Mittagessen bald wie im Urlaub

Elternräte des Lessing-Gymnasiums beschließen einstimmig die Einführung eines neuen Essenskonzeptes in Buffetform

Döbeln. Wie am Abendbüffet im Vier-Sterne-Urlaubshotel soll es künftig in der Mensa des Lessing-Gymnasiums Döbeln zugehen. Einstimmig einigten sich die Elternvertreter der Schule am Dienstagabend darauf, gemeinsam mit dem Essensanbieter Sodexo neue Wege beim Schulessen zu gehen.
Birgit Barske, Verkaufsleiterin bei Sodexo, stellte interessierten Eltern das neue Konzept vor. Ziel sei die Verbesserung der Esskultur und Steigerung der Akzeptanz. Denn an der Schule nehmen von 760 Schülern gerade 250 am Essen teil. Das sei zwar an weiterführenden Schulen guter Durchschnitt aber dennoch eine zu geringe Zahl. Darin waren sich Schule, Eltern und Schülervertreter einig. Das vorgestellte neue "Fun-tastic Konzept" hat Sodexo bereits am Freien Gymnasium Penig, dem Wilhelm-Ostwald-Gymnasium in Leipzig sowie in Magdeburg eingeführt. Durch mehr Flexibilität an einem Mittagsbüffet soll die Akzeptanz auch bei den älteren Schülern erhöht werden. Schulleitung, Elternräte und Schülersprecher sahen sich die Neuerung in Penig an. Hier wurde seit Schuljahresbeginn die Zahl der Essenteilnehmer verdoppelt

Essenausgabe am Freien Gymnasium Penig


Die Schüler können ab dem neuen Schuljahr auch am LGD ihr Essen individuell jeden Tag selbst zusammenstellen. Sie bestellen wie bisher die gewünschte Hauptkomponente vor, die am Essenstag zentral ausgegeben wird. Alle Beilagen können die Schüler individuell spontan vor Ort auswählen. Durch die freie Beilagenwahl müssen Schüler und Lehrer sich nicht schon lange im Voraus festlegen, ob sie nun an bestimmten Tagen Lust auf Kartoffeln, Reis, Möhren oder Brokkoli haben. Eine Vitamin-Naschbar, ein Frischebüffet mit wechselnden Salaten, Rohkost und mundgerechten Obst- und Gemüsesticks mit leckeren Dips ergänzt das Angebot. Bedenken, dass die Schüler sich in Selbstbedienung einseitig bedienen, hätten sich nicht bestätigt, so Birgit Barske.
Schülersprecher Karl Petschinka und den Schulelternratsvorsitzenden Axel Buschmann hatte der Besuch in Penig überzeugt. Beide warben um Zustimmung. "Wir haben eine so tolle Mensa an unserer Schule. Nun wollen wir dafür sorgen, dass sie auch viel mehr genutzt wird", sagte Schulleiter Michael Höhme.

Döbelner Allgemeine Zeitung
Thomas Sparrer
25.05.2012

Der Preis

  • Zwischen 1,85 und 2,20 Euro kostet das Schulessen am Lessing-Gymasium Döbeln bisher.
  • Mit dem neuen Konzept werden es ab neuem Schuljahr 2,80 Euro am Tag sein. Das liegt noch deutlich unter den Angeboten, welche die größeren Schüler außerhalb des Schulgeländes jeden Mittag nutzen.
  • Täglich wird es drei Menüs und ein Pasta-Angebot geben. Beilagen und Gemüse werden dazu nach Belieben ergänzt. Servicekräfte sorgen für Nachschub und Sauberkeit.


Neue Essensausgabe fürs Gymnasium

Das neue Konzept des Essensanbieters Sodexo lässt den Schülern mehr Freiheit beim Mittagessen. Doch die hat ihren Preis.

Gekochte Eier in Senfsoße mit Salzkartoffeln, Bratwurstragout, gefülltes Fladenbrot oder doch lieber einen Salat? Den Schülern des Lessing-Gymnasiums stehen in der Mensa täglich vier Gerichte zur Auswahl. Doch nur wenige essen mit. Von den rund 760 Schülern sind es 250. Die Zahl soll sich in Zukunft verdoppeln. Der Essensanbieter Sodexo führt im neuen Schuljahr ein neues Ausgabesystem ein, das sich bereits an anderen Schulen bewährt hat. Trotz Preiserhöhung und Kritik haben sich die Eltern für das Konzept „Fun-tastic“ entschieden.

Mit dem neuen System soll sich vor allem eines ändern: die Schüler dürfen mehr selbst entscheiden. Bisher blieb nur die Wahl zwischen den vier Menüs. Während der 50-minütigen Mittagspause stehen die Schüler an der Ausgabe Schlange. Die Servicekräfte von Sodexo teilen das bestellte Gericht aus. Fertig. Wer zu seinen gekochten Eiern lieber Reis statt Kartoffeln will, hat Pech gehabt. Mit Beginn des nächsten Schuljahres sollen die Schüler sich die Beilage selbst aussuchen dürfen. Bestellt wird lediglich Fleisch, Fisch oder Ei. Gemüse und Beilagen gibt es zur Selbstbedienung an der Theke.

Mindestens drei verschiedene Beilagen sowie zwei unterschiedliche Sorten Gemüse stehen den Fünft- bis Zwölftklässlern zur Verfügung. Ihre Desserts holen sie sich von der sogenannten „Vitamin-Naschbar“, die vier verschiedene Angebote bereit hält. Fertige Salate, Rohkost-Sticks, aber auch Obst und Joghurt stehen zur Auswahl. Die beiden im Raum stehenden Theken müssen erst aufgebaut werden.

Nicht immer schmeckt es Friedhelm (M.) in der Mensa des Gymnasiums. Ab nächstem Schuljahr haben er sowie Joan, Maxi und Johanna (v.r.) mehr Freiheit bei der Essenswahl. Foto: Lutz Weidler


Doch das neue Konzept hat seinen Preis. Pro Portion verlangt der Essensanbieter 2,80 Euro – egal, für welches Menü sich die Schüler entscheiden. Bisher gab es eine Staffelung im Preis. Birgit Barske, Verkaufsleiterin bei Sodexo, begründet die Preiserhöhung: „Für die Betreuung der Theken sind mehr Service-Mitarbeiter vor Ort und die Investition in die Theken muss beglichen werden.“ Schulleiter Michael Höhme macht deutlich, dass das Essen auch mit neuem Preis noch günstiger ist als die Alternativen. Einige Schüler holen sich in der Mittagspause einen Döner oder Essen aus der Kantine des Landratsamtes. Beides sei teurer. Wiener und Brötchen oder eine Suppenterrine aus dem Supermarkt sind zwar günstiger, aber nicht unbedingt gesund.

Zur Preiserhöhung hinzu kommt, dass statt vier in Zukunft nur noch drei Gerichte zu Auswahl stehen. Die klassischen Schulmenüs bleiben. Als drittes hinzukommt ein Pasta-Gericht, jeden Tag. Einige Eltern werden da skeptisch. Birgit Barske beruhigt: „Wenn es jeden Tag Pasta gibt, werden die Schüler nicht täglich Pasta wählen.“

Auf das neue System reagieren die Eltern zunächst kritisch, da sich an der Qualität des Essens nichts ändern wird. Hans-Jochen Peschke von Sodexo entgegnet, dass sich allein durch die freie Wahl der Beilage das Geschmackserlebnis verbessert. Sodexo ist bereit, Salz und Pfeffer auf die Tische zu stellen. Da man ohne Zusatzstoffe koche, wirken die Gerichte scheinbar lascher, sagt Verkaufsleiterin Barske. Ein Vater fragt, ob mit dem neuen System auch der Speiseplan erweitert wird. Er bemängelt, dass es kaum Klöße oder Pommes gibt. Die Anregung mit den Klößen nehmen die Mitarbeiter von Sodexo auf. Pommes wird es aber nicht geben. Zwischen der Zubereitung und dem Essen liegt zu viel Zeit, um gute Pommes anzubieten, so Barske. Eine Mutter befürchtet, dass mit „Fun-tastic“ das Chaos in der Mensa ausbricht. Die Sorge ist jedoch unbegründet. Am Freien Gymnasium Penig gibt es das System bereits. Döbelner Schüler, Lehrer und Eltern haben sich dort umgeschaut. Von Chaos keine Spur, sagen sie.

Mit in Penig war auch Schülersprecher Karl Petschinka. Der Elftklässler isst in der Mensa nicht mehr mit. Von dem System, wie er es in Penig gesehen hat, war er positiv überrascht. Wenn es da ist, würde er auch mal wieder in der Mensa essen. Norbert Gorcke und Paul Rathke aus der neunten Klasse werden auch in Zukunft ihr Mittagessen beim Landratsamt holen. „Das neue System ist sinnlos. Die Qualität des Essens ist nicht gut“, sind sich die Schüler einig. Lukas Fuchs aus der siebten Klasse ist da anderer Meinung: „Ich finde das neue System eigentlich gut. Zu meinem Stück Fisch kann ich mir die Beilage dann selber aussuchen.“

Döbelner Anzeiger
Maria Lotze
25.05.2012