000 Euro aus dem Stadthaushalt. Gefördert wurden in diesem Zusammenhang ein neues Schieferdach, neue Wärmeverbundfenster mit Sonnenschutzverglasung und innenliegenden Sonnenschutzrollos sowie die Sanierung aller Sandsteinelemente. Um gleich auch noch die Fassade zu erneuern, legte der Stadtrat am Ende noch 225 000 Euro aus der Rücklage obenauf. Im Frühjahr 2013 wurden diese Arbeiten abgeschlossen, das Hauptgebäude ist seitdem ein "Hingucker".

Betonausbesserungen aus vergangenen Jahren werden entfernt, um die Stufen für den neuen Sandsteinmörtel vorzubereiten.

Natürlich war die Hoffnung groß, dass nach der Außensanierung die Innensanierung folgt. Ob das wirklich klappt, war lange unklar. Allen war bewusst, dass der Sanierungsbedarf im Inneren wesentlich größer ist und die Kosten dadurch wesentlich höher sein werden. Letztlich gelang es der Stadt Döbeln aber, auch durch die Vermittlung des Landtagsabgeordneten Sven Liebhauser (CDU), Fördermittel für die Innensanierung zu aktivieren. Auf 3,2 Millionen Euro wurden die Kosten veranschlagt. Als der Fördermittelbescheid von Dr. Michael Wilhelm, Staatssekretär im Sächsischen Innenministerium, überbracht wurde, liefen die Vorbereitungen für die Sanierung schon auf Hochtouren. Planungen wurden präzisiert und schnell ging es auch um die Frage, wo die Schüler des Lessing-Gymnasiums in den anderthalb Jahren Bauzeit lernen werden.

Im Hauptgebäude sollte während der Sanierung Baufreiheit bestehen. Da traf es sich gut, dass derzeit das Berufliche Schulzentrum Döbeln-Mittweida die Außenstelle in der Bahnhofsstraße 43 nicht mehr dringend benötigte. Die Berufsschüler zogen zum Halbjahr des Schuljahres 2013/14 aus ihrem Haus E aus und unsere Schüler zogen ein. Damit hatte das Gymnasium mitten im Schuljahr – für die Unterrichtsplanung eine Herausforderung – eine zweite Außenstelle. In diesem Zusammenhang war es gut, dass Eltern, Schülern und Lehrern von Beginn an klar war: Wer ein saniertes Schulgebäude möchte, muss während des Baus Unannehmlichkeiten hinnehmen.

Die gute alte Aula - eine Baustelle.

Achtzehn Monate wurde gebaut und saniert. Wesentliche Veränderungen sind nun sichtbar. Die Ziele bei der Sanierung waren ambitioniert. Die Unterrichtsräume sollten nicht nur instandgesetzt werden, sondern das Haupthaus sollte modernsten Ansprüchen an ein Schulgebäude genügen.

Durch einen neu zu errichtenden Verbindungsbau sollten Hauptgebäude und Naturwissenschaftliches Gebäude im Bereich des ersten und zweiten Stockwerkes miteinander verknüpft werden. So werden schulische Abläufe leichter und man muss bei stürmischem Winterwetter nicht mehr den Schulhof überqueren, wenn man vom Englisch- zu seinem Biologielehrer möchte. Hauptzweck des Verbinders ist allerdings, dass er beide Gebäude für eine behindertengerechte Erschließung ertüchtigt, denn im Verbinder ist ein Fahrstuhl integriert, um alle Ebenen barrierefrei zu erreichen, ohne Treppen steigen zu müssen. Auch an zwei behindertengerechte WCs wurde gedacht.

Die Kelleretage wird im Bereich des Nordflügels generalüberholt. Die Leitungsstränge verschwinden im Estrich des Fußbodens.

Die unterschiedlichen Geschosshöhen beider Gebäude hat man im Verbinder durch geneigte Ebenen ausglichen. Bei der Projektierung wurde darauf geachtet, dass sich das neue Gebäude nicht wie ein Riegel zwischen Schulhof und Außenbereich legt. Mit vielen Fensterfronten erreichte man Transparenz und eine gewisse Leichtigkeit. Letztlich war es ja architektonisch nicht einfach, das 1869 erbaute hellgelbe Haupthaus mit dem 1994/95 errichteten, rosafarbenen Naturwissenschaftlichen Gebäude zu verknüpfen. Zur Stadt zu soll eine blühende Kletterpflanze den „farblichen Schnitt“ zwischen den beiden Gebäuden versöhnen.

Bei den Überlegungen, wie der Zimmerzuschnitt im sanierten Hauptgebäude aussehen soll, wurden vor allem größere Klassenzimmer angestrebt. Die Raumaufteilung im Haus war denkbar ungünstig. Es existierten viele kleine Räume, die früher als Internats- oder Vorbereitungszimmer genutzt wurden. Auch der Verwaltungsbereich der Schule wechselte mehrfach von einer in die andere Etage. Folge war eine verwirrende Raumstruktur im Schulgebäude, die über mehrere Jahrzehnte eher zufällig entstanden war. Kurz: Die Schule war völlig verbaut. Durch die Sanierung kommt nun wieder eine klare Linie ins Haus. Die kleinen Vorbereitungsräume verschwanden und wurden den Unterrichtsräumen zugeschlagen. So entstanden Zimmer mit 50 bis 65 Quadratmeter Fläche, in denen auch Klassen mit 26 bis 28 Schülern unterrichtet werden können. Klassenteiler ist in Sachsen derzeit 28. Folge war natürlich, dass zahlreich Wände herausgerissen und neue Wände eingebracht werden mussten.

Gehört der Vergangenheit an - das Wirrwarr an benutzten, nicht benutzten und zugesetzten Türen.

Zudem sollten bisher für den Schulbetrieb ungenutzte Räume erschlossen werden. Da traf es sich gut, dass der Keller im Nordflügel des Hauptgebäudes aus dem Erdreich herausragt und mit normalen Fenstern ausgestattet ist – bestes Souterrain also. In diesem Bereich wurden zur Straße des Friedens hin die neue Schulbibliothek und ein Studio für unsere Video-AG eingerichtet. Zur Hofseite fand das neue Schulmuseum seinen Platz und unsere Flugmodellbauer erhielten eine Werkstatt. Ziel war es, Räume für außerschulische Angebote nutzbar zu machen. Das Lessing-Gymnasium ist eine Ganztagsschule mit derzeit 32 Kursen und Arbeitsgemeinschaften, die nachmittags laufen.

Im Südflügel der darüber liegenden Etage wurde der neue Verwaltungsbereich eingerichtet. Schulleitung, Sekretariat und Archiv waren hier schon in den letzten Jahren zu finden. Nun erhielten in diesem Bereich auch die Fachleiter, der Oberstufenberater und die Sozialpädagogin ihre Büros. Zudem wurde der Arztraum aus dem Keller hierher verlegt.

Zwei Gebäude wachsen zusammen. Der Fahrstuhl im neuen Verbinder macht Haupt- und Naturwissenschaftliches Gebäude behindertengerecht.

Im Verbinder zwischen Haupt- und Naturwissenschaftlichem Gebäude wird es über einer flachen Heizungsstrecke Sitzgelegenheiten geben.

Schon vor Beginn der Sanierung war allen Beteiligten klar, dass das Schulgebäude, mit fast 150 Jahren ja wirklich eine alte Dame, in einigen Bereichen behutsam, auch unter Berücksichtigung des Denkmalschutzes saniert werden muss. Auf der anderen Seite sollte natürlich auch ein Gebäude mit einer modernen Ausstattung entstehen, das den Ansprüchen von Schule im Zeitalter der Digitalisierung genügt. In allen Räumlichkeiten kann man nun interaktive Tafeln nutzen und auf das Internet zugreifen. In ausgewählten Räumen wurde die traditionelle Klassenzimmerstruktur aufgegeben, damit die Schüler schnell in Kleingruppen zu verschiedenen Themen auf Tablet-Computer recherchieren können.

Im Bereich des Foyers, des Haupttreppenhauses und der Aula sollte es dagegen ein klares Bekenntnis zum Denkmalschutz geben. Wenn immer möglich, wird auf den historischen Bestand zurückgegriffen. Lange machten wir uns bei den herrlichen farbigen Fliesen in diesen Bereichen Sorgen, ob sie den kritischen Augen der Unfallkasse standhalten. Messungen ergaben zu unserer Freude, dass sie zwar in einigen Bereichen abgelaufen sind, aber keine Notwendigkeit besteht, sie durch neue rutschfeste Fliesen zu ersetzen. Die wären dann sicher auch nicht ansatzweise so schön gewesen.

Neue Offenheit - Foyer, Gang und Haupttreppenhaus bilden zukünftig einen repräsentativen Eingangsbereich.

Das Foyer wird nach der Sanierung zu neuem Leben erwachen. Die irgendwann eingebauten Trennwände zwischen Treppenhaus und Foyer hatten dazu geführt, dass der Bereich des Foyers erstens nicht zur Geltung kam und zweitens nicht genutzt wurde. Durch den Abriss dieser Wände sind Treppenhaus und Foyer wieder miteinander verbunden. Es entstand ein Raum, der mit Sitzgelegenheiten links und rechts vom Hauptportal zum Verweilen einlädt. Hier findet natürlich der Lessing-Spruch „Ohne die Geschichte bleibt man ein unerfahrenes Kind“ wieder seinen Platz und eine Büste des Namensgebers wurde bestellt. Zudem werden verschiedene Qualitätssiegel, Auszeichnungsplaketten und –tafeln, die die Schule in den letzten Jahren erhielt, hier ausgestellt. Das Foyer wird schon deshalb wieder ein lebendiger Ort, weil die digitale Informationstafel mit dem Vertretungsplan für viele Schüler der erste Anlaufpunkt ist, ehe der Unterricht beginnt.

Vom Foyer zur Aula kann man nun über die sanierte Treppe aufwärts schreiten. Die alten Sandsteinstufen wurden vor Jahren, weil sie ausgetreten waren, mit Beton ausgebessert. Das sah nicht schön aus und hielt auch nicht lange. Nun wurden alle Betonreste entfernt und die Stufen mit einem Sandsteinmörtel so aufgearbeitet, dass sie am Ende wieder durchgängig in Sandsteinoptik das Treppenhaus zieren. Beleuchtet werden sie von attraktiven Wandlampen, die gemeinsam mit den Kugelleuchten in den Gängen im Hauptgebäude für gutes Licht sorgen.

Parkett, Linolium und Spanplatten aus unterschiedlichen Zeiten mussten abgetragen werden. Einige Monate dauerte der Abbruch und die Entsorgung von alten Tapeten, Fußböden und Zwischenwänden.

Die Türen zum Lehrerzimmer in der ersten Etage und die drei Aulatüren in der zweiten Etage wurden nach historischem Vorbild wiederhergestellt. Zu DDR-Zeiten waren die Verzierungen dieser Türen teilweise unter einer Sperrholzverplankung verschwunden. Im Nachhinein gut, weil so die historische Ausstattung der Türen nachvollziehbar blieb. Auch die Aula wurde natürlich einer Frischzellenkur unterzogen. Für eine neue Optik sorgt ein moderner Kronleuchter, der in der Mitte der Auladecke platziert wurde. Eichenparkett, eine fest eingebaute Bühne, eine neue Wandverkleidung und Bestuhlung verleihen diesem Raum eine ganz besondere Würde. Zudem wurde die altehrwürdige Aula mit modernster Veranstaltungstechnik ausgestattet. Ein leistungsfähiger Beamer für Großbildprojektionen wurde genauso eingebaut wie ein Lautsprechersystem und Scheinwerfer für Konzerte oder Theaterveranstaltungen. Um die Veranstaltungstechnik in der Aula wirkungsvoll steuern zu können, richteten wir ein kleines Studio ein, das im Südflügel an die Aula angrenzt.

Da blieb kein Auge trocken - zahlreiche Zwischenwände verschwanden, damit die Klassenzimmer an Größe gewinnen konnten.

Eingangs erwähnte ich, dass zahlreiche Vorbereitungsräume weggefallen sind, damit die Klassenzimmer vergrößert werden konnten. Trotzdem braucht sich niemand Sorgen um die Lehrer der Schule zu machen. Im sanierten Hauptgebäude gibt es gleich drei Lehrerzimmer. Neben dem Hauptlehrerzimmer über dem Foyer der Schule wurden im Bereich des Südgiebels zwei Räume als Lehrerzimmer ausgewiesen, in denen sich die Fremdsprachenlehrer und die Lehrer der gesellschaftswissenschaftlichen und sprachlichen Fächer aufhalten können. In diesen Räumen werden Lernmaterialien aufbewahrt, können kleine Beratungen stattfinden, je zwei Schreibtische mit Computertechnik ermöglichen den Zugang zum Internet und auch an eine kleine Teeküche wurde gedacht.

Sind Sie neugierig geworden? Dann sollten Sie unbedingt mal wieder bei uns vorbeischauen. Sie werden staunen.

Michael Höhme

Das Hauptgebäude im Spätsommer 2015 - innen und außen saniert.


Das Herz der Schule

Besonders intensiv wurde bei der laufenden Innensanierung die Neugestaltung der Aula überdacht. Hier traten interessante Befunde zutage.

Die Aula eines Gymnasiums, das vor nunmehr fast 150 Jahren gegründet wurde, ist natürlich ein besonderer Raum - ein Ort mit einer besonderen Aura. Kaiserreich, Weimarer Republik, Nationalsozialismus, Besatzungszeit, DDR und wiedervereinigtes Deutschland – verschiedene historische Abschnitte prägten die Schulgeschichte – es waren Jahre voller Hoffnung und tragischer Verirrung. Die Aula unserer Schule steht in diesen Jahrzehnten für Kontinuität, ist ein Ort an dem zu allen Zeiten versucht wurde, Kindern und Jugendlichen humanistische Bildung zu vermitteln. Hier wurden Abiturprüfungen geschrieben, feierlich Zeugnisse übergeben, es fanden Konzerte und Theateraufführungen statt. Natürlich ist eine Schule auch immer ein Spiegel der Gesellschaft. Besonders in den beiden Diktaturen des 20. Jahrhunderts wurde sie ideologisch missbraucht. Hier warb man Kriegsfreiwillige, schwang rassistische und nationalistische Reden und prangerte Menschen wegen ihrer politischen oder religiösen Überzeugungen an.

Die Aula Anfang der 80er Jahre - unvermeidlich zu dieser Zeit - die Porträts von Erich Honecker und Willi Stoph.

Die Aula 20 Jahre später - außer einem neuen farblichen Anstrich hatte sich nicht viel verändert.

Von Anfang an war klar, dass die Aula bei der anstehenden Innensanierung behutsam und mit viel Fingerspitzengefühl umgestaltet werden muss, weil die Räumlichkeit auch zukünftig die Schule in besonderer Weise repräsentieren wird.

Nachdem verschiedene Tapetenschichten abgelöst und zahlreiche Farbschichten entfernt waren, wurde ersichtlich, wie die Anordnung der Räumlichkeiten um die Aula angelegt war. Links und rechts neben ihr waren zur Gründungszeit kleine Räume, die als Garderobe und Vorbereitungszimmer dienten. Man betrat die Aula von hier dann durch Türen, die sich mittig an der Stirn- und an der Rückseite der Aula befanden. Später wurden diese Türen zugemauert und die kleinen Räume anderweitig genutzt.

Nur noch ein Häufchen in der Mitte der Aula blieb vom alten Parkett übrig. Der Rückbau des Fußbodens erfolgt auch hier bis auf die alte Dielung aus dem Jahr 1869.

Die Sanierungsarbeiten begannen im Frühjahr 2014 mit dem Entfernen des verschlissenen Parketts samt Unterbau und Bitumabdichtung. Lange Holzbalken traten zutage. Die Füllung zwischen diesen war mit groben Dielen abgedeckt. Damit sich die Balken nicht noch mehr durchbiegen, hatte man schon vor Jahren Betonträger im darunterliegenden Lehrerzimmer eingezogen. Mit dem alten Fußboden wurde in der Aula auch die Wandverkleidung aus Sperrholz entfernt. An ihrer Rückfront durchbrach man die Wand für eine neue Tür, die den dort geplanten Raum für die Steuerung der einzubauenden Veranstaltungstechnik mit der Aula verbinden wird. Das Bild, was die Aula in dieser Zeit abgab, war beängstigend. Würde aus diesem leergefegten Raum, würde aus dieser Baustelle jemals wieder eine repräsentative Aula werden?

Zuallererst brauchten die Handwerker wieder festen Grund unter Ihren Füßen. Um Unebenheiten auszugleichen, wurden eine Füllschicht und auf dieser Gipsfaserplatten eingebracht und verklebt. Nun konnten sich die Maler an die Arbeit machen. Sie waren anfangs damit beauftragt, den historischen Befund zu sichern. Behutsam entfernten sie zahlreiche Farbschichten, um zu sehen, wie die Aula im Erstanstrich farblich gestaltet war. Das Ergebnis erstaunte. Wir können davon ausgehen, dass die Aula bei der Einweihung des Gebäudes am 18.04.1871 teilweise in sandfarbenen Gelbtönen, teilweise in dunklen Brauntönen gehalten war. Florale Stuckelemente –farblich in einem Bronzeton gehalten- rahmten verschiedene Bereich der Kassettendecke. Gerade die dunklen Farben gaben dem Raum Würde. An diese Idee wird sich auch die neue farbliche Gestaltung anlehnen.

Reste der alten Wandverkleidung tauchten unter den Fenstern auf.

Interessant erscheint auch, mit welcher Liebe zum Detail einzelne Bereiche, besonders der Auladecke, bemalt wurden. Kenner der Materie schätzten ein, dass sich hier Handwerker verewigten, die mit Illusionsmalerei vertraut waren. Der zentrale Bereich in der Mitte der Kassettendecke war einem Zeltdach, das sich scheinbar nach oben verjüngt, nachempfunden. Erweckt wurde dieser Eindruck durch ein geschicktes Spiel mit Licht- und Schatteneffekten. Keine Frage, hier waren Profis am Werk. Man kann sich gut vorstellen, dass der Kronleuchter, der früher hier platziert war, auch durch die außergewöhnliche Gestaltung dieses Deckenbereiches betont wurde. Es freut uns sehr, dass genau an dieser Stelle wieder ein repräsentativer Kronleuchter angebracht wird, der gemeinsam mit zahlreichen Wandleuchten im gleichen Stil, ausreichend Licht in die Aula bringen und die Wirkung des Raumes unterstützen wird.

Entdeckt wurde auch, dass die Plastizität der Auladecke durch die farbliche Gestaltung unterstützt und die Zusammengehörigkeit der verschiedenen, teilweise kleingliedrigen Kassetten durch verbindende Linien herausgearbeitet wurde. Diese Finessen sollen in abgewandelter Form wieder aufgenommen werden.

Die Wirkung der Auladecke entstand auch dadurch, dass im Übergang zu den Wandbereichen noch ein mit floralen Mustern gestaltetes Band den oberen Bereich der Wände zierte. Dieses ließ die Decke noch eindrucksvoller wirken und bot Raum für detailverliebte Darstellungen von Pflanzenmotiven, die an den beiden säulenähnlichen Wandelemente gegenüber der Fensterfront fast wie Kapitelle gewirkt haben müssen.

Was den Sockelbereich betrifft, hatte man bei der Einweihung des Schulgebäudes 1871 zahlreiche Räume, z.B. das Lehrerzimmer, mit einem Anstrich versehen, der durchaus attraktiv wirkte. Im Stile der Illusionsmalerei hatte man mit dem Pinsel eine Sockelgestaltung verwirklicht, die weit über einen bloßen „Anstrich“ hinausging. Meist war dieser in den für die damalige Zeit üblichen dunklen Farben gehalten. In der Aula hat man sich wohl von Anfang an für eine Holzverkleidung entschieden. Diese tauchte in Resten unter der Verkleidung auf, die zu DDR-Zeiten in der Aula angebracht wurde. Diese war aus lackiertem Sperrholz gearbeitet. Auch die historischen Türen hatte man so verkleidet. Letztlich war das für uns bei der Sanierung ein Glücksumstand, tauchten doch unter dem Sperrholz die Kassetten der alten Aulatüren wieder auf. Die alten Türen neu aufzuarbeiten, wäre zu aufwendig gewesen. Die neu hergestellten Türen werden allerdings nicht nur Brandschutznormen erfüllen, sondern sich in der Gestaltung auch an die alten Türen anlehnen. Genau wie die Wandverkleidung werden sie aus Ahornholz gefertigt. Auch die Holzschalen der 200 neuen gepolsterten Stühle sind in Ahornoptik gebeizt. Die helle Maserung des Holzes bei Türen, Wandverkleidung und Stühlen soll eine gewisse Zusammengehörigkeit und Einheitlichkeit ausstrahlen. Auf dem Fußboden wird ein strapazierfähiges Eichenparkett verlegt.

Die Aula des Gymnasium im Spätsommer 2015 - einer der schönsten Veranstaltungsräume, die Döbeln zu bieten hat.

Wie schon verdeutlicht, wird es keine Restauration der Aula mit dem Ziel geben, sie so wiederherzustellen, wie sie 1871 aussah. Wir unternehmen den Versuch, uns an Gestaltungsdetails anzulehnen, ohne sie nachzuahmen. Zwei Ziele möchten wir bei der Sanierung der Aula erreichen. Es soll ein repräsentativer Raum werden, der Würde ausstrahlt, und es soll ein Veranstaltungsort werden, der viele Möglichkeiten der Nutzung bietet. Moderne Veranstaltungstechnik spielt hier in unserer Zeit natürlich eine große Rolle. Die fest eingebaute Bühne mit großzügig gestalteten Stufen für unsere Chöre wird beste Voraussetzungen für verschiedene künstlerische Aktivitäten bieten. Moderne LED-Scheinwerfer können die Bühne in verschiedene Lichtstimmungen tauchen, moderne interaktive Lautsprecher sind in allen Bereichen der Aula installiert, so dass akustisch auch in den hinteren Reihen alles gut zu verstehen sein wird. Mit einem Beamer wird es möglich sein, auf der Wand hinter der Bühne große Projektionen zur Ansicht zu bringen. Bildershows, die häufig unsere Weihnachtskonzerte begleiten, können hier genauso laufen, wie Filme oder vortragsbegleitende Präsentationen von Referenten. Diese werden übrigens an einem neuen Rednerpult stehen. Wie man sieht, bieten sich viele Möglichkeiten für unterschiedliche Nutzungsprofile – genau das haben wir angestebt.

Bei Homer war die Aule (griech. αυλή, „Hof“) der umbaute, lichte Hofraum eines Hauses. Wichtige Zusammenkünfte fanden hier statt, hier diskutierte man miteinander, hier lauschte man Rednern und Künstlern - hier war das Zentrum des gemeinschaftlichen Lebens. Ein solcher Ort soll die neu gestaltete Aula des Lessing-Gymnasiums auch zukünftig bleiben und vielleicht sogar noch mehr werden. Wann immer möglich, bei Vorträgen, Konzerten, Theateraufführungen – besuchen Sie ihn. Wir würden uns freuen!

Michael Höhme